Aufgliederung der Einheitspreise (EFB 223)

Aufgliederung der Einheitspreise (EFB 223)

Bei Bauaufträgen mit Ausschreibung nach dem Vergabe- und Vertragshandbuch (VHB-Bund, Ausgabe 2017, anzuwenden seit 1. Januar 2018) kann vom Bieter die Aufgliederung der angebotenen Einheitspreise verlangt werden, und zwar im Formblatt EFB-Preis 223.
Mit dem Formblatt 223 werden nach dem Inhalt Aussagen abverlangt zu den:
Die Aufgliederung nach der Richtlinie zum Formblatt 223 kann folgendermaßen abgefordert werden:
  • bei einer voraussichtlichen Angebotssumme von mehr als 50.000 € sind nur wichtige, den Preis bestimmende Teilleistungen (Positionen) vorzugeben und die Einheitspreise aufgegliedert zu verlangen, damit sich danach die für die Angebotssumme maßgebenden Kalkulationsbestandteile beurteilen lassen,
  • bei einer voraussichtlichen Angebotssumme von mehr als 100.000 € sind alle Teilleistungen (Positionen) für die Aufgliederung der Einheitspreise vorzugeben.
Die Aufgliederung soll einerseits der Prüfung der Angemessenheit von Angebotspreisen und der Überprüfung auf Mischkalkulationen dienen, wird andererseits aber auch für die Prüfung von Nachtragsforderungen für unerlässlich gehalten, ggf. kann dadurch auch Streit bei Nachträgen vermieden werden. Erfolgt die Aufbereitung mit einer Kalkulationssoftware, dürfte der Aufwand als Gegenargument keine Rolle spielen.
Welche Teilleistungen bzw. Positionen des Leistungsverzeichnisses (LV) als wichtig gelten, bedarf der Vorgabe durch den Ausschreibenden bzw. Auftraggeber. Ihm steht das Recht der Vorgabe bei einer Auftragssumme größer als 50.000 € und bis 100.000 € zu.
In der Kalkulationsoftware nextbau für die Baukalkulation werden die Positionen des LV klassifiziert in der Dreiteilung A, B und C als ABC-Analyse, wobei A die vorderen 20 % wichtigen und umfangreichsten Positionen umfasst. Die betreffenden A-Positionen können für die Auswahl der wichtigen Positionen als Grundlage dienen. Mit den A-Positionen kann die fachliche Wertung und Auswertung mit Konzentration auf das Wesentliche erfolgen. Gezeigt werden sofort die Kostengewichte des Angebots.
Das unter "Beispiele" zur Verfügung gestellte Bild veranschaulicht ein ausgefülltes Formblatt 223 für ein Beispiel-LV.
Das Formblatt 223 sagt über die Aufgliederung bzw. Zusammensetzung wichtiger Einheitspreise nach den Kostenartensummen einschließlich der darauf berechneten Zuschläge aus. Dabei ist es zunächst ohne Bedeutung, nach welchem Kalkulationsverfahren die Angebotskalkulation erfolgt und die ergänzenden Formblätter Preise 221 (Zuschlagskalkulation) oder 222 (Endsummenkalkulation) gewählt wurden.
Für jede gewählte Aussage bzw. Variante der Zuschlagskalkulation des Formblattes 221 sowie für die Endsummenkalkulation ist immer die Ermittlung nach Formblatt 223 möglich.
Eine manuelle Erstellung bedeutet einen sehr hohen, fast unvertretbaren Aufwand. Er kann und wird in der Regel nur wirklich für die wichtigsten Positionen eines LV zu rechtfertigen sein. Wird die Aufgliederung aller Einheitspreise verlangt, sollte es die herangezogene Kalkulationssoftware (z. B. nextbau) einfach ermöglichen.
Das Ausfüllen des Formblattes 223 kann mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden sein, beispielsweise für die Leistungen der Nachunternehmer. Zunächst ist im Formblatt 223 unwichtig, ob die betreffenden Leistungspositionen als Eigenleistung des Auftragnehmers oder als Leistung eines Nachunternehmers ausgeführt werden. In der Fußnote 2) zum Formblatt 223 ist speziell vermerkt, dass auch die Zusammensetzung der Einheitspreise nach Kostenarten unabhängig davon auszuweisen ist, ob der Auftragnehmer oder ein Nachunternehmer die Leistungen erbringt. Für den Bieter können sich aber verschiedene Löhne und darauf bezogene Zuschläge für die Eigenleistung und für die Nachunternehmer darstellen. Der Nachunternehmer wird in der Regel einen anderen Kalkulationslohn ansetzen, folglich passen z. B. beim Haupt- oder Generalunternehmer als Bieter die Löhne und Zeitansätze nicht mehr zusammen.
Das Problem ist noch größer, wenn innerhalb einer Position des LV noch Eigenleistung und Nachunternehmerleistung zusammenfallen. Die Lösung sollte betriebs- und auftragsspezifisch gefunden werden, ggf. in Abstimmung mit dem Nachunternehmer oder durch Eingabe von Festpreisen und manuellen Kalkulationsansätzen.
Denn für den Auftraggeber dürfte es unerheblich sein, ob die Preisbestandteile der Nachunternehmerleistungen im Formblatt Preise 223
  • vom Nachunternehmer selbst kalkuliert werden,
  • vom Bieter so übernommen und mit seinen Zuschlägen ergänzt werden oder
  • Bieter selbst kalkuliert bzw. erstellt werden.
Nachunternehmer ignorieren in der Regel die Aufgliederung der Einheitspreise in einem Formblatt 223. Für sie ist der Aufwand zum Ausfüllen zu hoch, da sie meistens auch nicht über die notwendigen technischen Kapazitäten verfügen. Dann werden die Haupt- und Generalunternehmer die im Formblatt 223 geforderten Preise selbst aufgliedern, ohne dass gesicherte Kalkulationswerte des Nachunternehmers vorliegen. Dabei besteht durchaus die Gefahr, dass die vorgenommene Aufgliederung nicht mit der Kalkulation des Nachunternehmers übereinstimmt.
Inhaltlich sind die Kostenartensummen als Teilkosten einschl. verrechneter Zuschläge bzw. Umlagen für Baustellengemeinkosten (BGK), Allgemeine Geschäftskosten (AGK) und Wagnis und Gewinn (W&G) je Mengeneinheit der Teilleistung bzw. Position des LV in den Spalten 6 bis 9 im Formblatt 223 anzugeben. Weiterhin wird in Spalte 5 im Formblatt 223 der Ausweis des Zeitansatzes (Arbeitszeitaufwand) aus der Angebotskalkulation gefordert.
Bei Zweifeln an der Angemessenheit von den Angebotspreisen bliebe durch den Auftraggeber bzw. die Vergabestelle zu prüfen, ob der Zeitansatz pro Leistungseinheit bzw. die Gesamtstundenzahl den bautechnologisch erforderlichen Ansätzen entsprechen.
Nach Multiplikation mit dem jeweiligen Verrechnungslohn stehen im Ergebnis die Lohnkosten. Die Lohnkosten sind nach ihrer Höhe unmittelbar aus der Angebotskalkulation nachvollziehbar und auch nachrechenbar.
Bei den Kosten für Stoffe sind auch die Kosten der Hilfsstoffe, z. B. Kosten für Rüst-, Schal- und Verbaumaterial, mit einzubeziehen. Hierzu ließe sich prüfen, ob die Stoffkosten den üblichen Ansätzen entsprechen.
In die Gerätekosten werden auch die Kosten für Betriebsstoffe einbezogen, da die Betriebsstoffe zum Betreiben der Geräte erforderlich sind. Dies erfolgt aber nur für die Leistungsgeräte, die den Einzelkosten der betreffenden Leistungspositionen auch direkt zugerechnet worden sind. Eine nachvollziehbare Aussage ist nicht einfach gegeben.
Die Prüfung kann sich hierbei darauf konzentrieren, inwieweit sich die Ansätze im wirtschaftlich vertretbaren Rahmen - besonders für die Vorhaltekosten der Baumaschinen und Geräte halten. Niedrige Ansätze müssen hier nicht ohne Weiteres einen zu geringen Preis vermuten lassen. Der Bieter kann durchaus veranlasst sein, auf die Ansätze teilweise zu verzichten, wenn es sich um betriebseigene und ggf. bereits fast abgeschriebene Baumaschinen handelt. Zu prüfen bliebe dann eventuell, ob dafür sachgerechte Erwägungen sprechen.
Liegen Angebote von mehreren Bietern vor, die nach unterschiedlichen Kalkulationsverfahren ihre Angebote bestimmt haben, dann können auch die jeweiligen Kostenartensummen unterschiedlich hoch und damit nicht unmittelbar vergleichbar sein, obgleich die Quersumme als wertmäßiger Einheitspreis gleich hoch sein kann.
Beispielsweise werden sich in der Regel die herangezogenen Zuschlagsätze zwischen einfacher und differenzierter Zuschlagskalkulation sowie von den Umlagen bei einer Endsummenkalkulation voneinander unterscheiden, folglich auch die zu den Einzelkosten (EKT) als Teilkosten zugerechneten Zuschläge. Erkennbar wäre dies beispielsweise bei der Zuschlagskalkulation aus den im Abschnitt 2 im EFB-Preis 221 ausgewiesenen Zuschlägen auf die Einzelkosten.
Hervorzuheben bleibt ebenfalls, dass
  • die Quersumme aus den Kostenartensummen dem Einheitspreis in seiner Höhe wie im Angebot wertmäßig entsprechen muss und
  • die von den Bietern ausgefüllten Formulare vertraulich behandelt werden und nur den unmittelbar mit der Bearbeitung beauftragten Personen zugänglich sind.
Das ergänzende Formblatt 223 ist vom Bieter nur auf Verlangen der Vergabestelle vorzulegen, eine Wahlmöglichkeit (wie bei den Formblättern 221 und 222) für den Zeitpunkt der Vorlage ist für 223 nicht vorgesehen. In der Regel wird bereits bei der Aufforderung zur Angebotsabgabe darauf hingewiesen, ob und wann die ergänzenden Formblätter verlangt werden und dass nicht oder verspätet vorgelegte Formblätter zum Ausschluss des Angebots bzw. zur Nichtberücksichtigung nach § 16 a in der VOB Teil A (analog auch nach § 16 a EU Abs. 1, Nr. 3 bei Bauvorhaben bei Erreichen der Schwellenwerte und § 16 a VSbei verteidigungs- und sicherheitsspezifischen Baumaßnahmen) führen können.
Wird die geforderte Abgabe versäumt, kann der Auftraggeber die fehlenden Erklärungen und Nachweise mit Fristsetzung nachverlangen. Diese sind dann spätestens innerhalb von 6 Kalendertagen nach Aufforderung vorzulegen. Eine Nichtvorlage zum Nachtermin beispielsweise für die ergänzenden Formblätter Preise (EFP-Preis) wird einen Ausschluss begründen. Dann kann nach Auffassung des Bundesgerichtshofes (BGH) ein Ausschluss bei der Wertung erfolgen (Urteil vom 07.06.2005 - XZR 19/02), weil die geforderten Aussagen für die Vergabeentscheidung wichtig sind und durch die Nichtabgabe der Formblätter Preise oder die Weigerung des Bieters, die in den Formblättern geforderten Einzelangaben zu machen, eine ordnungsgemäße und zutreffende Wertung behindert oder vereitelt wird.
Weiterhin ist zu bemerken, dass die Formblätter Preise und somit auch das Formblatt 223 nicht Vertragsbestandteil werden. In früheren Jahren war das im Kopfteil der Formblätter vermerkt. Heute findet sich dieser Vermerk unter Textziffer 1 in der Aufforderung zur Abgabe eines Angebots (Formblatt 211 im VHB-Bund, Ausgabe 2017). Dies ist darin begründet, dass im Bauvertrag nur die Baupreise (in der Regel die Einheitspreise für die Teilleistungen) vereinbart werden, nicht aber die Art ihrer Ermittlung und auch nicht die einzelnen Preisbestandteile wie Lohnkosten, Stoffkosten, Wagnis und Gewinn u. a.

Beispiel zu Aufgliederung der Einheitspreise (EFB 223)

Aufgliederung der Einheitspreise im Formblatt Preise 223

Bieter
Bau GmbH
Vergabenummer
1234
Datum
2018
Baumaßnahme
Lagerhalle
Angebot für
Maschinenbau GmbH

Aufgliederung der Einheitspreise
OZ
des
LV1
Kurzbezeichnung d. Teilleistung1Menge1Men-
gen
einheit1
Zeit-
an-
satz2
Teilkosten einschl. Zuschläge in € (ohne Umsatzsteuer) je Mengeneinheit2
Löhne2,3Stoffe2Geräte2,4Sonstiges2Angebotener
Einheitspreis
(Sp.6+7+8+9)
12345678910
01.0010Boden Streifenfundament lösen laden fördern T bis 1,25m B 0,5-0,75m 5km BK4200,000m30,1063,700,002,1512,5518,40
01.0020Baum fällen Durchm. 10-30cm1,000St0,85729,870,002,230,7432,84
02.0010Mauerwerk Außenwand Mz SFK20 RDK1,8 D 30cm 02.0010 Mauerwerk Außenwand Mz650,000m21,13239,4565,750,000,00105,20
02.0020Mauerwerk Außenwand EG H bis 3m D 30cm KS SFK20 RDK1,8 MGII 5DF(240/300/113)650,000m21,00735,0841,770,000,0076,85
03.0010Streifenfundament Normalbeton C 16/20 einschl. Schalung150,000m32,64592,16365,100,0011,55226,41
03.0020Ortbeton Bodenpl. unbewehrt C16/20 D 20cm900,000m20,0722,5220,490,002,3125,32
04.0010Dachschalung Bretter Nadelholz D 24mm1.000,000m20,29110,153,270,000,0013,42
07.0010Zementestrich Verbundestrich C20 F3 D 20mm800,000m20,2498,662,371,190,0012,22
1Wird vom AG vorgegeben
2Ist bei allen Teilleistungen anzugeben, unabhängig davon, ob sie der Auftragnehmer oder ein Nachunternehmer erbringen wird.
3Sofern der zugrunde gelegte Verrechnungslohn nicht mit den Angaben in den Formblättern 221 oder 222 übereinstimmt, hat der Bieter.
4Für Gerätekosten einschl. der Betriebsstoffkosten, soweit diese den Einzelkosten der angegebenen Ordnungszahlen zugerechnet
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