Factoring

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Factoring

Unter Factoring versteht man den Ankauf von Forderungen aus Leistungen durch einen Factor (Factoring-Gesellschaft) als Vertragspartner z. B. des Bauunternehmens.

Der Factor verpflichtet sich im Vertrag zur:

  • Verwaltung der Forderungen (Buchhaltung, Mahnwesen) als Servicefunktion,
  • Bevorschussung der angekauften Forderungen als Finanzierungsfunktion, wodurch dem Unternehmen sofort Liquidität zugeführt wird,
  • Übernahme des möglichen Risikos eines Forderungsausfalls als Delkrederefunktion, wenn der Kunde seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen kann.

Für die übernommenen Funktionen verlangt der Factor Gebühren, die von verschiednen Aspekten wie Höhe der Rechnungsbeträge, Anzahl der Rechnungen im Monat, Zahlungsziele u .a. abhängen. Factoring sollte, richtig eingesetzt, das Unternehmen nicht nur mit zusätzlichen Kosten belasten, sondern vorrangig dazu beitragen, es von Aufwendungen zu entlasten und Vorteile zu verschaffen, z. B. durch Skonto- Nutzung, Einsparung von Bankzinsen, Einsparung von Forderungsausfällen u. a.

Die Gebühren für die vertraglichen Funktionen des Factors hängen von verschiedenen Funktionen ab, wie z. B.

  • Höhe der Rechnungsbeträge (möglichst nicht unter 300 €),
  • Anzahl der Rechnungen im Monat,
  • Umfang des Jahresumsatzes,
  • Zahlungsziele der Forderungen,
  • Anzahl der Kunden bzw. Bauherrn u. a.

Die Gebühren liegen für die Servicefunktion zwischen 0,8 und 3,5 % vom Umsatz und für das Risiko (Delkredere) zwischen 0,3 und 1,5 % vom Umsatz. Gewöhnlich werden dem Kunden (Bauunternehmen) 80 bis 90 % der Rechnungsbeträge sofort bereitgestellt, also bis zurFälligkeit der Vergütung bevorschusst. Die dafür anfallenden Kapitalkosten liegen im Allgemeinen in Höhe der Zinsen für einen Kontokorrentkredit.

Der Restbetrag von 10 bis 20 % wird in der Regel erst nach Ausgleich der Forderung durch den Schuldner unter Abzug der oben angegebenen Gebühren geleistet, zwischenzeitlich auf einem Sperrkonto gutgeschrieben.

Beispiel zu Factoring

Beispiel

Der Bauhandwerksbetrieb "Ausbau und Modernisierung" Müller hat einen Jahresumsatz von 3 Mio €. Das durchschnittliche Zahlungsziel beträgt 18 Tage. Der Factor bietet seine Leistungen zu folgenden Bedingungen an:

Servicegebühr  2,0 % 
Delkrederegebühr (Versicherung)  0,5 % 
Zinsen  10,0 % 
Finanzierungsquote  80,0 %  (sofort) 

Die Kosten im Geschäftsjahr betragen für das Factoring:

Servicegebühr  3 Mio x 0,020  60.000 € 
Delkrederegebühr  3 Mio x 0,004  12.000 € 
Kapitalkosten  3 Mio x 0,8 x 0,10 x (18 : 360 Tage)   12.000 € 
Jahreskosten des Factorings    =  84.000 € 

Factoring sollte, richtig eingesetzt, das Unternehmen nicht nur mit zusätzlichen Kosten belasten, sondern vorrangig dazu beitragen, ein Unternehmen von Aufwendungen zu entlasten.

Aus dem angegebenen Beispiel könnten Vorteile resultieren, wie z.B.

  • Skontonutzung von z.B. 3 % auf den Wareneinsatz (Baustofflieferungen) im Jahresdurchschnitt von 40 % vom Umsatz mit der Wirkung

    3.000.000 x 0,40 x 0,03  =  36.000 € 

  • Personaleinsparung für Buchhaltung, Mahnwesen, Zahlungsverkehr von 1,0 Beschäftigte bei Personalkosten im Jahr von 50.000 € (Gehalt einschl. Sozial-, Gehaltszusatz- und Nebenkosten) mit der Wirkung:

    50.000 x 1,0  =  50.000 € 
     
    Bisher ersparte Aufwendungen:  =  86.000 € 

  • Weiterhin könnten hinzukommen:
    • eingesparte Bankzinsen, z.B. aus Tilgung von Bankverbindlichkeiten,
    • Einsparung von Forderungsausfällen,
    • Einsparung von Kreditüberwachungskosten u.a.,
    so dass insgesamt ein finanzieller Vorteil durch Factoring entstehen kann.

Begriffs-Erläuterungen zu Factoring

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