Wertung von Angeboten

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Wertung von Angeboten

Für öffentliche Bauaufträge ist vor der Vergabe bzw. einem Zuschlag eine Wertung der von den Bietern eingereichten Angebote vorzunehmen. Grundlage liefern die Bestimmungen:
  • in der VOB/A für nationale Ausschreibungen und Vergaben im Unterschwellenbereich nach § 16 d im Abschnitt 1 (Basisparagrafen) sowie bei EU-weiten Ausschreibungen bei Erreichen der Schwellenwerte analog nach § 16 d EU im Abschnitt 2 sowie für verteidigungs- und sicherheitsspezifische Baumaßnahmen nach § 16 d VS in VOB/A,
  • in den Vergabehandbüchern für:
    • Bauaufträge zum Hochbau nach VHB-Bund (Ausgabe 2017) in der Richtlinie 321 unter Tz. 5,
    • Baumaßnahmen im Brücken- und Straßenbau nach HVA B-StB im Teil 2 unter Tz. 2.4.
Zunächst sind die eingegangenen Angebote als formale Prüfung der Angebote rechnerisch, technisch und wirtschaftlich sowie hinsichtlich der Eignung von Bietern nach Fachkunde, Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit bezüglich der konkret geforderten Leistung zu prüfen.
Bei der anschließenden Wertung ist zu untersuchen, ob das Angebot:
  • in sich schlüssig ist, d. h. im Kostenaufbau und im Verhältnis der Einheitspreise (EP) zueinander eine sachgerechte Kalkulation erkennen lässt,
  • wesentlich von anderen Angeboten abweicht, jedoch unter Berücksichtigung von möglichen Kostenunterschieden aufgrund von verschieden gewählten Bauausführungsverfahren, z. B. Unterschieden zwischen lohn- und gerätekostenintensiven Ausführungen, Verwendung vorgefertigter Bauteile oder einer örtlichen Fertigung u. a., wobei die gewählte Ausführung auch technisch möglich und vertraglich geeignet sein muss.
Die Angemessenheit der Einheitspreise für die Teilleistungen als Positionen im Leistungsverzeichnis (LV) sollten grundsätzlich nicht für sich, sondern im Rahmen der Angebotssumme beurteilt werden. Ist jedoch erkennbar, dass die EP unangemessen sind, so kann daraus ggf. eine sachgerechte Preiskalkulation angezweifelt werden. In solchen Fällen ist es notwendig, die abgeforderten ergänzenden Formblätter Preise (EFB- Preis) 221 bis 223 oder die vorgelegte Urkalkulation zu den ausgewiesenen Kalkulationsansätzen gesondert auszuwerten. Als Schwerpunkte sind dabei die auftragsbezogenen Zeitansätze für die Einheiten der Leistungsmengen, der Kalkulationslohn, die Preisansätze für die wichtigsten Baustoffe und die Ansätze für die vorberechneten Zuschläge bzw. Umlagen zu den Gemeinkosten zu betrachten. Als angemessen wären sie zu werten, wenn sie sich im wirtschaftlich vertretbaren Rahmen halten. Fehlt ein Ansatz für Wagnis und Gewinn (W&G), so ist keine Aufklärung erforderlich. Wenn die Angebotspreise extrem niedrig sind oder sogar eine Mischkalkulation zu vermuten ist, kann der Auftraggeber vom Bieter Aufklärung über die Kalkulation und deren Ansätze verlangen.
Als Hilfsmittel kann ein Preisspiegel zum Vergleich zwischen verschiedenen Angeboten angelegt werden und dem Ausweis einer Reihenfolge nach der Höhe der geprüften Angebotssummen und dem Ausweis der in die engere Wahl kommenden Angebote. Verglichen werden sollten auch die Kostenansätze für die Eigenleistung und Nachunternehmerleistungen sowie die Gesamtstundenzahl und der Verrechnungslohn bei den in die engere Wahl kommenden Angeboten. In die engere Wahl können nur solche Angebote kommen, die unter Berücksichtigung einer rationellen Bauausführung und sparsamen Wirtschaftsführung eine einwandfreie Ausführung einschließlich Sicherung der Qualität und Haftung für Mängelansprüche erwarten lassen.
In den Mittelpunkt ist vor allem die wirtschaftliche Wertung der Angebote zu stellen bzw. das wirtschaftlichste Angebot zu ermitteln, auf das der Zuschlag zu erteilen ist. Der niedrigste Angebotspreis allein soll dafür nicht entscheidend sein. Vom Auftraggeber sollten dabei vorrangig die von ihm in der Ausschreibung oder in den Vergabeunterlagen bekannt gemachten Wertungskriterien für Angebote zur Feststellung des wirtschaftlichsten Angebots herangezogen werden, so beispielsweise Preis, technischer Wert, rationelle Bauausführung, Umwelteigenschaften, Ausführungsfristen u. a. Die Kriterien dürfen nicht diskriminierend sein. Im Formblatt 227 im VHB-Bund (Ausgabe 2017) werden zu den angeführten Zuschlagskriterien Hinweise für eine Gewichtung von Wertungskriterien gegeben.
Bei Baumaßnahmen im Straßen- und Brückenbau sind die spezifischen Regelungen zu den Zuschlagskriterien, deren Wichtung sowie zur Prüfung und Wertung von Angeboten im HVA B-StB im Teil 1 (Tz. 1.1, Nr. 9 -13) und Teil 2 unter Tz. 2.4 (Nr. 48 - 56) zu berücksichtigen.
Nebenangebote sind in die Wertung mit einzubeziehen, wenn deren Abgabe nicht ausgeschlossen wurde. Ebenso sind Preisnachlässe mitzuwerten, sofern sie vom Bieter nicht an Bedingungen geknüpft werden, z. B. in Kombination mit einer Bedingung für die Zahlungsfrist bei Gewährung eines Skontos u. a.
Bietergemeinschaften sind bei der Wertung den Einzelbietern gleichzusetzen. Sie haben jedoch die beteiligten Mitglieder bzw. Bauunternehmen und aus diesen einen bevollmächtigten Vertreter für den möglichen Abschluss eines Vertrages zu benennen.
Das Werten der Angebote einschließlich geänderter und zusätzlicher Leistungen sowie der Angemessenheit der Preise zählt zu den vom Planer zu erfüllenden Grundleistungen nach HOAI, aufgeführt beispielsweise im Leistungsbild „Gebäude und Innenräume“ nach Anlage 10 in der Leistungsphase 6 – Mitwirkung bei der Vergabe - nach der HOAI-2013. Als Besondere Leistung nach HOAI sind Nebenangebote zu prüfen und zu werten, und zwar im Hinblick auf Auswirkungen auf die abgestimmte Planung.

Normen und Richtlinien zu Wertung von Angeboten

DIN 1960 [2016-09]Auszuschließen sind 1. Angebote, die bei Ablauf der Angebotsfrist nicht vorgelegen haben, ausgenommen Angebote nach§ 14 EUAbsatz 5, 2. Angebote, die den Bestimmungen des§ 13 ...
DIN 1960 [2016-09](1) Auszuschließen sind: 1. Angebote, die bei Ablauf der Angebotsfrist nicht vorgelegen haben, ausgenommen Angebote nachAbsatz 5 bzw. Absatz 6, 2. Angebote, die den Bestimmungen ...
DIN 1960 [2016-09](1) 1. Auf ein Angebot mit einem unangemessen hohen oder niedrigen Preis darf der Zuschlag nicht erteilt werden. 2. Erscheint ein Angebotspreis unangemessen niedrig und ist anhand ...
[2016-09] VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil A: Allgemeine Bestimmungen für die Vergabe von Bauleistungen
DIN 1960 [2016-09]Fehlen geforderte Erklärungen oder Nachweise und wird das Angebot nicht entsprechendAbsatz 1 oder 2 ausgeschlossen, verlangt der Auftraggeber die fehlenden Erklärungen oder Nachw...

Baunachrichten zu Wertung von Angeboten

Kalkulation und Ethik - Fairplay bei Angeboten und Nachträgen -Der brutale Wettbewerb in der Bauwirtschaft der letzten Jahre war auch verbunden mit einem Werteverfall bei der Kalkulationsarbeit für die Angebote. Submissions-Spannen von 100 bis 280 % belegen dies. Ein Verfall der Sitten und Gebräuche wird beklagt. Wo man früher zweimal im Jahr den Rechtsanwalt konsultierte, beschäftigt man jetzt 2 Rechtsanwälte im Jahr. Die Partner am Bau liegen oft im Streit.
Der brutale Wettbewerb in der Bauwirtschaft der letzten Jahre war auch verbunden mit einem Werteverfall bei der Kalkulationsarbeit für die Angebote. Submissions-Spannen von 100 bis 280 % belegen dies. Ein Verfall der Sitten und Gebräuche wird beklagt. Wo man früher zweimal im Jahr den Rechtsanwalt konsultierte, beschäftigt man jetzt 2 Rechtsanwälte im Jahr. Die Partner am Bau liegen oft im Streit.
Angebot und Nachtrag - Baupreis und EFB-Preis! -Hauptangebote werden immer häufiger durch Nachträge "subventioniert". Billige Angebote können auch deshalb teuer werden. Die tatsächlichen Baukosten entstehen nicht im Soll, sondern im Ist und werden in der Summe von Angebot und Nachträgen bestimmt. Bauherren leiden darunter und Bauunternehmen freuen sich darüber. Nach HOAI können Architekten sogar mit höheren Honoraren davon profitieren. Infolge der im Angebot beschriebenen Baupreise wird ein Bausoll vertraglich festgelegt. Änderungen und Abweichungen vom Bausoll treten bei einem Einheitspreisvertrag regelmäßig auf und sind dann das tägliche Brot von Juristen. Für den Auftragnehmer ergeben sich meistens Ansprüche auf Nachträge als "Nachforderungen" und "Vergütungsanpassungen" entsprechend VOB Teil B §2.
Hauptangebote werden immer häufiger durch Nachträge "subventioniert". Billige Angebote können auch deshalb teuer werden. Die tatsächlichen Baukosten entstehen nicht im Soll, sondern im Ist und werden in der Summe von Angebot und Nachträgen bestimmt. Bauherren leiden darunter und Bauunternehmen freuen sich darüber. Nach HOAI können Architekten sogar mit höheren Honoraren davon profitieren. Infolge der im Angebot beschriebenen Baupreise wird ein Bausoll vertraglich festgelegt. Änderungen und Abweichungen vom Bausoll treten bei einem Einheitspreisvertrag regelmäßig auf und sind dann das tägliche Brot von Juristen. Für den Auftragnehmer ergeben sich meistens Ansprüche auf Nachträge als "Nachforderungen" und "Vergütungsanpassungen" entsprechend VOB Teil B §2.
EFB-Preise leicht gemacht - 02.09.2011 Nicht oder verspätet vorgelegte Formblätter Preise (EFB-Preise) können zum Ausschluss des Angebots bzw. zur Nichtberücksichtigung nach VOB/A führen...
02.09.2011 Nicht oder verspätet vorgelegte Formblätter Preise (EFB-Preise) können zum Ausschluss des Angebots bzw. zur Nichtberücksichtigung nach VOB/A führen...
Niedrigpreisangebot und Spekulationspreise - Kampfpreis oder Mischkalkulati... -Erst kalkulieren, dann spekulieren. Spekulation (von lat. speculari: spähen, beobachten) ist wohlüberlegtes Handeln mit Chancen und Risiken. Im Gegensatz zu "Zocken" oder "Wetten" ohne Kostenkenntnis. Auch die am Bau Beteiligten beobachten den Markt. Baupreise sind Marktpreise. Geprägt durch die Kosten und der Marktanpassung. Und derzeit gehen die Baupreise nach oben.
Erst kalkulieren, dann spekulieren. Spekulation (von lat. speculari: spähen, beobachten) ist wohlüberlegtes Handeln mit Chancen und Risiken. Im Gegensatz zu "Zocken" oder "Wetten" ohne Kostenkenntnis. Auch die am Bau Beteiligten beobachten den Markt. Baupreise sind Marktpreise. Geprägt durch die Kosten und der Marktanpassung. Und derzeit gehen die Baupreise nach oben.
Dynamische Auswertung von Baupreiserfahrungen mit STLB-Bau -Nach Aristoteles ist die „Erfahrung der Anfang aller Kunst und jedes Wissens“. Das Wissen und die Erfahrung zu Baupreisen ist allerdings ein dynamisches Phänomen. Die Baupreise dienen der Vergütung von vereinbarten Bauleistungen. Dabei handeln Menschen hinter dem Schleier des Geldes. Es sind verborgene Beziehungen zwischen Auftraggeber und -nehmer, die konkret von wechselnden Umfeldern abhängen. Baupreise sind gebunden an die Art und den Umfang der Bauleistungen. Sie sind abhängig vom Ausführungszeitraum, der Örtlichkeit der Baustelle und der Region. Baupreise sind bezogen auf die Beschreibung der Leistung. So sind die Ausschreibung der Baustelleneinrichtung und der Inhalt der Leistungspositionen zu beachten. Einzelne Baupreise reifen auch im Leistungsverzeichnis als Ganzes.
Nach Aristoteles ist die „Erfahrung der Anfang aller Kunst und jedes Wissens“. Das Wissen und die Erfahrung zu Baupreisen ist allerdings ein dynamisches Phänomen. Die Baupreise dienen der Vergütung von vereinbarten Bauleistungen. Dabei handeln Menschen hinter dem Schleier des Geldes. Es sind verborgene Beziehungen zwischen Auftraggeber und -nehmer, die konkret von wechselnden Umfeldern abhängen. Baupreise sind gebunden an die Art und den Umfang der Bauleistungen. Sie sind abhängig vom Ausführungszeitraum, der Örtlichkeit der Baustelle und der Region. Baupreise sind bezogen auf die Beschreibung der Leistung. So sind die Ausschreibung der Baustelleneinrichtung und der Inhalt der Leistungspositionen zu beachten. Einzelne Baupreise reifen auch im Leistungsverzeichnis als Ganzes.

Begriffs-Erläuterungen zu Wertung von Angeboten

Ein Nebenangebot kann ein Hauptangebot ergänzen. Bevor ein Zuschlag auf das Hauptangebot der bzw. Bewerber erteilt wird, sind auch die Nebenangebote zu prüfen und werten. Füröffentliche Bauaufträge...
Die Prüfung und Wertung von Angeboten sollte grundsätzlich vor Erteilung eines Zuschlags erfolgen. öffentliche Bauaufträge leitet sich diese Aufgabe ab aus den Regelungen in: VOB Teil A für nationale ...
Zu Ausschreibungen eingegangene Angebote sind vom Bauherrn bzw. Auftraggeber zunächst zu werten. Handelt es sich dabei um Angebote zu Ausschreibungen und Vergaben für öffentliche Bauaufträge , dann w ...
Zur Beurteilung von Angeboten mit dem Ziel, den Zuschlag auf das wirtschaftlichste Angebot zu erteilen, bedarf es zunächst der eingehenden Angebotswertung . Zu bewerten ist bei öffentlichen Bauaufträ ...

Verwandte Suchbegriffe zu Wertung von Angeboten


 
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