Ausschreibungsfehler durch Kopieren

Ausschreibungsfehler durch Kopieren

Eine Leistungsbeschreibung besteht in der Regel aus einem Leistungsverzeichnis (LV) und ggf. vorangestellten Vorbemerkungen im LV. Bei der Aufstellung kann und wird oft auf bereits vorliegende und bewährte Formulierungen zurückgegriffen. Dieses bewahrte, geistige Gut aus vergangenen Bauaufträgen wird bei Wiederverwendung aber ggf. das zukünftige Angebot bei der Beschreibung der Bauleistungen sowie auch der Baupreise beeinflussen.
Beim Kopieren von i bis n Positionen aus einem LV in ein anders LV können vielfältige Fehler entstehen. Deren Folgen werden oft zu spät erkannt. Die Ursachen sind einfach, aber häufig versteckt und heimtückisch.
Derartige Fehler können sich in folgender Form einstellen:
1. LV-Positionen bestehen aus allgemeingültigen und auftragskonkreten Daten:
Allgemeingültig sind in der Regel der Leistungstext und die Mengeneinheit. Auftragskonkret sind Mengen, Positionsart sowie Einheitspreis bzw. -anteile oder Einzelkostenansätze plus Zuschläge.
Das Kopieren bewährter Leistungstexte ist gewöhnlich kein Problem. Sie sollten aber nach den Regeln der Technik, der VOB sowie zu beachtender DIN und in den Parametern auftragindividuell sein. Mit den Texten werden gleichwohl Mengen, Preise oder Kosten kopiert. Deren Kopien können bedenklich sein. Für die kopierten Positionen sind die Leistungsmengen neu zu ermitteln. Eine Kopie von Mengen wäre äußerst fahrlässig. Die kopierten Baupreise sind als Angebots- oder Vergabepreise auch auftragsabhängig in Bezug zu Region und Zeit. Besonders beim Kopieren von Positionen mit Kostenansätzen lauern böse Überraschungen, beispielsweise in veralteten Kostenansätzen wie nur zeitlich und örtlich gültige Materialpreise frei Baustelle. Gleiches betrifft maschinelle Leistungen mit baustellenindividuellen Tagesleistungen. Nach dem Kopieren sind die auftragskonkreten Daten daraufhin zu kontrollieren.
2. LV-Positionen sind auftragsabhängig mit anderen LV-Positionen verkettet:
Es gibt technisch-technologisch bedingte Beziehungen zwischen Einzelleistungen. So können z. B. bei Entwässerungsrohren in Abhängigkeit von den Bodenverhältnissen verschiedene Bettungsverfahren Typ l, 2,3 nach DIN EN 1610 noch unterschiedliche Bettungsschichten zur Folge haben. Bei Erdarbeiten können standortabhängig noch Verbau, Transport oder Deponie erforderlich und gesondert vergütet werden.
Kaufmännisch hat z. B. die Baustelleneinrichtung als Nebenleistung oder Besondere Leistung einen auftragsabhängigen Einfluss auf die Baupreise der LV-Positionen.
3. Ändert sich der Leistungstext, ändern sich auch Baupreise und Einzelkosten:
Beim nachträglichen Ändern des Leistungstextes von kopierten LV-Positionen können sogarKalkulationsirrtümer entstehen. Erinnert sei nur an den Austausch von m³ durch m² bei Mauerarbeiten seit 2006 (vgl. DIN 18330 – Mauerarbeiten). Nach dem Kopieren sind auch alle vernetzten Daten zu ändern.
Wichtig beim Kopieren sind die Einzelleistungen. Sie bestimmen die Qualität und Kosten der Gesamtleistung. Nur bewährte und erprobte Positionen sollte man wieder verwenden.
Zur Fehlervermeidung sind neutrale Favoritenlisten zu empfehlen. Sehr positive Erfahrungen gibt es hierzu bereits mit der Software STLB-Bau Dynamische BauDaten. Bewährte Leistungstexte lassen sich geordnet unter eigenen Schlagwörtern ablegen. Durch eineindeutige Textschlüssel werden sie nach VOB und DIN aktualisiert. Per Checkliste erfolgt die Übernahme in das neue LV. Über ABC-Analysen können diese danach auftragsindividuell geprüft und angepasst werden. Gegenüber dem Kopieren von LV-Positionen soll das Kopieren von Favoritenlisten vorgezogen werden.
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