Bauabzugsteuer

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Bauabzugsteuer

Der Steuerabzug für Bauleistungen (Bauabzugsteuer) ist nach den Regelungen des § 48 bis § 48 d im Einkommensteuergesetz (EstG) vorzunehmen. Ausgangspunkt dafür war das Ziel, illegale Betätigung im Baugewerbe einzudämmen.
Die Verfahrensweise der Bauabzugsteuer kann unter Beispiele nachgelesen werden.
Durch den Auftraggeber prüfen und vorsehen:
(A) kein Steuerabzug bzw. Leistungsempfänger vom Steuerabzug befreit, wenn
  1. eine Freistellungsbescheinigung des Finanzamtes für den Leistenden vorliegt
  2. die Gegenleistung 5.000 € bzw. bei Vermietung 15.000 € im laufenden Jahr nicht überschreitet
(B) Steuerabzug in Höhe von 15 % des Bruttorechnungsbetrages durch den Leistungsempfänger (im Beispiel 15.000 €)
  • Anmeldung bis zum 10. Tag nach Ablauf des Monats, in dem die Bauleistung erbracht wurde (steht einer Steueranmeldung gleich),
  • fällig bis 10. Tag nach Ablauf des Anmeldezeitraums,
  • Abführung an das für den Leistenden zuständige Finanzamt für Rechnung des Leistenden,
  • Abzugsbetrag wird angerechnet auf die zu zahlenden Steuern des Leistenden.
Folgende Aspekte sind maßgebend:
  1. Inhalt Bauleistungen bei Bauabzugsteuer

    Grundlage sind ausschließlich Bauleistungen, die an einen Unternehmeroder an eine juristische Person des öffentlichen Rechts als Leistungsempfänger erbracht werden. Dabei gelten als Bauleistungenalle Leistungen, die der Herstellung, Instandsetzung, Instandhaltung, Änderung oder Beseitigung von Bauwerken dienen.
    Die Definition entspricht der Aussage in der Baubetriebe-Verordnung in Verbindung mit § 211 Abs. 2, Satz 2 im Sozialgesetzbuch (SGB) III, und zwar im Sinne der Vorschriften über die Förderung der ganzjährigen Beschäftigung in der Bauwirtschaft.
    Zu den Bauleistungen bei der Bauabzugsteuergehören weiterhin auch
    • künstlerische Leistungen an Bauwerken, die sich unmittelbar auf die Substanz auswirken,
    • Einbau von Fenstern, Türen, Lichtwerbeanlage, Dachbegrünung u. a., wenn sie mit einem Gebäude fest verbunden sind.
    Keine Bauleistungen sind
    • ausschließlich planerische Leistungen, z. B. von Statikern, Vermessungsingenieuren wie auch
    • reine Leistungen zur Bauüberwachung, zur Prüfung von Bauabrechnungen u. a.
    • Materiallieferungen, z. B. durch Baustoffhändler, Baumärkte,
    • Anliefern von Beton (ohne anschließendes Verarbeiten) und Stellung der Betonpumpe,
    • Zurverfügungstellen von Baugeräten (ohne Bedienungspersonal),
    • Entsorgung von Baumaterialien (Schuttabfuhr durch Abfuhrunternehmer),
    • Aufstellen von Messeständen, Gerüstbau,
    • Anlegen von Bepflanzungen (ohne Dachbegrünung) und deren Pflege,
    • reine Wartungsarbeiten an Bauwerken oder Teilen von Bauwerken.
  2. Leistender bei Bauabzugsteuer
    Als Leistender gilt der Auftragnehmer, der über eine Leistung abrechnet, auch dann, wenn er die Leistung nicht selbst erbracht hat. Folglich ist z. B. auch der Nachunternehmer Leistender gegenüber dem Haupt- bzw. Generalunternehmer. Unwichtig ist dabei auch, ob der Leistende im Inland oder Ausland ansässig ist.
    Leistender kann auch eine Bau-Arbeitsgemeinschaft (ARGE) sein. Demgegenüber stellt die Abrechnung einer Wohnungseigentümergemeinschaft mit den Eigentümern keine Abrechnung im obigen Sinn dar.
  3. Wegfall Bauabzugsteuer
    Der Steuerabzug entfällt, wenn einer der Leistenden dem Leistungsempfänger eine gültige Freistellungsbescheinigung vorlegt. Hierfür genügt eine Kopie. Die Gültigkeit kann ggf. durch elektronische Abfrage über die beim Bundesamt für Finanzen gespeicherten Freistellungsbescheinigungen geprüft werden.
    § 48 b im EStG regelt die Freistellung. Antrag ist durch den Leistenden bei dem für ihn zuständigen Finanzamt zu stellen, bei einer ARGE und Personengesellschaft beim Finanzamt, das für die Umsatzsteuer zuständig ist.
    Eine Freistellung ist zu gewähren, wenn der zu sichernde Steueranspruch nicht gefährdet erscheint. Die Bescheinigung wird auf amtlichen Vordruck erteilt.
  4. Liegt keine Freistellungsbescheinigung vor, ist für den Zeitpunkt des Steuerabzugsmaßgebend, dass die Gegenleistung erbracht ist und beim Leistungsempfänger als Bezahlung abfließt. Das gilt auch für Voraus- und Abschlagszahlungen, Zahlungen gestundeter Beträge sowie bei Zahlung aus der rechtwirksamenAufrechnung von Gegenforderungen. Bei einer Abtretung einer Forderung an einen Dritten kommt es auf die Zahlung an den Zessionar und nicht auf den Zeitpunkt der Abtretung an.
  5. Erfolgt Steuerabzug, so hat der Leistungsempfänger die Pflicht zur Anmeldung und Abführung an das für den Leistenden zuständige Finanzamt nach § 48 a im EStG.
    Der Leistungsempfänger hat auch mit dem Leistenden über den Steuerabzug abzurechnen.
  6. Der Leistungsempfänger haftet für einen nicht oder zu niedrig abgeführten Abzugsbetrag, jedochnicht, wenn ihm im Zeitpunkt der Gegenleistung eine Freistellungsbescheinigung vorgelegen hat, auf deren Rechtmäßigkeit er vertrauen konnte. Das ist dann nicht mehr der Fall, wenn ihm z. B. bekannt war, dass die Bescheinigung durch unlautere Mittel oder falsche Angaben erwirkt wurde.
Der Steuerabzug ist in der Baupraxis nur noch selten. Fast alle Leistenden erhielten eine Freistellungsbescheinigung (laut statistischer Aussage über 99 % aller Bauunternehmen). Sehr hoch ist der Aufwand für den Leistungsempfänger im Steuerabzugsfall auf Grund der formellen Anforderungen von Anmeldung, Abführung u. a. (geschätzt auf ca. 50 € je Fall).
Die Freistellung hat sich zum Standardverfahren entwickelt. Die meisten Leistungsempfänger vergeben grundsätzlich keine Aufträge an Bauunternehmen bzw. General-Bauunternehmer an Nachunternehmer, die nicht über eine Freistellungsbescheinigung verfügen. Aber auch bei Freistellung des Abzugs bedarf es einer laufenden baukaufmännischen Kontrolle, so zum Vorliegen der Bescheinigungen, Nachprüfungen mittels elektronischer Abfragen u. a.

Beispiel zu Bauabzugsteuer

Verfahrensweise Bauabzugsteuer

AuftragnehmerAuftraggeber
Leistender der BauleistungLeistungsempfänger bzw. Investor
Rechnungsbetrag
Brutto = 100.000 €
100.000 €
Durch den Auftraggeber prüfen und vorsehen:
  • Kein Steuerabzug bzw. Leistungsempfänger vom Steuerabzug befreit, wenn
    1. eine Freistellungsbescheinigung des Finanzamtes für den Leistenden vorliegt
    2. die Gegenleistung 5.000 € bzw. bei Vermietung 15.000 € im lautenden Jahr nicht überschreitet.
  • Steuerabzug in Höhe von 15 % des Brutto-Rechnungsbetrages durch den Leistungsempfänger (im Beispiel 15.000 €)
    • Anmeldung bis zum 10. Tag nach Ablauf des Monats, in dem die Bauleistung erbracht wurde (steht einer Steueranmeldung gleich)
    • fällig bis 10. Tag nach Ablauf des Anmeldezeitraums
    • Abführung an das für den Leistenden zuständige Finanzamt für Rechnung des Leistenden
    • Abzugsbetrag wird angerechnet auf die zu zahlenden Steuern des Leistenden.

Baunachrichten zu Bauabzugsteuer

Neue Regelungen zur Steuerschuldnerschaft für Bauleistungen - 28.07.2014 Das Hin und Her bei der Steuerschuldnerschaft zur Umsatzsteuer für Bauleistungen in diesem Jahr fand mit dem Beschluss von Bundestag und Bundesrat am 11. Juli 2014 eine erfreuliche Lösung..
28.07.2014 Das Hin und Her bei der Steuerschuldnerschaft zur Umsatzsteuer für Bauleistungen in diesem Jahr fand mit dem Beschluss von Bundestag und Bundesrat am 11. Juli 2014 eine erfreuliche Lösung.....

Begriffs-Erläuterungen zu Bauabzugsteuer

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