Richtsatzsammlung zur Besteuerung im Bauhandwerk

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Richtsatzsammlung zur Besteuerung im Bauhandwerk

Vom Bundesministerium für Finanzen wird jährlich eine Sammlung von Richtsätzen herausgegeben, zuletzt als "Richtsatzsammlung 2018" für das Kalenderjahr 2018 mit BMF-Schreiben vom 8. Juli 2019. Die Richtsatzsammlung wird zugleich im Bundessteuerblatt I veröffentlicht und steht auch auf der Internetseite des BMF unter Steuern zum Download bereit. Die vorgegebenen Richtsätze sollen den Finanzämtern als Hilfsmittel dienen und Anhaltspunkte über mögliche Umsätze und Gewinne der Gewerbetreibenden (Bauhandwerker als Einzelunternehmen, Personengesellschaften und Selbstständigen) geben, vorrangig zur
  • Verprobung der Umsätze und Gewinne nach Richtsätzen und
  • Schätzung der Besteuerunggrundlagen bei Fehlen anderer geeigneter Unterlagen
für die Besteuerung mit Bezug auf § 162 der Abgabenordnung (AO).
Grundlage für die Aussagen der Richtsätze in % in den tabellarischen Übersichten nach einzelnen Gewerbeklassen ist der wirtschaftliche Umsatz (einschließlich Material). Er wird in den Richtsatztabellen für die einzelnen Gewerbeklassen noch nach der Größe differenziert, beispielsweise:
  • für Bauunternehmen allgemein bei Materiallieferung:
    • wirtschaftlicher Umsatz bis 200.000 €,
    • wirtschaftlicher Umsatz über 200.000 € bis 500.000 € und
    • wirtschaftlicher Umsatz über 500.000 € und
  • weiter teils unterschiedlich bei den bauspezifischen Gewerbeklassen, z. B. im Dachdeckerhandwerk.
Die Richtsätze werden in der Richtsatzsammlung zu den Gewerbeklassen angeführt für den:
Die Richtsätze werden differenziert nach Gewerbeklassen vorgegeben. Speziell als Gewerbeklasse gelten auch die Bauunternehmen, für die seit 1996 ff. Jahre Richtsätze – differenziert nach Umsatzgrößen – vom Bundesministerium für Finanzen als Grundlage für steuerliche Betriebsprüfungen angegeben werden.
Außer zu Aussagen zum Bauunternehmen allgemein werden im Baugewerbe auch Richtsätze zu folgenden bauspezifischen Gewerbeklassen in der Richtsatzsammlung aufgeführt:
  • Bauunternehmen mit Materiallieferung,
  • Dachdeckerei und Bauspenglerei,
  • Elektroinstallation,
  • Fußboden-, Fliesen- und Plattenlegerei,
  • Garten- und Landschaftsbau (Galabau),
  • Gerüstbau,
  • Glasergewerbe,
  • Glas- und Gebäudereinigung,
  • Heizungs-, Gas- und Wasserinstallation, Klempnerei, Lüftungs- und Klimatechnik,
  • Maler- und Lackierergewerbe,
  • Schlosserei,
  • Steinbildhauerei und Steinmetzerei,
  • Zimmerei.
Für diese Gewerbeklassen erfolgt ebenfalls eine Unterteilung der Richtsätze nach unterschiedlicher Höhe des wirtschaftlichen Umsatzes, wobei der wirtschaftliche Umsatz weiter differenziert und nicht einheitlich hoch für die verschiedenen Gewerbeklassen angesetzt wird.
Unter den angeführten Begriffen werden speziell für - wie unten angeführt - zu berücksichtigende Richtsätze aus der Sammlung als Beispiele angeführt.
Prozentuale Aussagen von Richtsätzen werden als Beispiele für folgende ausgewählte Gewerbeklassen des Bauhandwerks aus der Richtsatzsammlung 2018 angeführt für:
Die Richtsätze stellen auf die Verhältnisse eines Normalbetriebs im Bauhandwerk ab. Er entspricht allgemein einem Einzelunternehmen mit Gewinnermittlung durch Bestandsvergleich. Im Baugewerbe betrifft es vorrangig kleinere Baubetriebe und Bauhandwerker, aber nicht mittelgroße und große Bauunternehmen. In der Regel stammen die Richtsätze aus früheren Betriebsergebnissen von geprüften Bauunternehmen. Die Richtsätze können auch für Steuerpflichtige bei einer Gewinnermittlung auf Grundlage einer Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) angewendet werden.
Die Richtsätze zu den ausgewiesenen Gewinnen sind nicht vergleichbar mit den kalkulatorischen Ansätzen für Gewinn (G) und ggf. Wagnis in der Angebotskalkulation für Bauaufträge. Der Einzelunternehmer (z. B. Maurermeister Müller) erhält kein reguläres Gehalt, folglich fehlen seine Personalkosten in den Richtsätzen. Erst unter Einbeziehung eines kalkulatorischen Unternehmerlohns wäre ein Vergleich zu den Kennzahlen möglich. Bei der Gewinneinschätzung ist folglich zu berücksichtigen und beispielsweise weiter zu differenzieren, ob auch der Ehegatte des Unternehmers und andere Angehörige entlohnt oder nicht entlohnt werden, ggf. überhöhte Löhne vorliegen und Löhne für eigenbetriebliche Zwecke von den Aufwendungen abzuziehen sind. Evtl. sind auch unentgeltliche Wertabgaben, Sachbezüge, Deputate, Urlaubsgeld, freie Wohnung oder überhöhte Miete an Gesellschafter des Unternehmens u. a. Vergünstigungen mit zu berücksichtigen. Für die Normalisierungen (als wertmäßige Kürzungen oder Erhöhungen) werden in der Richtsatzsammlung Ansätze unter Tz. 11 angeführt, beispielsweise für unentgeltliche Wertabgaben (Sachentnahmen) eine Kürzung des Wareneinsatzes und wirtschaftlichen Umsatzes von 6.000 €.

Begriffs-Erläuterungen zu Richtsatzsammlung zur Besteuerung im Bauhandwerk

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