Waren-/Materialeinsatz bei Richtsätzen

Waren-/Materialeinsatz bei Richtsätzen

Gewinn und Umsatz können von der Finanzverwaltung für die Besteuerung geschätzt werden, wenn geeignete Unterlagen nicht aussagefähig vorgelegt werden oder nicht verfügbar sind. Das betrifft vorrangig kleine Baubetriebe, Bauhandwerksbetriebe als Einzelunternehmen, Personengesellschaften und selbstständige Bauhandwerker, für die ggf. die Gewinnermittlung auf Grundlage einer Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) erfolgt. Für die Schätzung ist dann eine Gewinnverprobung nach Richtsätzen heranzuziehen. Grundlagen liefern die jährlich vom Bundesministerium der Finanzen vorgelegten Rohgewinn-Richtsätze, zuletzt als "Richtsatzsammlung für das Kalenderjahr 2016 vom 8. Juni 2017 (veröffentlicht im Bundessteuerblatt Teil I).
Die Richtsätze werden differenziert nach Gewerbeklassen vorgegeben. Für welche Gewerbeklassen im Baugewerbe Richtsätze in der Richtsatzsammlung des Finanzministeriums ausgewiesen werden, ist unter Richtsatzsammlung zur Besteuerung im Bauhandwerk aufgeführt, zugleich mit zahlen- bzw- wertmäßigen Aussagen in % von der Bezugsgröße des wirtschaftlichen Umsatzes, beispielsweise für Bauunternehmen (mit Materiallieferung), Garten- und Landschaftsbau, Gerüstbau unter Rohgewinn-Richtsätze.
Für das Tischler- und Schreinerhandwerk wird über wertmäßige Ansätze unter Gewinnverprobung nach Richtsätzen, zu Dachdeckereien unter Reingewinn, zur Zimmerei unter Rohgewinn sowie für das Handwerk der Heizung-, Gas- und Wasserinstallation unter Halbreingewinn ausgesagt.
Für die Gewerbeklassen erfolgt eine Unterteilung der Richtsätze nach unterschiedlicher Höhe des wirtschaftlichen Umsatzes mit Ausweis jeweils in % des wirtschaftlichen Umsatzes für den Rohgewinn, Halbreingewinn und Reingewinn.
Die Verprobung als Schätzung zu Umsatz und Gewinn des Baubetriebs setzt zunächst voraus, dass die Aussagen an den Aufbau der Richtsätze anzupassen bzw. zu "normalisieren" und vergleichbar zu machen sind. Das betrifft vor allem dann die normalisierten Aussagen zum Waren- und Materialeinsatz.
Anzusetzen sind als Waren- und Materialeinsatz im Sinne der Richtsätze:
  • die steuerlichen Anschaffungskosten für den Waren- und Materialeinsatz - ohne abziehbare Vorsteuer-, jedoch mit Abzug von unentgeltlichen Wertabgaben und Leistungen an das Personal sowie für eigenbetriebliche Zwecke,
  • Nebenkosten bis zur Einlagerung einschließlich von Frachtkosten, Transportversicherungen, von Umlagerungen,
  • von Dritten ausgeführte Werklieferungen und Leistungen, in Baubetrieben beispielsweise von. Nachunternehmern
Zum Waren- und Materialeinsatz zählen nicht:
  • Betriebsstoffe (z. B. Energie- und Brennstoffe),
  • Gebühren, z. B. für Sperrungen, Ablagerungen auf Kippen u. a.,
  • außergewöhnliche Teilwertabschreibungen.
Sollten bereits vom Unternehmer Anzahlungen für einen Waren- und Materialeinsatz erfolgt sein oder Schulden gegenüber Lieferanten vorliegen, dann sind sie mit den Nettowerten, d. h. ohne abziehbare Vorsteuer anzusetzen.
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