Mischkalkulation

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Mischkalkulation

Anzeichen für eine unzulässige Mischkalkulation können unangemessen niedrige Einheitspreise (EP) für Teilleistungen (z. B. Euro- oder Cent-Preise) in Angeboten sein. Ein Bieter, der in seinem Angebot die von ihm tatsächlich für einzelne Leistungspositionen zu dem im Leistungsverzeichnis (LV) geforderten EP auf verschiedene EP anderer Leistungspositionen verteilt, benennt nicht die von ihm geforderten EP bei nationalen Ausschreibungen im Unterschwellenbereich im Sinne von § 13 Abs. 1, Nr. 3 in Anschnitt 1 (Basisparagrafen) der VOB Teil A (analog auch nach §§ 13 EU und VS, jeweils Abs. 1, Nr. 3 in den Abschnitten 2 und 3 der VOB/A). Es liegt evtl. eine Kalkulation von Spekulationspreisen vor. Möglich wären auch Kostenverlagerungen mit der Folge von Preisverlagerungen bei der Kalkulation der Einzelkosten der Teilleistungen (EKT) und Gemeinkosten. Demgegenüber müssen Null-Einheitspreise nicht von vornherein unangemessene oder unvollständige Preisangaben in einem Angebot darstellen. Im Allgemeinen mag ein Null-Einheitspreis zunächst unrealistisch erscheinen, möglicherweise sprechen aber sachliche und wirtschaftliche Gründe für die Angabe.
Liegt bei der Prüfung die Vermutung nahe, dass es sich um eine Mischkalkulation handelt, ist vom Bieter eine schriftliche Erklärung nach §§ 15 EU und 15 VS, jeweils Abs. 1 in der VOB/A über die Kostenanteile der EP und die Offenlegung der Kalkulation bzw. herangezogenen Kalkulationsunterlagen bzw. -ansätze zu verlangen, wobei die Ergebnisse solcher Aufklärungen geheim zu halten sind. Das ist immer dann notwendig, wenn ein Angebot aufgrund seiner Preisstruktur in sich preislich unverständlich oder sogar perplex ist. Dafür sollte ihm schriftlich ein Termin gesetzt werden. Nur pauschale Behauptungen und unplausible Auffassungen in der Bietererklärung können nicht ausreichend sein.
Für die Aufklärung sollten die Aussagen in den ergänzenden Preisblättern (EFB-Preis) 221 bzw. 222 nach Vergabe- und Vertragshandbuch (VHB-Bund, Ausgabe 2017) sowie Formblatt 223 zur Aufgliederung der kalkulierten Einheitspreise sowie eine ggf. hinterlegte Urkalkulation herangezogen werden. Dies sieht auch die Richtlinie 321 - Prüfungs- und Wertungsübersicht - für öffentliche Bauaufträge im VHB-Bund unter Tz. 3.3.2 vor. Legt der Bieter nachvollziehbar dar, dass er die Markt- und Wettbewerbssituation für seine Preisbildung effektiv genutzt hat (z. B. durch günstigen Materialeinkauf, Verwertung von Abbruchmaterial und Erdaushub), dann liegt in Bezug auf sein Unternehmen ein wirtschaftliches Angebot vor.
Eine analoge Regelung wird auch im "Handbuch für die Vergabe und Ausführung von Bauleistungen im Straßen- und Brückenbau (HVA B-StB)" im Teil 2 unter Tz. 2.4 - Prüfung und Wertung der Angebote - in Nr. 21 und 22 getroffen. Danach sind mögliche Mischkalkulationspreise bei wesentlichen Leistungspositionen zu Hauptangeboten mithilfe eines Preisspiegels und bei Nebenangeboten aufgrund von Erfahrungen auf überhöhte und untersetzte Einheitspreise zu prüfen, insbesondere auch auf die Verlagerung von Preisbestandteilen. Bei Unklarheiten sind die betroffenen Bieter mit Terminsetzung zur Aufklärung in Textform aufzufordern. Den Bietern ist vorher mitzuteilen, bei welchen Leistungspositionen (Ordnungszahlen) ein Verdacht auf eine Mischkalkulation besteht. Bei der Bewertung der Aufklärung sind nur Tatsachen zu berücksichtigen. Demgegenüber sollte eine Prüfung einer Bietererklärung auf "Wahrhaftigkeit" nicht erfolgen.
Kann der Bieter nicht schlüssig nachweisen, dass seine EP sachgerecht kalkuliert und Kostenanteile nicht in andere Positionen verschoben wurden, dann hat die Vergabestelle schlüssig und anhand von Tatsachen (keine Mutmaßungen und subjektiven Einschätzungen) den Nachweis für eine Mischkalkulation zu erbringen. Gelingt dies, ist das Angebot wegen unvollständiger Preisangaben von der Wertung auszuschließen. Ein Ausschluss des Bieterangebots ist auch dann vorzusehen, wenn eine Aufklärung zur möglichen Mischkalkulation vom Bieter verweigert wird. Kann der Bieter Unklarheiten zu seinem Angebot ausräumen oder eine Mischkalkulation objektiv nicht nachgewiesen werden, bliebe evtl. noch die weitere Prüfung hinsichtlich einer Preisspekulation vorzusehen.

Baunachrichten zu Mischkalkulation

Was genau ist eigentlich eine unzulässige Mischkalkulation? - 05.10.2012 In der Baupraxis wird bei öffentlichen Auftraggebern immer wieder sehr schnell von einer „unzulässigen Mischkalkulation“ gesprochen, ohne dass tatsächlich klar ist, wann genau denn eine sol
05.10.2012 In der Baupraxis wird bei öffentlichen Auftraggebern immer wieder sehr schnell von einer „unzulässigen Mischkalkulation“ gesprochen, ohne dass tatsächlich klar ist, wann genau denn eine sol...
Niedrigpreisangebot und Spekulationspreise - Kampfpreis oder Mischkalkulati... -Erst kalkulieren, dann spekulieren. Spekulation (von lat. speculari: spähen, beobachten) ist wohlüberlegtes Handeln mit Chancen und Risiken. Im Gegensatz zu "Zocken" oder "Wetten" ohne Kostenkenntnis. Auch die am Bau Beteiligten beobachten den Markt. Baupreise sind Marktpreise. Geprägt durch die Kosten und der Marktanpassung. Und derzeit gehen die Baupreise nach oben.
Erst kalkulieren, dann spekulieren. Spekulation (von lat. speculari: spähen, beobachten) ist wohlüberlegtes Handeln mit Chancen und Risiken. Im Gegensatz zu "Zocken" oder "Wetten" ohne Kostenkenntnis. Auch die am Bau Beteiligten beobachten den Markt. Baupreise sind Marktpreise. Geprägt durch die Kosten und der Marktanpassung. Und derzeit gehen die Baupreise nach oben.
Kalkulation und Ethik - Fairplay bei Angeboten und Nachträgen -Der brutale Wettbewerb in der Bauwirtschaft der letzten Jahre war auch verbunden mit einem Werteverfall bei der Kalkulationsarbeit für die Angebote. Submissions-Spannen von 100 bis 280 % belegen dies. Ein Verfall der Sitten und Gebräuche wird beklagt. Wo man früher zweimal im Jahr den Rechtsanwalt konsultierte, beschäftigt man jetzt 2 Rechtsanwälte im Jahr. Die Partner am Bau liegen oft im Streit.
Der brutale Wettbewerb in der Bauwirtschaft der letzten Jahre war auch verbunden mit einem Werteverfall bei der Kalkulationsarbeit für die Angebote. Submissions-Spannen von 100 bis 280 % belegen dies. Ein Verfall der Sitten und Gebräuche wird beklagt. Wo man früher zweimal im Jahr den Rechtsanwalt konsultierte, beschäftigt man jetzt 2 Rechtsanwälte im Jahr. Die Partner am Bau liegen oft im Streit.
Modellbasiert Ausschreibungen prüfen und Angebote kalkulieren -Vom Bewerber über den Bieter zum Auftragnehmer (AN). Der Bewerber beteiligt sich an der Vergabe und fordert die Unterlagen zur Ausschreibung an. Als Bieter hat er diese geprüft und gibt ein Angebot ab. Mit der Erteilung des Zuschlages wird er Auftragnehmer. Der Lebenslauf des Bauauftrages beginnt mit dem Bauvertrag. Das Schicksal nimmt seinen Lauf. Vorbestimmt durch das Bau-Soll.
Vom Bewerber über den Bieter zum Auftragnehmer (AN). Der Bewerber beteiligt sich an der Vergabe und fordert die Unterlagen zur Ausschreibung an. Als Bieter hat er diese geprüft und gibt ein Angebot ab. Mit der Erteilung des Zuschlages wird er Auftragnehmer. Der Lebenslauf des Bauauftrages beginnt mit dem Bauvertrag. Das Schicksal nimmt seinen Lauf. Vorbestimmt durch das Bau-Soll.
Spekulative Ausschreibungen und trügerische Angebote frivol kalkuliert -Das "Frivole" am Bau ist nicht sinnlich, sondern mehrdeutig - dreist! Eingeführt vom Baurecht. Der Bundesgerichtshof (BGH) spricht von "frivoler Kalkulation". Anstößig können zuweilen Auftraggeber wie auch Auftragnehmer sein. Das Schamlose besteht darin, das der eine den anderen bewusst in die Irre führt. Fehler werden vorsätzlich aktiviert oder unverfroren ausgenutzt. Eingebettet in Widersprüchlichkeit, Lückenhaftigkeit, Unklarheit, verfänglichen Leistungsbeschreibungen und bunten Mischtatbeständen. In Missverständnissen werden die Risiken unangemessen verteilt. Ein Nährboden für Misstrauen. Zerstörerisch der Vertrauensschaden. Die Kehrseite ist Bauen und Vertrauen. In der Regel. Und das Frivole die Ausnahme?
Das "Frivole" am Bau ist nicht sinnlich, sondern mehrdeutig - dreist! Eingeführt vom Baurecht. Der Bundesgerichtshof (BGH) spricht von "frivoler Kalkulation". Anstößig können zuweilen Auftraggeber wie auch Auftragnehmer sein. Das Schamlose besteht darin, das der eine den anderen bewusst in die Irre führt. Fehler werden vorsätzlich aktiviert oder unverfroren ausgenutzt. Eingebettet in Widersprüchlichkeit, Lückenhaftigkeit, Unklarheit, verfänglichen Leistungsbeschreibungen und bunten Mischtatbeständen. In Missverständnissen werden die Risiken unangemessen verteilt. Ein Nährboden für Misstrauen. Zerstörerisch der Vertrauensschaden. Die Kehrseite ist Bauen und Vertrauen. In der Regel. Und das Frivole die Ausnahme?

Begriffs-Erläuterungen zu Mischkalkulation

Bei spekulativen Kalkulationsansätzen erwartet der, den Bauauftrag zu erlangen und möglichst verlustfrei ausführen zu können. EinzelneEinheitspreise (EP) werden "unter dem Wert" und wieder andere ...
Bei Ausschreibungen für öffentliche Aufträge ist auf ein Angebot mit einem unangemessen hohen oder niedrigen Preis (oder unangemessen hohen oder niedrigen Kosten) kein Zuschlag zu erteilen. Das gilt...
Ausschreibungen darf sich der Auftraggeber vor der Erteilung eines Zuschlags u. a. über die Angemessenheit der Preise unterrichten. Dabei sollte die Angemessenheit der Preise für Teilleistungen grund ...
Als Einheitspreis gilt ein kalkulierter oder anderweitig ermittelter bzw. eingeholter Baupreis für die Mengeneinheit der Leistungsposition, z. B. in Euro je m² Schalung, je m³ Einzelfundamente, aber...

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