Da tut sich ja doch `was in Deutschland!

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Da tut sich ja doch `was in Deutschland!
04.10.2014

Da tut sich ja doch `was in Deutschland!

Ergebnisse vom BIM-Workshop - September 2014
Bild: ©aleksandrsb - Fotolia.com 
Wenn man sich auf den einschlägigen deutschsprachigen Webseiten in Sachen BIM so umschaut, so kann man nur den Eindruck bekommen: ´Still ruht der See´ … oder doch nicht?
Am 11. September 2014 hat das DIN Deutsches Institut für Normung e. V. einen BIM-Workshop veranstaltet. Und? Da tut sich ja doch `was in Deutschland in Sachen BIM!
 

BIM-Strategie für Deutschland

Dr. Jürgen Koggelmann (BMVI) berichtete über die Arbeiten der Reformkommission Bau von Großprojekten. Schon im Dezember 2013 hat deren AG BIM einen Entwurf einer BIM-Strategie für Deutschland mit folgenden Eckpunkten vorgelegt:
  • Daten verfügbar machen, Transparenz schaffen: Hochwertige Informationen werden zum richtigen Zeitpunkt benötigt, um kompetente Entscheidungen hinsichtlich der Ziele treffen zu können;
  • Öffentlicher Auftraggeber: Dem öffentlichen AG kommt bei der Durchsetzung der BIM-Methode eine besondere Rolle zu;
  • Referenzprojekte: Referenzprojekte sollen zeigen, was jetzt schon geht, noch entwickelt werden muss und andere davon lernen können;
  • Push-Pull-Strategie:
    • Push = Förderung und aktive Hilfestellung bei der Umsetzung innerhalb der Bauwirtschaft,
    • Pull = Forderungs-Impuls in die Bauwirtschaft, ganz bestimmte Datenlieferungs- und Entscheidungsprozesse zu etablieren;
  • Kompetenzsteigerung: Durch höheres Kompetenzniveau (–> Push-Pull-Strategie) die Zuverlässigkeit der Bauwirtschaft weiter ausbauen;
  • KMUs: Besonderes Augenmerk auf KMUs, um eine Überforderung des Gesamtmarktes zu vermeiden;
  • Soft Landings: Definition einer "Übergangsphase" in der die AG / Immobilienbetreiber begleitet werden, um selber in vollem Umfang den Nutzen aus den gelieferten Daten ziehen und im Gegenzug die Erkenntnisse auch wieder verfügbar machen zu können;
  • Zeithorizont: Im Verlauf der nächsten 5 Jahre soll das Arbeiten mit der BIM-Methode für Großvorhaben in einem noch zu definierenden Umfang schrittweise eingeführt werden.

Bauen Digital GmbH

Siggi Wernik (buildingSMART e. V.) konnte verkünden, dass am 8. 9. 2014 von Verbänden der deutschen Bauindustrie beschlossen wurde, eine deutsche BIM Task Group mit dem Namen "Bauen Digital GmbH – Gesellschaft zur Digitalisierung des Planens, Bauens und Betreibens" zu gründen.
Bei dieser Initiative stehen die Türen für jeden offen, sei es Verband, sei es Privatperson, um die folgende Mission voranzubringen:
  • beschleunigte Einführung von BIM in Deutschland koordinieren und unterstützen;
  • Überlappung und Lücken der erforderlichen Aktivitäten vermeiden;
  • Aufgaben priorisieren und delegieren;
  • Kommunikation bündeln.

buildingSMART International

Dr. Thomas Liebich (AEC3 Deutschland GmbH) sprach über die Normungs- und Standardisierungsaktivitäten bei ISO und CEN sowie buildingSMART International.

VDI 3805 – international

Dr. Manfred Pikart (BDH) stellte die internationalen Normungsaktivitäten vor, bei denen die VDI-Richtlinie 3805 "Produktdatenaustausch in der Technischen Gebäudeausrüstung" die Basis für die Erarbeitung der ISO 16757 bildet.

Anwendung eines Standards: Revit ® -plug-in für DIN SPEC 91400

Dr. Klaus Schiller (Dr. Schiller & Partner GmbH – Dynamische BauDaten) erörterte die DIN SPEC 91400 ´BIM-Klassifikation nach STLB-Bau´.
Dieser Standard soll dazu dienen, ein Bauteil standardisiert, menschen- und maschinenlesbar zu spezifizieren sowie den IFC-Datenaustausch an den dafür vorgesehenen Stellen so zu füllen, dass die Bauteileigenschaften vom Empfänger weiterverarbeitet werden können.
Zusätzlich soll auch eine DBD-BIM-Schnittstelle angeboten werden, die darüber hinaus noch Folgendes bietet:
  • Verknüpfung mit nationalen und internationalen Klassifikationen (DIN 276-1, OmniClassTM, Uniclass2, etc.)
  • BIM-integriertes Fachwissen (z.B. Regeln der Technik)
  • Modellbasierte Leistungsbeschreibungen
  • Modellbasierte Mengen-Wert-Gerüste für Kostenermittlungen
Zudem wird auch ein Revit® -plug-in veröffentlicht (zur BAU 2015 in München), das dafür sorgt, dass die standardisierten Bauteileigenschaften sowohl im IFC-Import als auch IFC-Export enthalten sind –direkt aus Autodesk Revit® heraus!

VDI-Koordinierungskreis "Building Information Modeling"

Bereits im Dezember 2013 wurde beim VDI ein Koordinierungskreis BIM gegründet dessen Vorsitz Prof. Rasso Steinmann (IABI) übernommen hat. Die Agenda umfasst folgende Handlungsfelder:
  • Mensch: Eine klare Definition der Verantwortlichkeiten bei der BIM-Anwendung.
  • Technologie: Standardisierung von z.B. Datenaustausch, Datenmanagement oder Mengenermittlung.
  • Prozesse: Themen wie ´Anforderungen an die Planung und den Ablauf´ oder ´Qualitätskriterien für Informationen, Ausschreibung versus Angebot´.
  • Rahmenbedingungen: Abgleich mit den existierenden Regelungen wie VOB und HOAI.
Zwischen dem DIN und dem VDI wurde ein Einvernehmen über die Arbeitsteilung in Sachen BIM erreicht. Der VDI ist die maßgebliche Stelle für die nationale BIM-Regelsetzung. Jedoch wenn es darum geht, diese Regeln in die Welt, d.h. zu CEN und zu ISO zu tragen, ist dies die Aufgabe des DIN. Dies wurde in der abschließenden Podiumsdiskussion auch deutlich.
Wenn bei CEN eine Europäische Norm erarbeitet wird, so werden jeweils in den Mitgliedsländern nationale Spiegelgremien mit Vertretern aller interessierten Kreise gebildet, in denen eine Meinung zu den zur Diskussion stehenden Themen gefunden wird. Ein entsandter Vertreter bringt diese dann bei der Arbeit des europäischen Normengremiums ein.
Eine Besonderheit ist, dass alle auf CEN-Ebene erarbeiteten Europäischen Normen – im Gegensatz zu den Internationalen Normen auf ISO-Ebene – automatisch ins deutsche Normenwerk übernommen werden müssen, also automatisch deutsche Normen werden. Es ist also wichtig, früh Einfluss auszuüben!
In der Podiumsdiskussion ging es genau um ein solches deutsches Spiegelgremium, da bereits Ende des Jahres 2014 (!) bei CEN ein Komitee gegründet wird, das die zukünftigen europäischen Normungsarbeiten zum Thema BIM koordinieren soll.
Am Ende des Workshops wurden die folgenden Punkte als Ergebnis präsentiert:
  • Gründung der "Bauen Digital GmbH" wird durch die Anwesenden begrüßt. Die Gesellschaft bündelt die Interessen der Bauwirtschaft.
  • Pränormative Richtlinienarbeit zur Umsetzung des Standes der Forschung im Markt wird begrüßt.
  • Der sich anschließende Stand der Technik wird in die Normung überführt werden. DIN wird hierzu ein entsprechendes Gremium etablieren und zu einer Auftaktsitzung einladen.
  • Dieses DIN-Gremium ist für die europäische und internationale Spiegelarbeit verantwortlich.
  • Die Partner DIN/VDI/Bauen Digital GmbH werden ihre Zusammenarbeit daraufhin abstimmen, dass keine Doppelarbeiten entstehen.
  • Weitere Regelsetzer sind ausdrücklich eingeladen, an der Zusammenarbeit teilzunehmen.
Es ist festzustellen, dass Deutschland in Sachen BIM weit hinter dem zurückhängt, was andere uns bereits jahrelang vormachen. Aber: Da tut sich ja doch `was in Deutschland in Sachen BIM!
Jetzt ist nicht die Zeit: "Zu schauen was für Sachen noch nicht funktionieren, sondern zu realisieren, dass bereits Sachen funktionieren. Es gilt jetzt, mit diesen anzufangen, um dann die noch nicht funktionierenden Sachen anzugehen!" (Dr. Thomas Liebich, AEC3 Deutschland GmbH)
Es bleibt bzw. wird spannend (in Deutschland)!
Dieser Beitrag wurde verfasst von ir. Konrad Stuhlmacher (Dr. Schiller & Partner GmbH), Autor des Blogs ´BIM und um BIM herum´, www.bimundumbimherum.wordpress.com.

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