Überschlägige Ausgleichsberechnung von Nachträgen

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Überschlägige Ausgleichsberechnung von Nachträgen

Zwischen einer mit dem Bauvertrag vereinbarten Soll-Leistung und der tatsächlich ausgeführten Bauleistung können Abweichungen insgesamt sowie bei einzelnen Positionen eines Leistungsverzeichnisses (LV) eintreten. Leistungsänderungen, insbesondere auch aus Nachträgen, wirken unterschiedlich auf die Verrechnung der Gemeinkosten als Baustellengemeinkosten (BGK) und Allgemeine Geschäftskosten (AGK) sowie von Wagnis und Gewinn (W&G). Deshalb ist die Wirkung insgesamt aus den einzelnen Nachtragsarten nach VOB/B § 2, Abs. 3 bis 10 hinsichtlich einer Über- oder Unterdeckung zu den Gemeinkosten festzustellen, und zwar für einen Nachtrag oder alle Nachträge derselben Vergabeeinheit insgesamt in Form einer Ausgleichsberechnung.
Als Varianten für eine solche Ausgleichsberechnung bieten sich eine überschlägige oder detaillierte Ausgleichsberechnung an. Errechnet sich daraus eine Unterdeckung von Gemeinkosten und Gewinn, dann wird ein Vergütungsanspruch durch den Auftragnehmer begründet. Gleichen sich Über- und Unterdeckungen aus, so besteht seitens des Auftragnehmers kein Anspruch der nicht gedeckten Gemeinkostenanteile und von Gewinn. Dabei bleibt aber zu beachten, dass in eine solche Ausgleichsrechnung sämtliche Vergütungsansprüche sowohl aus den verschiedenen Nachtragsarten als auch alle sonstigen Vergütungsansprüche nach VOB und BGB mit einbezogen werden, wobei nur Schadenersatz- und Entschädigungsansprüche und nicht vergütungsbezogene Kostenerstattungen ohne Berücksichtigung bleiben.
Bei der überschlägigen Ausgleichsberechnung sind auch jene Vergütungswirkungen auf die Gesamtvergütung zu berücksichtigen, die im Einzelfall - z. B. bei Mengenveränderungen in Leistungspositionen in einer Spanne von weniger als 10 % von der beauftragten Menge - überhaupt keinen Einfluss auf die vereinbarten Einheitspreise hätten.
Der "Leitfaden für die Vergütung von Nachträgen- aktualisierte Fassung: April 2016" im Vergabe- und Vertragshandbuch (VHB-Bund, Ausgabe 2008, Stand April 2016) sieht in der Richtlinie 510 für öffentliche Bauaufträge im Hochbau eine überschlägliche Ausgleichsberechnung unter Tz. 7.6.1 vor.
Zu Baumaßnahmen im Straßen- und Brückenbau werden im HVA B-StB (Ausgabe April 2016) ebenfalls Aussagen im Teil 3 unter Tz. 3.4 - Nachträge - Nr. 17 ff. getroffen und spezifische Regelungen zur Gemeinkostenausgleichsberechnung bei Nachträgen vorgegeben. In der Ausgabe April 2016 in Teil 3 wird unter Tz. 3.11 (Nr. 3) der "Wegfall von Bauleistungen" nicht mehr als Nachtragsart einer Leistungsänderung, sondern als Sachverhalt einer "Teilkündigung" mit Vergütungsanspruch bei Kündigung des Bauvertrags angesehen, wonach dann die Einbeziehung in die Gemeinkostenausgleichsberechnung entfällt.
Mit der Kalkulationssoftware "nextbau" sowie auch im Onlinedienst www.baupreislexikon.de der Firma f:data Weimar/Dresden kann sowohl die überschlägige Ausgleichsberechnung zu Nachträgen nach den Anforderungen in Richtlinie 510 des VHB-Bund von Nachträgen unmittelbar und einfach erfolgen. Sie berücksichtigt die Wirkung der Nachtragspositionen bzw. Leistungsänderungen auf die Gesamtpreise als Gesamtvergütung, die mit dem Deckungsbeitrag (als Summe aus Gemeinkosten sowie Gewinn und teils mit und teils ohne Wagnisanteil) als Anteil von den Einheitspreisen der betreffenden Leistungspositionen bzw. dem Gesamtleistungsumfang multipliziert wird. Aufaddiert stellt sich danach die gesamte Unter- oder Überdeckung der Gemeinkosten sowie von Gewinn dar. Auf Grundlage der Berechnung ist es auch möglich, dass zu allen Positionen jeweils die Gemeinkostenzuschläge detailliert nach Prozenten und absoluten Beträgen berechnet, ausgewiesen und in die Nachtragsprüfung und –wertung einbezogen werden.
Nachfolgend wird eine überschlägige Ausgleichsberechnung als Beispiel dargestellt.

Beispiel zu Überschlägige Ausgleichsberechnung von Nachträgen

Überschlägige Ausgleichsberechnung von Nachträgen

Beispiel zur überschlägigen Ausgleichsberechnung bei Nachträgen (nach VHB-Bund, Richtlinie 510 zum Stand April 2016)

Grundlage liefern folgende Positionen aus dem Leistungsverzeichnis des Angebots:
Pos. 1  Beton Streifenfundamente 

 
400,000  m2  mit  EP  =  18,00  €/m2  und  GB  =  7.200,00   
Pos. 2  Mauerwerk Wände 

 
300,000  m2  mit  EP  =  90,00  €/m2  und  GB  =  27.000,00   
zusätzliche Leistung (Pos. 3): 
  Innenputz 
  300,000  m2  mit  EP  =  10,00  €/m2  und  GB  =  3.000,00   
Die Kalkulationsgrundlagen weisen folgende Zuschläge aus:
Gemeinkosten (BGK + AGK) zuzüglich Wagnis und Gewinn  =  26 % 
Gemeinkosten (BGK + AGK) zuzüglich nur Gewinn  =  24 % 
jeweils vom Einheitspreis bzw. Gesamtbetrag.
Während der Ausführung stellen sich folgende Situationen dar:
Pos. 1  =  Wegfall der gesamten Leistungsmenge 
Pos. 2  =  tatsächlich ausgeführte Menge 380 m2 
folglich eine Mehrmenge von 50 m2 vorliegend als 110 % = 330 m2 überschreitende Menge 
Pos. 3  =  zusätzliche Leistung nach Anordnung des Auftraggebers 

Überschlägliche Ausgleichsberechnung (indirekte Berechnung)

Die Leistungsmehrung aus Mehrmenge und Zusatzleistung ist geringfügig wertmäßig größer als der Leistungsausfall. Sie gleicht die vertraglich vereinbarte Vergütung für die entfallenden Leistungen (Pos. 1) aus. Folglich hat der Auftragnehmer keinen Anspruch auf Ausgleich der nicht gedeckten Gemeinkostenanteile.

Baunachrichten zu Überschlägige Ausgleichsberechnung von Nachträgen

Ausgleichsberechnung von Nachträgen – Unter- oder Überdeckung? -Das Leistungsverzeichnis präsentiert sich als eine Parade aufgestellter Positionen. Scheinbar beliebig austauschbar. In Reih und Glied stehen sie trügerisch geordnet mit Menge, Text und Preis. Tatsächlich sind die Positionen aber vernetzt. Beauftragt wird ein verknüpftes Geflecht von Einzelleistungen. Eine nachträgliche Änderung zieht eine Reihe anderer Änderungen nach sich. Mit der Schlussrechnung kommt dann das dicke Ende. Im Konglomerat von gekündigten, geänderten und zusätzlichen Leistungen kombiniert mit Minder- und Mehrmengen verliert man schnell den Überblick.
Das Leistungsverzeichnis präsentiert sich als eine Parade aufgestellter Positionen. Scheinbar beliebig austauschbar. In Reih und Glied stehen sie trügerisch geordnet mit Menge, Text und Preis. Tatsächlich sind die Positionen aber vernetzt. Beauftragt wird ein verknüpftes Geflecht von Einzelleistungen. Eine nachträgliche Änderung zieht eine Reihe anderer Änderungen nach sich. Mit der Schlussrechnung kommt dann das dicke Ende. Im Konglomerat von gekündigten, geänderten und zusätzlichen Leistungen kombiniert mit Minder- und Mehrmengen verliert man schnell den Überblick.
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Begriffs-Erläuterungen zu Überschlägige Ausgleichsberechnung von Nachträgen

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