Nachtrag

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Nachtrag

Weichen während der Bauausführung Leistungen vom Bausoll laut Vertrag ab, können sich daraus Nachträge als Nachforderungen und Vergütungsanpassungen ableiten. Nachträge können noch nicht zur Eröffnung des Hauptangebots vorliegen. Ableitbar sind sie beispielsweise:

  • aus Rechten oder Verstößen gegen Pflichten und/oder
  • auch ohne Eingriff der Vertragspartner.

Einen Nachtrag charakterisieren allgemein zwei Merkmale:

  1. Forderung durch den Auftragnehmer auf Vergütung für eine vom vereinbarten Bausoll abweichende Bauleistung, die
  2. erst nach Bauvertragsabschluss gefordert wird bzw. zu vertreten ist.

Die möglichen Einflüsse und Abweichungen können unterschiedliche Ursachen haben:

  • eine Leistungsbeschreibung, die bei nationalen Ausschreibungen nicht den Anforderungen des § 7 im Abschnitt 1 der VOB Teil A sowie analog § 7 EU im Abschnitt 2 für EU-weite Ausschreibungen (bei Erreichen der Schwellenwerte) und § 7 VS im Abschnitt 3 der VOB/A bei verteidigungs- und sicherheitsspezifischen Baumaßnahmen entspricht, d. h. fehlerhaft oder nur lückenhaft beschrieben ist.
  • Anordnungen bzw. Eingriffe des Auftraggebers auf Grund von:
  • unzureichende Mitwirkung des Auftraggebers, beispielsweise für die Bereitstellungspflichten von Ausführungsunterlagen, Beistellungen u. a., verspätetes Abstecken der Hauptachsen, für Anordnungs- und Überprüfungspflichten, die dann auch zu Schadenersatzansprüchen führen können.
  • Vergütungsansprüche auf Grund von Mengenminderungen und -mehrungen ohne Eingriff der Vertragspartner,
  • Fristenansprüche, oft ohne Eingriff des Auftraggebers ausgelöst, aber mit Einfluss von außen, beispielsweise Bauzeitverlängerungen aus Umständen, die für den Auftragnehmer unabwendbar sind, aus außergewöhnlichen Witterungseinflüssen, höherer Gewalt sowie durch Umstände aus dem Risikobereich des Auftraggebers.

Hat der Auftraggeber die Leistungsbeschreibung erstellt, gehen Unvollständigkeiten oder Fehler in erster Linie zu seinen Lasten. Der Spielraum für Nachträge ist andererseits aber umso kleiner, je mehr vertragliche Verantwortung und Risiko der Auftragnehmer für den Leistungserfolg übernimmt und trägt.

Die verschiedenen Arten von Nachträgenleiten sich aus § 2 in der VOB/B ab. Sie sind in einer Übersicht unter dem Begriff " Nachtragsarten nach der VOB " zusammengestellt. Wird eine Nachtragsart während der Bauausführung maßgebend werden, ist vom Auftragnehmer dem Auftraggeber ein Nachtragsangebot mit Nachweis der preislichen Auswirkungen auf Grundlage der vorgenommenen Nachtragskalkulation vorzulegen. Daraufhin ist ggf. eine Nachtragsvereinbarung zu treffen, wenn sich Einheitspreise (EP) unabhängig von der Höhe der Gesamtvergütung ändern. Ein neues Vergabeverfahren ist dazu bei nationalen Ausschreibungen im Unterschwellenbereich nach § 22 im Abschnitt 1 der VOB/A-2016 nicht erforderlich. Von beiden Vertragspartnern wird zu Nachträgen ein Nachtragsmanagement von Bedeutung sein. Dem Auftraggeber fällt dabei vorrangig die Aufgabe der Nachtragsprüfung zu.

Zu öffentlichen Bauaufträgen sind hinsichtlich von Nachträgen die speziellen Anforderungen, Aussagen und heranzuziehenden Formblätter bzw. Muster in den Vergabehandbüchern zu berücksichtigen, so zu Baumaßnahmen:

  • im Hochbau mit Bezug auf das Vergabe- und Vertragshandbuch ( VHB-Bund, Ausgabe 2008, Stand: April 2016) im Abschnitt 5 - Nachtragsmanagement - mit dem "Leitfaden zur Vergütung bei Nachträgen" als Richtlinie 510 und dem Formblatt 523 - Nachtragsvereinbarung -,
  • im Straßen- und Brückenbau nach HVA B-StB (Ausgabe April 2016) im Teil 2 unter Tz. 3.4 - Nachträge - einschließlich von Mustern, z. B. zur Nachtragsvereinbarung u. a.

Dem Grunde nach ist mit einem Nachtrag eine Anpassung der Vergütung verbunden, die sich bei einem VOB-Vertrag nach § 2 Abs. 3 bis 9 in der VOB/B bestimmt und berechnen lässt. Hierzu liefert die Richtlinie 510 - Leitfaden zur Vergütung bei Nachträgen - im VHB-Bund neben umfangreichen inhaltlichen Aussagen zu den Leistungspflichten des Auftragnehmers und den Befugnissen des Auftraggebers auch Berechnungsbeispiele zu den einzelnen Nachtragsarten und von Ausgleichsberechnungen bei Nachträgen (als überschlägige oder detaillierte Ausgleichsberechnung).
Der Leitfaden wurde an die Baurechtsprechung der letzten Jahre angepasst. Im Vorspann des Leitfadens wird besonders hervorgehoben und betont auf die Kooperationspflicht der Vertragspartner hingewiesen. Die Partner sind verpflichtet, bei Streit die Meinungsverschiedenheiten durch Verhandlungen beizulegen.

Normen und Richtlinien zu Nachtrag

Bild 6 a): Gesäumte Kante (mit blanken Stellen) - DIN EN 12150-1 [2000-11] Kantenbearbeitung - Kalknatron-Einscheibensicherheitsglas, thermisch vorgespannt
DIN EN 12150-1 [2000-11] Kantenbearbeitung - Kalknatron-Einscheibensicherheitsglas, thermisch vorgespannt
Bild 6 b): Maßgeschliffene Kante (mit blanken Stellen) - DIN EN 12150-1 [2000-11] Kantenbearbeitung - Kalknatron-Einscheibensicherheitsglas, thermisch vorgespannt
DIN EN 12150-1 [2000-11] Kantenbearbeitung - Kalknatron-Einscheibensicherheitsglas, thermisch vorgespannt
Bild 6 c): Geschliffene Kante (ohne blanke Stellen) - DIN EN 12150-1 [2000-11] Kantenbearbeitung - Kalknatron-Einscheibensicherheitsglas, thermisch vorgespannt
DIN EN 12150-1 [2000-11] Kantenbearbeitung - Kalknatron-Einscheibensicherheitsglas, thermisch vorgespannt
Bild 6 d): Polierte Kante - DIN EN 12150-1 [2000-11] Kantenbearbeitung - Kalknatron-Einscheibensicherheitsglas, thermisch vorgespannt
DIN EN 12150-1 [2000-11] Kantenbearbeitung - Kalknatron-Einscheibensicherheitsglas, thermisch vorgespannt
DIN 1960 [2016-09] (1) Sind nur elektronische Angebote zugelassen, wird die Öffnung der Angebote von mindestens zwei Vertretern des Auftraggebers gemeinsam an einem Termin (Öffnungstermin) unverzügli...
DIN 4074-2 [1958-12] Bedingungen der Güteklassen I bis III Einteilung der Güteklassen Güteklasse I Baurundholz mit besonders hoher Tragfähigkeit Güteklasse II Baurundholz mit gewöhnlicher Tragfähigke...
DIN 1960 [2016-09] (1) Sind schriftliche Angebote zugelassen, ist bei Ausschreibungen für die Öffnung und Verlesung (Eröffnung) der Angebote ein Eröffnungstermin abzuhalten, in dem nur die Bieter und...
DIN 1960 [2016-09] (1) Die Öffnung der Angebote wird von mindestens zwei Vertretern des öffentlichen Auftraggebers gemeinsam an einem Termin (Öffnungstermin) unverzüglich nach Ablauf der Angebotsfris...
DIN EN 438-3 [2016-06] Gegenüber DIN EN 438-3:2005-04 wurden folgende Änderungen vorgenommen: normative Verweisungen aktualisiert; bezüglich der Oberflächenausführung zulässige Abweichungen des nach ...

Baunachrichten zu Nachtrag

Nachtrag wegen geänderter Leistung: Mehrkosten sind immer aus der Urkalkula... - 01.07.2016 Werden Nachträge wegen geänderter Leistungen notwendig, muss der kalkulatorische Ansatz für alle Mehr- und Minderkosten fortgeschrieben werden. Dazu ist die Vorlage der gesamten Angebotskal
01.07.2016 Werden Nachträge wegen geänderter Leistungen notwendig, muss der kalkulatorische Ansatz für alle Mehr- und Minderkosten fortgeschrieben werden. Dazu ist die Vorlage der gesamten Angebotskal...
Arbeitseinstellung um Nachtrag durchzusetzen? - 05.03.2012 In der Vergangenheit haben zwei sich – scheinbar – diametral gegenüberstehende Entscheidungen zweier Oberlandesgerichte Klarheit geschaffen, ...
05.03.2012 In der Vergangenheit haben zwei sich – scheinbar – diametral gegenüberstehende Entscheidungen zweier Oberlandesgerichte Klarheit geschaffen, ...
Bauaufträge im Kreislauf von Angebot, Ausführung, Nachtrag und Abrechnung -  Der Bauauftrag entsteht und ist wert das er zugrunde geht. A` la Goethe erleben die Firmen diesen ewigen Rhythmus am Bau. Vom Anbieten bis zum Abrechnen. Oft ist nach dem Angebot schon Schluss. Aber mit der Schlussrechnung ist der Auftrag noch nicht am Ende. Bauaufträge sind das tägliche Brot der Firmen. Lebenswichtig sind die Bauleistungen und Baupreise. Und eine gesunde Existenz erfordert eine schnelle und sichere Kalkulation sowie eine ordnungsgemäße Abrechnung.
Der Bauauftrag entsteht und ist wert das er zugrunde geht. A` la Goethe erleben die Firmen diesen ewigen Rhythmus am Bau. Vom Anbieten bis zum Abrechnen. Oft ist nach dem Angebot schon Schluss. Aber mit der Schlussrechnung ist der Auftrag noch nicht am Ende. Bauaufträge sind das tägliche Brot der Firmen. Lebenswichtig sind die Bauleistungen und Baupreise. Und eine gesunde Existenz erfordert eine schnelle und sichere Kalkulation sowie eine ordnungsgemäße Abrechnung.
Angebot und Nachtrag - Baupreis und EFB-Preis! -  Hauptangebote werden immer häufiger durch Nachträge "subventioniert". Billige Angebote können auch deshalb teuer werden. Die tatsächlichen Baukosten entstehen nicht im Soll, sondern im Ist und werden in der Summe von Angebot und Nachträgen bestimmt. Bauherren leiden darunter und Bauunternehmen freuen sich darüber. Nach HOAI können Architekten sogar mit höheren Honoraren davon profitieren. Infolge der im Angebot beschriebenen Baupreise wird ein Bausoll vertraglich festgelegt. Änderungen und Abweichungen vom Bausoll treten bei einem Einheitspreisvertrag regelmäßig auf und sind dann das tägliche Brot von Juristen. Für den Auftragnehmer ergeben sich meistens Ansprüche auf Nachträge als "Nachforderungen" und "Vergütungsanpassungen" entsprechend VOB Teil B §2.
Hauptangebote werden immer häufiger durch Nachträge "subventioniert". Billige Angebote können auch deshalb teuer werden. Die tatsächlichen Baukosten entstehen nicht im Soll, sondern im Ist und werden in der Summe von Angebot und Nachträgen bestimmt. Bauherren leiden darunter und Bauunternehmen freuen sich darüber. Nach HOAI können Architekten sogar mit höheren Honoraren davon profitieren. Infolge der im Angebot beschriebenen Baupreise wird ein Bausoll vertraglich festgelegt. Änderungen und Abweichungen vom Bausoll treten bei einem Einheitspreisvertrag regelmäßig auf und sind dann das tägliche Brot von Juristen. Für den Auftragnehmer ergeben sich meistens Ansprüche auf Nachträge als "Nachforderungen" und "Vergütungsanpassungen" entsprechend VOB Teil B §2.
Nachtragspreise bei Mehrmengen prüfen und nachweisen - 02.02.2014 Ohne aufwändige eigene Kalkulation Nachtragspreise für Mehrmengen auch über 10 % schnell, einfach und korrekt berechnen und nachweisen? Für Anwender des Onlinedienstes www.baupreislexikon.d
02.02.2014 Ohne aufwändige eigene Kalkulation Nachtragspreise für Mehrmengen auch über 10 % schnell, einfach und korrekt berechnen und nachweisen? Für Anwender des Onlinedienstes www.baupreislexikon.d...

Begriffs-Erläuterungen zu Nachtrag

Eine Abweichung vom vereinbarten Bau-Soll kann und wird meistens einen Nachtrag begründen. Eine sich daraus ableitende Vergütung kann erst nach Bauvertragsabschluss maßgebend werden. Für ein Nachtrag ...
Bauzeit wird in der Regel in Form eines Bauzeitenplans als Soll-Ablauf vertraglich vereinbart, der im Ist abweichen kann. Ob eine Verlängerung der Ausführungsfrist in Frage kommt, hängt von verschi ...
Für ein Nachtragsangebot müssen zunächst die für einen Nachtrag maßgebenden Merkmale und Anspruchsvoraussetzung nach den Nachtragsarten in der VOB, Teil B § 2, Abs. 3 bis 10 vorliegen. Bei einem Einh ...
Beim Auftragnehmer umfasst das Nachtragsmanagement vorrangig: die Feststellung und Prüfung der Abweichung vom Bausoll, die Begründung einer berechtigten Nachforderung, die Aufbereitung von Mehr- und/ ...

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