Malus-Prinzip beim Leistungslohn

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Malus-Prinzip beim Leistungslohn

Malus bedeutet so viel wie "Abschlag" oder "Abzug". Bei Anwendung des Leistungslohns im Bauunternehmen auf Grundlage der Regelungen im "Rahmentarifvertrag für Leistungslohn im Baugewerbe" vom 29. Juli 2005 (RTV-Leistungslohn) werden die Minusstunden geringer vergütet, d. h. mit einem Abschlag (Malus). War die Anzahl der Ist-Stunden für die ausgeführte Bauleistung höher als die Anzahl der Soll-Stunden (aus der Arbeitskalkulation), ist die Stundenvorgabe überschritten worden. Die Differenz stellt Minus-Stunden dar, die den an der Baumaßnahme beteiligten Arbeitnehmern nur mit 50 v. H. ihresGesamttarifstundenlohns vergütet werden. Dem Arbeitnehmer sind jedoch mindestens 90 v. H. seiner in diesem Lohnabrechnungszeitraum für die tarifliche Arbeitszeit zustehenden Vergütung zu sichern, und zwar mit Bezug auf § 6 Abs. 5 im Rahmentarifvertrag für Leistungslohn im Baugewerbe (RTV Leistungslohn vom 29. Juli 2005).

Zunächst ist die Ist-Leistungsmenge durch Aufmaß nach den Anforderungen bzw. Abrechnungsregeln in den DIN-Vorschriften der VOB, Teil C festzustellen. Erst danach können die Minus-Stunden bestimmt werden. Weicht aber die Ist-Leistungsmenge von der Leistungsmenge nach Soll ab, sind zunächst die Soll-Stunden der Soll-Leistung auf die Soll-Stunden für die Ist-Leistung umzurechnen, gewissermaßen die "Hätte"-Sollstunden als vergleichbare Größe zu bestimmen und dann mit den Ist-Stunden der Ist-Leistung zu vergleichen. Nur so wird eine Vergleichbarkeit zwischen Ist- und Soll-Stunden gewährleistet. Wichtig dabei ist immer, dass für die vergleichbaren Soll- und Ist-Stunden die gleiche Leistung zugrunde liegt.

Beispiel zu Malus-Prinzip beim Leistungslohn

Malus-Prinzip beim Leistungslohn

Die Lohnabrechnung nach dem Malus-Prinzip soll folgendes Beispiel demonstrieren:

Ausgangsdaten:

ο  Ausführung von Betonarbeiten (schalen und betonieren) für eine Stützmauer 
ο  Leistungsgruppe (Kolonne) mit 4 gewerblichen Arbeitnehmern 
ο  Leistungsmenge im Ist (nach Aufmaß) entspricht der Soll-Menge  
ο  Soll-Stunden aus der Arbeitskalkulation  800 Stunden 
ο  Ist-Stunden laut Stundennachweise  850 Stunden 
ο  mit der Leistungsgruppe wurde eine Vereinbarung nach RTV-Leistungslohn getroffen  
ο  Gesamttarifstundenlohn (GTL) der Arbeitnehmer  15,04 €/Stunde  

Abrechnung für die Leistungsgruppe:

800 Stunden  15,04 €/Std.  12.032,00 €   
+ 50 Stunden  7,52 €/Std.  376,00 €  (= Malus !) 
= gesamt aus Leistungslohn  =  12.408,00 €   

In der Mehrarbeitszeit von 50 Stunden (Minus-Stunden) kann keine andere Tätigkeit ausgeführt werden, so dass für diese Zeit ein Lohn ausfällt:

./. 50 Stunden  15,04 €/Std.  752,00 €. 

Der Malus bleibt aber mit 3,1 % noch wesentlicher geringer als die möglicherweise Kürzung des Lohnes bis auf mindestens 90 % der Vergütung des entsprechenden Lohnzeitraums. Den an der Baumaßnahme beteiligten gewerblichen Arbeitnehmern ist der Malus entsprechend ihrem arbeitszeitteiligen Anteil zu berechnen.

Hätte die Leistungsgruppe bei der gleich hohen Soll-Stundenvorgabe nicht im Leistungslohn gearbeitet, dann bestimmt sich ein Lohn für die Gruppe von:

850 Stunden  15,04 €/Std.  12.784,0 €. 

Läge dagegen im Beispiel eine Unterschreitung der Stundenvorgaben vor, sind die Plus-Stunden mit einem Bonus beim Leistungslohn zu vergüten.

Begriffs-Erläuterungen zu Malus-Prinzip beim Leistungslohn

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Bei Anwendung des Leistungslohns ist für die Entlohnung eine aktuelle und aussagefähige Abrechnung notwendig, und zwar mit Bezug auf § 6 im "Rahmentarifvertrag für Leistungslohn im Baugewerbe vom 29. ...

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