Rohgewinn-Richtsätze

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Rohgewinn-Richtsätze

Für die Gewinnbesteuerung von Einzelunternehmen, Personengesellschaften und Selbstständigen im Baugewerbe bzw. speziell des Bauhandwerks können von den Finanzämtern Richtsätze als Hilfsmittel und Ansatzpunkte über mögliche Umsätze und Gewinn wie zum Rohgewinn I und II, weiterhin auch zum Reingewinn und Halbreingewinn herangezogen werden, näher erläutert unter den angeführten Begriffen sowie unter Richtsatzsammlung zur Besteuerung im Bauhandwerk.
Für Bauunternehmen mit Materiallieferung weist die "Richtsatzsammlung des Bundesministeriums für das Kalenderjahr 2016 vom 8. Juni 2017 (veröffentlicht im Bundessteuerblatt I)" folgende Richtsätze (in der Höhe gleichlautend wie für das Jahr 2016) zu den einzelnen Gewinnarten in Prozent mit Bezug auf den wirtschaftlichen Umsatz und dessen Umfang im betreffenden Geschäftsjahr aus, wobei die Richtsätze gegenüber dem Vorjahr durchschnittlich höher angesetzt wurden:
bei wirtschaftlichen Umsätzen bis 200.000 €Rohgewinn I79
Rohgewinn II70(52-89)
Halbreingewinn43(25-65)
Reingewinn39(18-64)
bei wirtschaftlichen Umsätzen 200.000 bis 500.000 €Rohgewinn I68
Rohgewinn II48(32-66)
Halbreingewinn24(12-35)
Reingewinn20(8-33)
bei wirtschaftlichen Umsätzen über 500.000 €Rohgewinn I63
Rohgewinn II39(23-59)
Halbreingewinn16(8-26)
Reingewinn12(3-21)
Für die Gewerbeklasse " Garten- und Landschaftsbau (Galabau)" weist die Richtsatzsammlung des BMF nachfolgende Richtsätze für das Jahr 2016 (gleichhoch wie im Vorjahr) vor:
bei wirtschaftlichen Umsätzen bis 250.000 €Rohgewinn I 77
Rohgewinn II62(42-85)
Halbreingewinn32(15-54)
Reingewinn27(10-46)
bei wirtschaftlichen Umsätzen 250.000 bis 500.000 € Rohgewinn I73
Rohgewinn II52(36-74)
Halbreingewinn25(12-38)
Reingewinn20(8-34)
bei wirtschaftlichen Umsätzen über 500.000 €Rohgewinn I72
Rohgewinn II44(33-54)
Halbreingewinn17(6-27)
Reingewinn13(6-22)
Weitere prozentuale Richtsätze werden angeführt für: ebenfalls differenziert nach den Gewinnarten und nach der Größenklasse des wirtschaftlichen Umsatzes.
Die Mittelsätze entsprechen mit größter Wahrscheinlichkeit den tatsächlichen Verhältnissen im Sinne des Ansatzes für einen "Normalbetrieb". Ein Abweichen vom mittleren Satz in der jeweils ausgewiesenen Spanne zu den Umsatz- und Gewinngrößen kann durch besondere betriebliche oder persönliche Verhältnisse des Gewerbetreibenden begründet sein, die nicht durch normale Anpassung über die Richtsätze darstellbar sind. Weiterhin sind die Spannen so auszulegen, dass - beispielsweise bei einem wirtschaftlichen Umsatz bis 250.000 € - der untere Wert dann heranzuziehen wäre, wenn der Umsatz im oberen Bereich liegt und umgekehrt der Wert aus der oberen Rahmenhälfte, wenn der Umsatz im unteren Bereich liegt. Würde ein gemischter Umsatz im Bauhandwerksbetrieb (beispielsweise Dachdeckerei und Zimmerei) vorliegen, sollten bei durchschnittlichem Waren- und Materialeinsatz die Richtsätze der oberen Rahmenhälfte angesetzt werden.
Gerüstbauer sowie auch Gebäudereinigungsbetriebe werden im Sinne der Richtsätze als Fertigungsbetriebe behandelt, weil sie besonders lohnintensiv sind. Folglich wird für diese Betriebe auch nicht der Rohgewinn I , sondern nur der Rohgewinn II herangezogen, auszugsweise mit folgenden Sätzen zur Gewerbeklasse "Gerüstbau" für 2016 (gleichlautend wie für 2015):
wirtschaftlicher Umsatz bis 400.000 €Rohgewinn II77(62-91)
Halbreingewinn37(24-56)
Reingewinn32(15-50)
wirtschaftlicher Umsatz über 400.000 €Rohgewinn II67(54-83)
Halbreingewinn30(14-46)
Reingewinn20(8-36)
Die Richtsätze bewegen sich zwischen einem unteren und oberen Rahmensatz sowie einem daraus abgeleiteten Mittelsatz. Mit den Rahmensätzen sollen die unterschiedlichen Verhältnisse berücksichtigt werden, die in der betreffenden Gewerbeklasse auftreten können. Der Mittelsatz stellt praktisch das gewogene Mittel aus den Einzelergebnissen von vorher geprüften Betrieben der betreffenden Gewerbeklasse dar.
Für die Jahre vor 2016 erfolgten ebenfalls jährlich heranzuziehende Vorgaben. Die Ansätze für den Rohgewinn schwanken von Zeitraum zu Zeitraum mit Bezug auf die volkswirtschaftliche und Branchensituation der durchschnittlichen Gewinnerwirtschaftung. Für die Bauunternehmen allgemein und einzelne Gewerbe wie Heizung- und Sanitärinstallation, Tischlerei u. a. werden 2016 im Durchschnitt teils höhere Ansätze und teils größere Spannen gegenüber dem Vorjahr ausgewiesen, geschuldet der günstigeren Wirtschaftslage im Baugewerbe.

Begriffs-Erläuterungen zu Rohgewinn-Richtsätze

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