Spekulationspreise

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Spekulationspreise

Bei spekulativen Kalkulationsansätzen erwartet der Bieter, den Bauauftrag zu erlangen und möglichst verlustfrei ausführen zu können. Einzelne Einheitspreise (EP) werden "unter dem Wert" und wieder andere "über dem Wert" angeboten. Die Spekulation wäre dann erfolgreich, wenn der Bieter nach Erhalt des Bauauftrags die Einheitspreise "unter Wert" durch solche "über Wert" ausgleichen kann. Durch das Bauunternehmen als Bieter werden zunächst die Ausschreibungsunterlagen durchgearbeitet und danach gesichtet, ob Schwachstellen vorliegen und sich diese für die Preisbildung positiv ausnutzen lassen. Dann könnten vom Bieter Angebotspreise nicht nur allein auf Grundlage der voraussichtlich zu kalkulierenden Kosten bestimmt werden, sondern auch mit Erwartungen auf finanzielle Vorteile bei einer späteren Änderung der Leistungsbeschreibung und/oder von Leistungsmengen.
Spekulationen können auftreten mit Bezug auf:
  1. fehlerhafte Mengenangaben im Leistungsverzeichnis (LV). Möglichkeiten dazu liegen eher im Tief- und Verkehrsbau vor, weniger im Hochbau und selten für Ausbaugewerke. Auswirkungen können sein, dass die Mengen im LV zu hoch oder zu niedrig sind oder mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht zur Ausführung kommen. Im ersten und letzten Fall wird der Bieter evtl. die EP niedriger ansetzen, dagegen bei zu niedrig vermuteten Mengen erhöhen. Dies erfolgt meistens über die unterschiedlich hohe Umlage von Gemeinkosten.
  2. die Vermutung, dass dem Angebot bei der Ausführung in umfangreichem Maße Nachforderungen als Nachträge folgen werden. Oft werden dann auch die Kalkulationsgrundlagen, d. h. der Kalkulationslohn und evtl. die Zuschlagsätze für die Gemeinkosten, höher angesetzt, weil sie auch für spätere Nachtragskalkulationen anzuwenden sind.
  3. Alternativ- und Bedarfspositionen. Bei diesen Positionen stellt die Deckung der Gemeinkosten ein Problem dar, wenn sie später nicht zur Ausführung kommen. Deshalb sollten solche Positionen nicht mit in die Bezugsbasis für die Gemeinkosten eingerechnet werden. Das bedeutet, den Preis der Bedarfspositionen unabhängig von den anderen Teilleistungen zu ermitteln. Eine andere Variante besteht darin, die Gemeinkostenanteile der Eventualpositionen in den EP einer mit Sicherheit auszuführenden Position (z. B. Baustelleneinrichtung) zu kalkulieren. Meistens werden für die Bedarfspositionen sehr niedrige Preise angeboten, oft auch im Hinblick auf die Spekulation, diese Position nicht ausführen zu müssen. Dies ist auch im Zusammenhang mit Vermutungen auf eine Mischkalkulation zu sehen, die zum Ausschluss bei der Angebotswertung führen können, obgleich Verschiebungenbzw. Verlagerungen von Kostenbestandteilen bei Spekulationspreisen nicht - wie bei einer Mischkalkulation - im Vordergrund stehen bzw. kaum nachweisbar wären.
In diesem Sinne sind auch die Aussagen und Regelungen zu öffentlichen Bauaufträgen einerseits:
  • in der VOB Teil A bezüglich des Versagens eines Zuschlags auf Angebote bei einem "unangemessen hohen oder niedrigen Preis" bei nationalen Ausschreibungen im Unterschwellenbereich nach § 16 d Abs. 1, Nr. 1 im Abschnitt 1 (Basisparagrafen) sowie ebenfalls zu EU-weiten Ausschreibungen bei Erreichen der Schwellenwerte in § 16 d EU Abs. 1, Nr. 1 im Abschnitt 2 sowie bei verteidigungs- und sicherheitsspezifischen Baumaßnahmen nach § 16 d VS Abs. 1, Nr. 1 im Abschnitt 3,
  • im Vergabe- und Vertragshandbuch (VHB-Bund, Ausgabe 2008, Stand: April 2016) in der Richtlinie 321 (Vergabevermerk: Prüfungs- und Wertungsübersicht) unter Tz. 3.3 und 5.1 sowie im "Handbuch für die Vergabe und Ausführung von Bauleistungen im Straßen- und Brückenbau (HVA B-StB, Ausgabe April 2016)" im Teil 2 unter Tz. 2.4 - Prüfung und Wertung der Angebote - in Nr. 41 bis47 zu sehen.
Danach sollten bei Angeboten der engeren Wahl ggf. bei nicht eindeutig erklärbaren Einheitspreisen die Leistungsbeschreibung, insbesondere die Mengenermittlung, auf Mängel untersucht werden. Lassen sich Mängel in den Vergabeunterlagen nicht völlig ausschließen und liegt nach der Prüfung der Angebote ein Bieter mit evtl. spekulativen Preisen an erster Stelle, sollten die aus der Leistungsbeschreibung resultierenden wirtschaftlichen Auswirkungen für den Auftraggeber eingeschätzt und ggf. mit korrigierten Mengen und Preisen neu berechnet werden. Als Hilfsmittel zur Prüfung sollten die Aussagen in den ergänzenden Preisblättern (EFB-Preis) 221 bzw. 222 und 223 (Aufgliederung der kalkulierten Einheitspreise) nach VHB-Bund sowie eine ggf. hinterlegte Urkalkulation herangezogen werden.
Legt der Bieter in einer abgeforderten Erklärung jedoch nachvollziehbar dar, dass er die Markt- und Wettbewerbssituation für seine Preisbildung effektiv genutzt hat (z. B. durch günstigen Materialeinkauf, Verwertung von Abbruchmaterial und Erdaushub), dann liegt in Bezug auf sein Unternehmen durchaus ein wirtschaftliches Angebot vor. Wenn sich anschließend aus der Prüfung jedoch eine andere Rangfolge zu den Angeboten ableitet, bliebe ggf. zu prüfen, ob das spekulative Angebot auszuschließen oder sogar die Ausschreibung mit Bezug auf § 17 Abs. 1 VOB/A (bzw. nach § 17 EU und § 17 VS, jeweils Abs. 1) aufzuheben wäre.

Baunachrichten zu Spekulationspreise

Niedrigpreisangebot und Spekulationspreise - Kampfpreis oder Mischkalkulati... -Erst kalkulieren, dann spekulieren. Spekulation (von lat. speculari: spähen, beobachten) ist wohlüberlegtes Handeln mit Chancen und Risiken. Im Gegensatz zu "Zocken" oder "Wetten" ohne Kostenkenntnis. Auch die am Bau Beteiligten beobachten den Markt. Baupreise sind Marktpreise. Geprägt durch die Kosten und der Marktanpassung. Und derzeit gehen die Baupreise nach oben.
Erst kalkulieren, dann spekulieren. Spekulation (von lat. speculari: spähen, beobachten) ist wohlüberlegtes Handeln mit Chancen und Risiken. Im Gegensatz zu "Zocken" oder "Wetten" ohne Kostenkenntnis. Auch die am Bau Beteiligten beobachten den Markt. Baupreise sind Marktpreise. Geprägt durch die Kosten und der Marktanpassung. Und derzeit gehen die Baupreise nach oben.
Baupreise sind ein regionaler Cocktail von Kosten und Markt -Das Bauen ist gegenüber der Industrie speziell auftrags-, standort- und witterungsabhängig. Es ist immer wieder ähnlich und doch jedes Mal anders. Bauleistungen werden in Projekten gemixt und per Bauaufträge vor Ort serviert. Vom Neubau zum Rückbau über das Bauen im Bestand. Für öffentliche Auftraggeber, Investoren oder private Bauherren. Bodenständig im Kreislauf der Jahreszeiten und dem Wetter ausgesetzt. Die Baustelle als "Feldfabrik" ist die Produktionsstätte. Dabei wechseln nicht nur die Arbeitswege und die Lieferanten. Auch die Baustellenbedingungen und zumal die optionale Ausschreibung der BE als Teilleistung. So kann die Baustelleneinrichtung (BE) einen gesonderten Baupreis haben. Ansonsten werden die BE als Gemeinkosten auf die Baupreise des LV umgelegt. Das Schwingen dieser Baupreise ist vorprogrammiert.
Das Bauen ist gegenüber der Industrie speziell auftrags-, standort- und witterungsabhängig. Es ist immer wieder ähnlich und doch jedes Mal anders. Bauleistungen werden in Projekten gemixt und per Bauaufträge vor Ort serviert. Vom Neubau zum Rückbau über das Bauen im Bestand. Für öffentliche Auftraggeber, Investoren oder private Bauherren. Bodenständig im Kreislauf der Jahreszeiten und dem Wetter ausgesetzt. Die Baustelle als "Feldfabrik" ist die Produktionsstätte. Dabei wechseln nicht nur die Arbeitswege und die Lieferanten. Auch die Baustellenbedingungen und zumal die optionale Ausschreibung der BE als Teilleistung. So kann die Baustelleneinrichtung (BE) einen gesonderten Baupreis haben. Ansonsten werden die BE als Gemeinkosten auf die Baupreise des LV umgelegt. Das Schwingen dieser Baupreise ist vorprogrammiert.
Neues bei öffentlichen Aufträgen - Wohl und Übel der EFB-Preis Formblätter -Der Wettbewerb ist die Grundlage unserer Bauwirtschaft. So auch bei öffentlichen Aufträgen und diese wachsen wieder. Dabei geht es um Bauen mit Steuergeld. Ersteller und Empfänger der Preisangebote haben verschiedene Sichten und Verhaltensmuster. Der öffentliche Bauherr hat im Vergabehandbuch, in Richtlinien und Erlassen verschiedene geistige Instrumentarien für das Prüfen und Werten von Angeboten dienstlich angeordnet. Die Formulartechnik der EFB-Preis gehört dazu. Sie wurden bereits seit 1986 verbindlich eingeführt und mit dem BGH Urteil XZR 19/02 vom 7.6.2005 werden sie auch ernst genommen, weil eine Nichtabgabe der Formblätter zum Ausschluss bei der Vergabe führt. Dies ist der formale Akt. Vielen Unternehmern sind diese Preisermittlungsgrundlagen der EFB-Preis ein Graus und nicht wenige wissen, worum es dabei geht.
Der Wettbewerb ist die Grundlage unserer Bauwirtschaft. So auch bei öffentlichen Aufträgen und diese wachsen wieder. Dabei geht es um Bauen mit Steuergeld. Ersteller und Empfänger der Preisangebote haben verschiedene Sichten und Verhaltensmuster. Der öffentliche Bauherr hat im Vergabehandbuch, in Richtlinien und Erlassen verschiedene geistige Instrumentarien für das Prüfen und Werten von Angeboten dienstlich angeordnet. Die Formulartechnik der EFB-Preis gehört dazu. Sie wurden bereits seit 1986 verbindlich eingeführt und mit dem BGH Urteil XZR 19/02 vom 7.6.2005 werden sie auch ernst genommen, weil eine Nichtabgabe der Formblätter zum Ausschluss bei der Vergabe führt. Dies ist der formale Akt. Vielen Unternehmern sind diese Preisermittlungsgrundlagen der EFB-Preis ein Graus und nicht wenige wissen, worum es dabei geht.
Kalkulation und Ethik - Fairplay bei Angeboten und Nachträgen -Der brutale Wettbewerb in der Bauwirtschaft der letzten Jahre war auch verbunden mit einem Werteverfall bei der Kalkulationsarbeit für die Angebote. Submissions-Spannen von 100 bis 280 % belegen dies. Ein Verfall der Sitten und Gebräuche wird beklagt. Wo man früher zweimal im Jahr den Rechtsanwalt konsultierte, beschäftigt man jetzt 2 Rechtsanwälte im Jahr. Die Partner am Bau liegen oft im Streit.
Der brutale Wettbewerb in der Bauwirtschaft der letzten Jahre war auch verbunden mit einem Werteverfall bei der Kalkulationsarbeit für die Angebote. Submissions-Spannen von 100 bis 280 % belegen dies. Ein Verfall der Sitten und Gebräuche wird beklagt. Wo man früher zweimal im Jahr den Rechtsanwalt konsultierte, beschäftigt man jetzt 2 Rechtsanwälte im Jahr. Die Partner am Bau liegen oft im Streit.
Modellbasiert Ausschreibungen prüfen und Angebote kalkulieren -Vom Bewerber über den Bieter zum Auftragnehmer (AN). Der Bewerber beteiligt sich an der Vergabe und fordert die Unterlagen zur Ausschreibung an. Als Bieter hat er diese geprüft und gibt ein Angebot ab. Mit der Erteilung des Zuschlages wird er Auftragnehmer. Der Lebenslauf des Bauauftrages beginnt mit dem Bauvertrag. Das Schicksal nimmt seinen Lauf. Vorbestimmt durch das Bau-Soll.
Vom Bewerber über den Bieter zum Auftragnehmer (AN). Der Bewerber beteiligt sich an der Vergabe und fordert die Unterlagen zur Ausschreibung an. Als Bieter hat er diese geprüft und gibt ein Angebot ab. Mit der Erteilung des Zuschlages wird er Auftragnehmer. Der Lebenslauf des Bauauftrages beginnt mit dem Bauvertrag. Das Schicksal nimmt seinen Lauf. Vorbestimmt durch das Bau-Soll.

Begriffs-Erläuterungen zu Spekulationspreise

Mittels Preisspekulation könnte ein Bieter versuchen, dass seinAngebot besonders „günstig“ aussieht. Der Bieter erwartet, den Bauauftrag zu erlangen und möglichst verlustfrei ausführen zu können. D ...
Kalkulieren heißt Annahmen treffen. JedesAngebot hat eine gewisse Unsicherheit. Folglich werden die Angebote auch preislich auseinander liegen. Eigentlich erregt immer nur das billigste Angebot die ...
Für dieWertung von Angebotenist es wichtig, dass die kalkuliertenEinheitspreise (EP)auch den entsprechenden Leistungen in der Ausschreibung entsprechen bzw. die jeweilige Leistungsposition im ...
Wenn in einem Angebot einzelne Einheitspreise (EP) niedriger als eigentlich kalkuliert, d. h. praktisch „abgepreist“ ausgewiesen wurden, dann liegen meistens Kostenverlagerungen vor. Einzelne Kostenf ...

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