Vollkostenstundensatz

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Vollkostenstundensatz

Der Vollkostenstundensatz stellt praktisch den Betriebsmittellohn dar, wenn die gesamten Gemeinkosten (Baustellengemeinkosten (BGK) und Allgemeine Geschäftskosten (AGK)) sowie Wagnis und Gewinn (W&G) ausschließlich über den Lohn und nicht noch über andere Kostenarten zugeschlagen bzw. verrechnet werden.
Der Berechnung liegt zunächst der vorausermittelte Kalkulationslohn zugrunde. Danach ist folgendermaßen weiter zu rechnen:
Kalkulationslohn
+ Zuschlag für Gemeinkosten (BGK + AGK) sowie Wagnis und Gewinn
= Verrechnungslohn als Vollkostenstundensatz
Der Zuschlag wird sich in einer Spanne von mindestens 50 bis 80 % mit Bezug auf den Kalkulationslohn bewegen. Hervorgehoben ist, dass der Verrechnungslohn nur als Durchschnittswert fungieren kann. In gewissen Abständen sollte er überprüft, neu berechnet oder besser noch auftragsbezogen vorbestimmt werden.
Gründe können dafür sein:
  • Änderung der Kostenstruktur im Unternehmen (ggf. im Ergebnis von Nachkalkulationen sichtbar werdend),
  • Änderung der Tarife und der fakturierfähigen Arbeitszeit,
  • Änderung der personellen Zusammensetzung in der Beschäftigung,
  • Wandel des Bauleistungsprofils, beispielsweise zwischen Hochbau und Tiefbau, Rohbau und Ausbau u. a.,
  • Durchführung von Investitionen u. a.
Im weiteren Sinne ist die Aussage zum Verrechnungslohn mit der Berechnung bzw. Kalkulation eines Preises für Stundenlohnarbeiten (nach § 15 in der VOB, Teil B) vergleichbar.
Der Vollkostenstundensatz kann auch als Grundlage für die Zuschlagskalkulation zur Erarbeitung eines Angebots herangezogen werden. Dann wird allgemein von der "Zuschlagskalkulation mit Vollkostenstundensatz" bzw. Vollkostenstundensatzkalkulation gesprochen. Die Baupreisermittlung ist danach einfach und schnell möglich. Sie wird in der Baupraxis meistens von kleineren Bauunternehmen und Bauhandwerksbetrieben sowie im Ausbaugewerbe bevorzugt.
Der Ausweis zu den Kalkulationsgrundlagen erfolgt danach auch im ergänzenden Formblatt Preise (EFB-Preis) 221 nach Vergabe- und Vertragshandbuch (VHB-Bund, Ausgabe 2017). Dann erscheinen aber im Abschnitt 2 des Formblatts 221 nur Zuschlagsätze für die Spalte der Kostenart "Lohn". Der sich danach ergebende Verrechnungslohn in Zeile 1.6 entspricht dem Vollkostenstundensatz.
Die Vollkostenstundensatzkalkulation ist zwar grober in der Wahl der vorbestimmten Zuschläge, muss aber deshalb nicht von vornherein ungenauer sein.
Der Vollkostenstundensatz bezieht sich jeweils auf die eigene Bauleistung. Darüber hinaus kann auf die in einem Angebot mit einbezogenen Leistungen von Nachunternehmern ebenfalls ein Zuschlag (meistens in der Höhe von 8 bis 13 %) in der Kalkulation berücksichtigt werden.

Beispiel zu Vollkostenstundensatz

Berechnungsbeispiel mit nextbau

Die folgende Übersicht veranschaulicht ein Berechnungsbeispiel als Bildschirmmaske, wie sie in der Kalkulationssoftware nextbau verwendet wird. Die Zuschläge für die BGK, AGK sowie W&G sind betriebsspezifisch vorzubestimmen. Ersichtlich ist daraus, wie sich die Zuschläge der Höhe nach zwischen den unterschiedlichen Varianten der Zuschlagskalkulation unterscheiden.

Bild: Kalkulation mit vorbestimmten Zuschlägen
Quelle: Schiller/Kloß: Handbuch Praktische Baukalkulation, f:data Weimar/Dresden 2012, S. 56

Baunachrichten zu Vollkostenstundensatz

Bautarife und Arbeitskosten sowie deren Vergütung in Preisen -Ab 1.Mai 2013 gilt ein neuer Tarifabschluss. Im Osten steigen die Tariflöhne um 4 % und im Westen um 3,2 %. Und der Mindestlohn (Lohngruppe 1) beträgt ab 1.1.2017 bundesgleich 11,30 €/h. Momentan gelten für die LG 1 in Ost 10,25 €/h und 11,05 €/h in West. Diese Kluft wird verschwinden. Geordnete Wettbewerbsverhältnisse auf den deutschen Baustellen sind in Sicht. Eine gemeinsame Lohnuntergrenze fördert den fairen Wettbewerb am Bau. Unter dem Vorbehalt, dass der Mindestlohn für alle gilt und nicht nur auf dem Papier steht.
Ab 1.Mai 2013 gilt ein neuer Tarifabschluss. Im Osten steigen die Tariflöhne um 4 % und im Westen um 3,2 %. Und der Mindestlohn (Lohngruppe 1) beträgt ab 1.1.2017 bundesgleich 11,30 €/h. Momentan gelten für die LG 1 in Ost 10,25 €/h und 11,05 €/h in West. Diese Kluft wird verschwinden. Geordnete Wettbewerbsverhältnisse auf den deutschen Baustellen sind in Sicht. Eine gemeinsame Lohnuntergrenze fördert den fairen Wettbewerb am Bau. Unter dem Vorbehalt, dass der Mindestlohn für alle gilt und nicht nur auf dem Papier steht.
Kalkulation mit vorbestimmten Zuschlägen - 04.11.2011 Der Form nach ist die Angebotskalkulation meistens eine Zuschlagskalkulation, bei der die Einzelkosten (EKT) direkt ermittelt und die Gemeinkosten sowie W&G mit vorbestimmten Zuschlägen zug
04.11.2011 Der Form nach ist die Angebotskalkulation meistens eine Zuschlagskalkulation, bei der die Einzelkosten (EKT) direkt ermittelt und die Gemeinkosten sowie W&G mit vorbestimmten Zuschlägen zug...
Lohnkosten und Stundenpreise - die Facetten der Löhne im Angebot -Die Löhne sind neben den Baustoffen der Kostenfaktor am Bau. Sie steigen derzeit nicht so stark wie die Baustoffpreise. Aber sie sind sehr differenziert, facettenreich und von politischer Brisanz. Arbeitnehmer-Entsendegesetz, Mindestlöhne, Tarifrunden und der Baustreik 2007 sind ein Zeichen hierfür. Löhne sind regional und für die Berufsgruppen am Bau verschieden. Dies beginnt schon mit den Bruttolöhnen der Arbeitnehmer. Diese werden als Arbeiterlöhne oder Mittellöhne kalkuliert. In der Tarifrunde-Bau 2007 wurden die Tariflöhne ab 1.6.07 um 3,1 % und weiteren 1,5 % ab 1.4.08 erhöht. Geltend bei tariflicher Bindung. Oft wird auch außertariflich entlohnt. Mehr in Richtung Mindestlohn als übertariflich. Die offiziellen Arbeiterlöhne im Baugewerbe streuen in Deutschland von ca. 9 bis 16 €/ h. Der Ausbau kann die Streubreite noch erweitern, wie folgender Vergleich von Mindestlöhnen zeigt.
Die Löhne sind neben den Baustoffen der Kostenfaktor am Bau. Sie steigen derzeit nicht so stark wie die Baustoffpreise. Aber sie sind sehr differenziert, facettenreich und von politischer Brisanz. Arbeitnehmer-Entsendegesetz, Mindestlöhne, Tarifrunden und der Baustreik 2007 sind ein Zeichen hierfür. Löhne sind regional und für die Berufsgruppen am Bau verschieden. Dies beginnt schon mit den Bruttolöhnen der Arbeitnehmer. Diese werden als Arbeiterlöhne oder Mittellöhne kalkuliert. In der Tarifrunde-Bau 2007 wurden die Tariflöhne ab 1.6.07 um 3,1 % und weiteren 1,5 % ab 1.4.08 erhöht. Geltend bei tariflicher Bindung. Oft wird auch außertariflich entlohnt. Mehr in Richtung Mindestlohn als übertariflich. Die offiziellen Arbeiterlöhne im Baugewerbe streuen in Deutschland von ca. 9 bis 16 €/ h. Der Ausbau kann die Streubreite noch erweitern, wie folgender Vergleich von Mindestlöhnen zeigt.
Baufachliche Vernetzung von kalkulatorischen Excel-Vorlagen in bauprofessor... -Unsere Welt ist ständig in Bewegung. Auch wenn es ums Geld geht. Global und brisant sind es die Währungen infolge wechselnder Leistungskraft und Schulden von Staaten. Stabile Zustände fordern ein Gleichgewicht. Fortdauern wird kompensiert. Ein ständiger Prozess von Anpassungen. Aber wie geschieht es? Welche Gleichgewicht bildenden Variablen sind womit vernetzt?
Unsere Welt ist ständig in Bewegung. Auch wenn es ums Geld geht. Global und brisant sind es die Währungen infolge wechselnder Leistungskraft und Schulden von Staaten. Stabile Zustände fordern ein Gleichgewicht. Fortdauern wird kompensiert. Ein ständiger Prozess von Anpassungen. Aber wie geschieht es? Welche Gleichgewicht bildenden Variablen sind womit vernetzt?
Angebot und Nachtrag - Baupreis und EFB-Preis! -Hauptangebote werden immer häufiger durch Nachträge "subventioniert". Billige Angebote können auch deshalb teuer werden. Die tatsächlichen Baukosten entstehen nicht im Soll, sondern im Ist und werden in der Summe von Angebot und Nachträgen bestimmt. Bauherren leiden darunter und Bauunternehmen freuen sich darüber. Nach HOAI können Architekten sogar mit höheren Honoraren davon profitieren. Infolge der im Angebot beschriebenen Baupreise wird ein Bausoll vertraglich festgelegt. Änderungen und Abweichungen vom Bausoll treten bei einem Einheitspreisvertrag regelmäßig auf und sind dann das tägliche Brot von Juristen. Für den Auftragnehmer ergeben sich meistens Ansprüche auf Nachträge als "Nachforderungen" und "Vergütungsanpassungen" entsprechend VOB Teil B §2.
Hauptangebote werden immer häufiger durch Nachträge "subventioniert". Billige Angebote können auch deshalb teuer werden. Die tatsächlichen Baukosten entstehen nicht im Soll, sondern im Ist und werden in der Summe von Angebot und Nachträgen bestimmt. Bauherren leiden darunter und Bauunternehmen freuen sich darüber. Nach HOAI können Architekten sogar mit höheren Honoraren davon profitieren. Infolge der im Angebot beschriebenen Baupreise wird ein Bausoll vertraglich festgelegt. Änderungen und Abweichungen vom Bausoll treten bei einem Einheitspreisvertrag regelmäßig auf und sind dann das tägliche Brot von Juristen. Für den Auftragnehmer ergeben sich meistens Ansprüche auf Nachträge als "Nachforderungen" und "Vergütungsanpassungen" entsprechend VOB Teil B §2.

Begriffs-Erläuterungen zu Vollkostenstundensatz

Stundenlohnarbeiten in einem Leistungsverzeichnis (LV) ausgeschrieben, bedeuten sie meistens sehr individuelle Kalkulationsfälle, beispielsweise als Kalkulation fester Stundenverrechnungssätze als Gr ...
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Der Verrechnungslohn stellt praktisch den Betriebsmittellohn dar, der gewöhnlich auch als"Vollkostenstundensatz"bezeichnet wird, wenn die gesamten Gemeinkosten nicht noch über andere Kostenarten...

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