Differenzierte Zuschlagskalkulation

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Differenzierte Zuschlagskalkulation

Als ein spezielles Kalkulationsverfahren für die Angebotskalkulation kann nach Wahl des kalkulierenden Bauunternehmens die differenzierte Zuschlagskalkulation mit vorberechneten bzw. vorbestimmten Zuschlägen herangezogen werden. Grundlage liefert das Kalkulationsschema für die Baukalkulation. Zunächst sind die Einzelkosten der Teilleistungen (EKT) direkt pro Leistungsposition der Ausschreibung zu ermitteln. Diesen Kosten sind danach die Gemeinkosten (Baustellengemeinkosten (BGK), Allgemeine Geschäftskosten (AKG)) sowie Wagnis und Gewinn (W&G) über unternehmensintern ermittelte durchschnittliche Zuschlagsätze zuzurechnen. Dies erfolgt differenziert der Höhe nach mit Bezug auf die einzelnen Kostenarten (bzw. Kostenartengruppen) der EKT wie für Lohn, Stoffe, Geräte und Sonstiges.
Diese Art der Zurechnung der Gemeinkosten wird in der von den Hauptverbänden der Bauwirtschaft (Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e. V. und Zentralverband Deutsches Baugewerbe) herausgegebenen, überarbeiteten und in der Verlagsgesellschaft Rudolf Müller, Köln erschienenen 8. Auflage der "KLR-Bau/ Kosten-, Leistungs- und Ergebnisrechnung der Bauunternehmen" unter Tz. 2.5.1.2 als "Zuschlagsermittlung mit mehrstufiger Gemeinkostenverteilung" dargestellt.
Wird mit dem Angebot vom Bieter eine EFB-Preis Vorlage verlangt, dann ist der Ausweis im ergänzenden Formblatt Preise (EFB-Preis) 221 nach Vergabe- und Vertragshandbuch (VHB-Bund, Ausgabe 2008, Stand: April 2016) vorzunehmen. Gegenüber vorherigen Aussagen im Formblatt 221 wurde mit dem Stand April 2016 zum VHB-Bund die Bezeichnung zur Tz. 1.2 von alt = Lohnzusatzkosten in neu = lohngebundene Kosten geändert. Die lohnbezogenen Kosten bleiben dabei künftig unberücksichtigt, da diese meistens in den Bauunternehmen mit innerhalb der Allgemeinen Geschäftskosten erfasst und ausgewiesen werden.
Dem Inhalt nach werden im Formblatt 221 Aussagen verlangt:
  • im Abschnitt 1 zum Mittellohn (ML), zur Zusammensetzung des Kalkulationslohns (KL) und fortführend zum Verrechnungslohn (VL) in € je Arbeitsstunde,
  • im Abschnitt 2 zu den vorbestimmten Zuschlägen auf die direkt berechneten Einzelkosten insgesamt und differenziert nach den einzelnen Kostenpositionen der Einzelkosten wie Lohn, Stoffkosten, Gerätekosten, Sonstige Kosten sowie Nachunternehmerleistungen,
  • im Abschnitt 3 zur Ermittlung und Zusammensetzung der Angebotssumme (ohne Umsatzsteuer) nach den Kostenartensummen der Einzelkosten zuzüglich der verrechneten Gemeinkosten (BGK, AGK) und von W&G.
Im Formblatt 221 werden in den Zeilen 2.1 bis 2.3 sowie auch als Summe in Zeile 2.4 jeweils die unterschiedlich hoch vorbestimmten Zuschlagsätze in den Spalten der ausgewiesenen Kostenarten eingetragen.
Eine solche Verrechnung sollte dann bevorzugt bzw. empfohlen werden, wenn die betreffende Bauleistung z. B. nicht ausschließlich lohnintensiv, sondern sowohl lohn- als auch stoffintensiv (oder geräteintensiv) ist. Das ist in der Regel bei allen Rohbauleistungen der Fall bzw. für das Bauhauptgewerbe maßgebend.
Zu beachten bliebe wieder bezüglich der Höhe des Zuschlagsatzes für die BGK, ob
  • die Baustelleneinrichtung als Normalposition ausgeschrieben ist oder als eine Nebenleistung nach VOB, Teil C DIN 18299, Tz. 4.1 gilt,
  • Aufsichtskosten, z. B. für den Polier, im Kalkulationslohn oder in den BGK oder in den AGK im Unternehmen erfasst und kalkuliert werden.
Bei der Aufteilung der Zuschlagsätze auf Kostenarten sollte aber beachtet werden, dass insgesamt die Umlage annähernd gleich groß ist wie bei einer Kalkulation mit einem anderen Zuschlagsverfahren. Es kann und sollte stets das annähernd gleich große Gemeinkostenvolumen verrechnet werden. Eine Kontrolle wäre durch einen Vergleich des Umlagebetrages z. B. zwischen verschiedenen Verfahren möglich.
Unter Beispiele wird eine differenzierte Zuschlagskalkulation mit einem ausgefüllten Formblatt 221 dargestellt.
Die im Beispiel im Abschnitt 2 des Formblatts 221 eingestellten Zuschlagsätze tragen lediglich Durchschnittscharakter für ein mittelgroßes Bauunternehmen mit durchschnittlicher Bauleistungsstruktur. Sie sind betriebsindividuell bzw. bauauftragsbezogen zu bestimmen und anzugeben.
Für den Vergleich und zur Orientierung können folgende Zuschlagssätze mit Bezug auf die kalkulierten Kostenartensummen dienen und ggf. angesetzt werden.
Lohnkosten  =  35 % (von 30 bis 45 %), 
Stoffe  =  28 % (von 20 bis 33 %), 
Geräte  =  15 % (von 10 bis 18 %), 
Sonstige Kosten  =  8 % (von 5 bis 12 %), 
Nachunternehmer  =  10 % (von 8 bis 13 %). 
Unter Bemerkungen auf Seite 2 des Formblatts können noch ergänzende Aussagen - wie im Beispiel angeführt - vermerkt werden, so ggf. zur
  • weiteren Differenzierung der Zuschläge zu den Baustellengemeinkosten nach bauzeitabhängigen und bauzeitunabhängigen Anteilen sowie
  • Aufgliederung des Zuschlagsatzes zu W&G nach den Anteilen für Wagnis und Gewinn.
Die Vorausbestimmung der kostenartenbezogenen Zuschlagsätze für den Ansatz in der differenzierten Angebotskalkulation sollte in Abstimmung mit dem kaufmännischen Leiter des Bauunternehmens vorgenommen werden. Als Grundlage für die Bestimmung können und sollten die Unterlagen des betrieblichen Rechnungswesens (Jahresabschluss und BWA - Betriebswirtschaftliche Auswertungen) bzw. die Finanzplanung für das laufende bzw. künftige Geschäftsjahr herangezogen werden. Die Finanzplanung trifft Aussagen zu den betrieblichen Kosten und zum Gewinn, und zwar mit Bezug auf ein wahrscheinliches Bauauftragsvolumen bzw. die geplante Jahresbauleistung.
Eine Musterberechnung von vorbestimmten Zuschlägen ist unter Finanzplan zur Ermittlung von Kalkulationszuschlagssätzen einsehbar. Die unter Downloads angeführten Excel-Tabellen liefern unmittelbar verwendbare Muster für die Einsetzung von betriebsindividuellen Werten. In der Kalkulationssoftware " nextbau " werden beispielsweise bauleistungssparten- und gewerkebezogene Musterfinanzpläne angeboten.
Im Zusammenhang mit dem Formblatt 221 bei einer differenzierten Zuschlagskalkulation sei auch noch auf die sich daraus ableitende Aussage im EFB-Formblatt 223 - Aufgliederung der Einheitspreise - verwiesen.

Beispiel zu Differenzierte Zuschlagskalkulation

Differenzierte Zuschlagskalkulation

Formblatt 221

Die folgende Tabelle veranschaulicht ein ausgefülltes Formblatt 221 nach VHB-Bund (Stand April 2016) auf Grundlage einer differenzierten Zuschlagskalkulation.

221

(Preisermittlung bei Zuschlagskalkulation) 
Bieter
Ingenieurbau GmbH 
Vergabenummer  Datum 
147  2016 
Baumaßnahme
Stützwände 
Angebot für
öffentlichen Auftraggeber 

Angaben zur Kalkulation mit vorbestimmten Zuschlägen

 
1.  Angaben über den Verrechnungslohn  Zuschlag
% 
€/h 
1.1  Mittellohn ML
einschl. Lohnzulagen u. Lohnerhöhung, wenn keine Lohngleitklausel vereinbart wird. 
16,30 
1.2  Lohngebundene Kosten
Sozialkosten und Soziallöhne, als Zuschlag auf ML 
76,00  12,39 
1.3  Lohnnebenkosten
Auslösungen, Fahrgelder, als Zuschlag auf ML 
3,00  0,49 
1.4  Kalkulationslohn KL
(Summe 1.1 bis 1.3) 
29,18 
1.5  Zuschlag auf Kalkulationslohn
(aus Zeile 2.4, Spalte 1) 
38,00  11,09 
1.6  Verrechnungslohn VL
(Summe aus 1.4 und 1.5, VL im Formblatt 223 berücksichtigen) 
40,27 
2.  Zuschläge auf die Einzelkosten der Teilleistungen = unmittelbare Herstellungskosten 
    Zuschläge in % auf 
Lohn  Stoff-
kosten 
Geräte-
kosten 
Sonstige
Kosten 
Nachunter-
nehmer-
kosten 
2.1  Baustellengemeinkosten  8,00  7,00  10,00  3,00  1,00 
2.2  Allgemeine Geschäftskosten  23,00  15,00  1,00  0,00  3,00 
2.3  Wagnis und Gewinn  7,00  6,00  5,00  5,00  6,00 
2.4  Gesamtzuschläge  38,00  28,00  16,00  8,00  10,00 
3.  Ermittlung der Angebotssumme 
    Einzelkosten d.
Teilleistungen=
unmittelbare
Herstellungs-
kosten 
Gesamtzu-
schläge 
Angebots-
summe 
  %   
3.1  Eigene Lohnkosten
Verrechnungslohn  (1.6)  x  Gesamtstunden 
40,27 €/h  x  2.700,00 h 
 
108.729,00 
3.2  Stoffkosten
(einschl. Kosten für Hilfsstoffe) 
70.080,50  28,00  89.703,04 
3.3  Gerätekosten
(einschl. Kosten für Energie und Betriebsstoffe) 
9.350,00  16,00  10.846,00 
3.4  Sonstige Kosten
(vom Bieter zu erläutern) 
5.500,00  8,00  8.100,00 
3.5  Nachunternehmerleistungen*  18.040,00  10,00  19.844,00 
Angebotssumme ohne Umsatzsteuer  237.222,04 

eventuelle Erläuterungen des Bieters:
1) Die Abweichung der Angebotssumme aus dem EFB zur Angebotssumme aus dem LV entsteht durch Rundungsdifferenzen aufgrund unterschiedlicher Zusammenzählung der Einzelkosten.
2) Evtl. Angaben zur Aufteilung des Zuschlagsatzes zu BGK in Zeile 2.1 nach bauzeitabhängigen und bauzeitunabhängigen Anteilen
3) Evtl. Aufgliederung des Zuschlagsatzes in Zeile 2.3 zu W&G nach einem Anteil für Wagnis und einem Anteil für Gewinn
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