Wagnis und Gewinn (W&G)

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Wagnis und Gewinn (W&G)

Wagnis und Gewinn werden in der Regel bei der Kalkulation zusammengefasst in einem Prozentsatz festgelegt und beispielsweise bei der Zuschlagskalkulation als Zuschlagssatz vorbestimmt. Im Rahmen der Kosten- und Leistungsrechnung (KLR) und speziell der Baustellenabrechnung wird zur Verrechnung ebenfalls meistens ein Planzuschlagssatz auf vorher bestimmte Bezugsgrößen für W&G verwendet.

Als Bezugsgrößen können die Einzelkosten der Teilleistungen (EKT)), einzelne Kostenarten wie Lohnkosten, aber auch die Angebotsendsumme herangezogen werden. In den ergänzenden Formblättern Preise ( EFB-Preis) 221 bis 223 nach Vergabe- und Vertragshandbuch ( VHB-Bund, Ausgabe 2008, Stand: April 2016) wird W&G auf unterschiedliche Basen bezogen, so

  • im Formblatt 221 auf die Einzelkosten der Teilleistungen bzw. deren Kostenarten, bei der Zuschlagskalkulation mit vorbestimmten bzw. vorberechneten Zuschlägen und demgegenüber
  • im Formblatt 222 als Bestandteil einer Umlage bei der Endsummenkalkulation.

Erfolgt ein Bezug auf die Angebotsendsumme, dann muss zunächst eine Umrechnung des Prozentsatzes für W&G auf die gewählte Bezugsbasis für die Kalkulation erfolgen, bei der Endsummenkalkulation auf Basis der Herstellkosten (beispielhaft unter W&G dargestellt).

Es kann aber auch eine Aufgliederung nach den Anteilen für Wagnis und Gewinn erfolgen und ggf. in den „Erläuterungen“ am Ende des Formblatts Preise 221 nach VHB-Bund mit angegeben werden. Von Wichtigkeit kann dies sein, wenn in der Bauausführung Mengenminderungen nach VOB, Teil B § 2 Abs. 3 Nr. 3 auftreten und daraus ableitend Nachtragsforderungen sowie Ansprüche daraus auf entgangenen Gewinn durch den Auftragnehmer gestellt werden. Wird keine Aufteilung vorgesehen, kann allgemein angenommen werden, dass der Zuschlag für Wagnis und Gewinn sich gleichmäßig auf beide Faktoren aufteilt, d. h. 50 v. H. Wagnis und 50 v. H. Gewinn.

Ein Gewinn soll eine angemessene Kapitalverzinsung für den Unternehmer erbringen, um erforderliche Investitionen auch künftig realisieren zu können. Die Höhe hängt von den Baumarktverhältnissen und der unternehmerischen Zielstellung ab. Der Ansatz für Gewinn sollte vom Chef bzw. Geschäftsführer als vorbestimmt „vorgegeben“ werden. Im Allgemeinen wird sich der Satz für Gewinn zwischen 1 und 5 % der Angebotssumme (bzw. zusammen mit Wagnis als W&G bei ca. 3 bis 8 %) bewegen und je Bauauftrag variieren bzw. unterschiedlich hoch festgelegt werden. Ein ggf. wesentlich höherer Ansatz kann beim Bauhandwerksmeister als Einzelunternehmer zu vertreten sein, wenn kein kalkulatorischer Unternehmerlohn in den Allgemeinen Geschäftskosten (AGK) bei der Preiskalkulation Berücksichtigung findet.

Wird durch den Bieter kein Ansatz für W&G oder ein Prozentsatz von Null angegeben bzw. hat er sich dazu entschieden, muss dies durchaus kein unwirtschaftliches Angebot sein. Der Bieter kann beispielsweise besonders günstige Möglichkeiten des Einkaufs von Baustoffen, Anmietung von Baumaschinen u. a. effektiv nutzen, wonach ein in Bezug auf sein Unternehmen wirtschaftliches Angebot vorliegt. Dann ist auch nicht vom Auftraggeber bzw. der Vergabestelle ein unwirtschaftliches Angebotmit Bezug auf die Richtlinie zum Formblatt 321 unter Tz. 3.3.2 im VHB-Bund anzuzweifeln. Derartige Angebote bleiben in der Wertung, wenn der Bieter die Wirtschaftlichkeit seines Angebots nachvollziehbar belegen kann.

Das Wagnis entspricht einem Ansatz für zusätzliche Kosten, die zwar im Einzelnen noch unbekannt sind, deren Auftreten aber auf Grund langjähriger Erfahrungen mit Sicherheit zu erwarten ist, z. B. Aufwendungen aus Mängelansprüchen, Bauzeitverzögerungen durch äußere Einflüsse u. a. Ein Wagnis kann auch in Verbindung mit einer fehlerhaften Ausschreibung und nicht ausreichender Prüfung der im Leistungsverzeichnis (LV) ausgewiesenen Soll-Mengen verbunden sein.

Ein Wagnis lässt sich nicht in jedem Fall bei einer Kalkulation von Nachträgen ansetzen. Bei den Nachtragsarten "Mengenminderung" liegt eine geringere Leistung sowie bei "Wegfall von Leistungen" bzw. "Null-Mengenpositionen" liegt keine Leistung im Ist gegenüber dem Soll vor, für die auch kein Wagnis eintreten kann. Ein Ansatz von Wagnis müsste dem Grunde nach entfallen.

Im eigentlich ähnlich zu betrachtenden Sachverhalt einer freien Auftraggeberkündigung des Bauvertrags hat der Bundesgerichtshof (BGH) mit Urteil vom 24. März 2016 (Az.: VII ZR 2011/15, in IBR 2016, 1046) die Entscheidung getroffen, dass der vom Auftragnehmer im Rahmen eines Einheitspreisvertrages auf der Grundlage des EFB-Formblatts 221 kalkulierte Zuschlag für Wagnis "nicht als ersparte Aufwendung" von der Vergütung nach § 649 BGB bzw. § 8 Abs. 2, Nr. 1 VOB/B in Abzug zu bringen ist, da damit das "allgemeine unternehmerische Risiko abgesichert werden soll".

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Normen und Richtlinien zu Wagnis und Gewinn (W&G)

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VDI 6210 Blatt 1 [2016-02]Zu den Aufgaben des Abbruchunternehmers gehören die Plausibilitätsprüfung, die Kalkulation, die Arbeitsvorbereitung, die Durchführung, gegebenenfalls die Nachtragskalkulati...

Ausschreibungstexte zu Wagnis und Gewinn (W&G)

STLB-Bau 2016-04 091 Stundenlohnarbeiten
LKW vorhalten 1-3,5t
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Arbeiter/-in Stundenlohnarbeiten sämtliche Kosten/Zuschläge

Baunachrichten zu Wagnis und Gewinn (W&G)

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Kalkulation mit vorbestimmten Zuschlägen - 04.11.2011 Der Form nach ist die Angebotskalkulation meistens eine Zuschlagskalkulation, bei der die Einzelkosten (EKT) direkt ermittelt und die Gemeinkosten sowie W&G mit vorbestimmten Zuschlägen zug
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Begriffs-Erläuterungen zu Wagnis und Gewinn (W&G)

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Die Gesamtvergütung fürNachträge zu einem Bauvorhaben auf Grundlage eines VOB-Vertrags erfolgt immer nur auf Basis der vereinbarten bzw. akzeptierten oder geänderten Preise und nicht direkt für ein ...
W&G ist die allgemein übliche Abkürzung für " Wagnis und Gewinn ". Sowohl das Kalkulationselementals auch derwerden in der Regel bei der Kalkulation zusammengefasst, meistens in einem Prozentsatz ...

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