Wagnis und Gewinn (W&G)

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Wagnis und Gewinn (W&G)

Wagnis und Gewinn in der Baukalkulation sind dem Grunde nach "keine zwei selbstständigen, voneinander unabhängigen Begriffe", wie im "Leitfaden zur Vergütung bei Nachträgen - aktualisierte Fassung: April 2016" im Vergabe- und Vertragshandbuch (VHB-Bund - Ausgabe 2008, Stand: April 2016) unter Tz. 4.8 ausgeführt, sondern es handelt sich "kalkulatorisch um den Gewinn und Wagnis umfassenden Gewinnzuschlag". Je nachdem, in welchem Maße ein Wagnis eintritt, wird es letztlich den Gewinn vergrößern oder verringern.
Anzunehmen ist, dass in der Baupraxis und bei Softwarelösungen weiterhin Wagnis und Gewinn - mit der Kurzbezeichnung "W&G" - als Preisbestandteil zusammengefasst herangezogen werden, zumal auch in den ergänzenden Formblättern Preise (EFB-Preis) 221 (Pos. 2.3) und 222 (Pos. 3.3) nach VHB-Bund (Stand: April 2016) die Aussagen als Einheit von "Wagnis und Gewinn" gefordert werden.
Wagnis und Gewinn werden in der Regel zusammengefasst in einem prozentualen Zuschlagssatz vorbestimmt bzw. festgelegt. Nicht nur in der Kalkulation, sondern auch im Rahmen der Kosten- und Leistungsrechnung (KLR) und speziell der Baustellenabrechnung wird zur Verrechnung meistens ebenfalls ein Planzuschlagssatz auf vorher bestimmte Bezugsgrößen für W&G verwendet.
Ein Ansatz für W&G kann vorbestimmt werden:
Werden zum Angebot die EFB-Preisblätter verlangt, dann sind Aussagen als vorbestimmte Zuschläge für W&G zu treffen bei der:
  • Zuschlagskalkulation im Formblatt 221 unter Pos. 2.3 als Prozentsätze mit Bezug auf die Einzelkosten (EKT) bzw. deren Kostenarten und demgegenüber
  • Endsummenkalkulation im Formblatt 222 unter Pos. 3.3 in absoluter Höhe für den betreffenden Bauauftrag sowie anschließend als Bestandteil einer Umlage.
Da bei der Kalkulation zunächst nicht die Angebotssumme bekannt ist, muss eine Umrechnung des Prozentsatzes für Wagnis und Gewinn auf die gewählte Bezugsbasis für die Kalkulation wie im folgenden Beispiel erfolgen, bei der Endsummenkalkulation auf Basis Herstellkosten oder Selbstkosten.
Beispiel zur Umrechnung für die Angebotskalkulation:
Kalkulierte Angebotssumme  =  100.000 €   
Anteil W&G an der Angebotssumme  =  5.000 €  =  5,00 %  von Angebotssumme 
Kalkulierte Selbstkosten   =  95.000 €  =  95,00 %  von Angebotssumme 
 
Zuschlag für W&G auf Basis Selbstkosten  
Umrechnung: (5 x 100) : (100 - 5)   =  5,263 %  von Selbstkosten 
 
  =  5.000 €  = Anteil W&G  
Im Fall von 5,263 % wird dann meistens von einem "kostenbezogenen" Zuschlagsatz, demgegenüber bei 5,00 % von einem "umsatzabhängigen" Zuschlagsatz gesprochen.
Im Allgemeinen wird sich der Satz für W&G insgesamt in der Spanne von 5 bis 8 % der Angebotssumme (ohne Umsatzsteuer) bewegen und je Bauauftrag variieren bzw. unterschiedlich hoch festgelegt werden. Ein ggf. wesentlich höherer Ansatz kann beim Bauhandwerksmeister als Einzelunternehmer zu vertreten sein, wenn kein kalkulatorischer Unternehmerlohn in den Allgemeinen Geschäftskosten (AGK) bei der Preiskalkulation Berücksichtigung findet.
Wird durch den Bieter kein Ansatz für W&G oder ein Prozentsatz von Null in der Angebotskalkulation und Abgabe des Angebots angegeben, muss dies durchaus kein unwirtschaftliches Angebot sein. Der Bieter kann beispielsweise besonders günstige Möglichkeiten des Einkaufs von Baustoffen, Anmietung von Baumaschinen und Geräten u. a. effektiv nutzen, wonach ein in Bezug auf sein Unternehmen wirtschaftliches Angebot vorliegt. Dann ist auch durch die Vergabestelle mit Bezug auf die Richtlinie zum Formblatt 321 - Prüfungs- und Wertungsübersicht - im VHB-Bund (Stand: April 2016), Tz. 5.1.2.3 keine weitere Aufklärung erforderlich bzw. zu verlangen. Derartige Angebote bleiben in der Wertung, wenn der Bieter die Wirtschaftlichkeit seines Angebots nachvollziehbar belegen kann. Die Wirtschaftlichkeit eines solchen Angebots erfordert nicht unbedingt einen Ansatz für W&G.
Es kann aber auch eine Aufgliederung nach den Anteilen für Wagnis und Gewinn erfolgen und ggf. in den „Erläuterungen“ am Ende des Formblatts Preise 221 nach VHB-Bund (Stand: April 2016) mit angegeben werden. Von Wichtigkeit kann dies sein, wenn in der Bauausführung Mengenminderungen nach VOB, Teil B § 2 Abs. 3 Nr. 3 auftreten oder Leistungspositionen nicht zur Ausführung (Null-Positionen) kommen und daraus ableitend Nachtragsforderungen sowie Ansprüche daraus auf entgangenen Gewinn durch den Auftragnehmer gestellt werden. Wird keine Aufteilung vorgesehen, kann allgemein angenommen werden, dass der Zuschlag für Wagnis und Gewinn sich gleichmäßig auf beide Faktoren aufteilt, d. h. 50 v. H. Wagnis und 50 v. H. Gewinn, sofern der Auftragnehmer keine andere Aufteilung der beiden Faktoren nachweist.
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Normen und Richtlinien zu Wagnis und Gewinn (W&G)

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Ausschreibungstexte zu Wagnis und Gewinn (W&G)

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Baunachrichten zu Wagnis und Gewinn (W&G)

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Begriffs-Erläuterungen zu Wagnis und Gewinn (W&G)

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