Investition/Finanzierung des Baubetriebs

Abzinsung

Bei der Abzinsung (Diskontierung) wird berechnet, wie viel heute ein Geldbetrag wert ist, wenn er zu einem früheren Zeitpunkt angelegt worden wäre.
Der Abzinsungsfaktor beträgt:
q-1 = (1 + i)-n = [ 1 : (1 + i)n ]
mit:
  • i = Zinssatz
  • n = Jahre
Beispiel:
Ein Investor benötigt in 5 Jahren 100.000 €. Das Kreditinstitut zahlt 3,0 % Zinsen für die längerfristige Anlage. Welchen Betrag muss der Investor heute anlegen?
Berechnung:
K = 100.000 € x 0,862609 = 86.261 €
Abzinsungsfaktoren werden in der Finanz-Literatur in Tabellen für unterschiedliche Zinssätze ausgewiesen.
Die Ab- wie auch die Aufzinsung als Formen der Zinseszinsrechnung spielen eine wichtige Rolle bei den dynamischen Investitionsrechnungen. Grundlage der Berechnung bilden der Zu- und Abfluss von Zahlungsmittelbeständen während des Zeitraums der gesamten Nutzungs- bzw. Lebensdauer einer Investition, d.h. eine Zahlungsreihe für die zu beurteilende Investition.
Eine Abzinsung ist auch bei der Bildung von Rückstellungen vorzunehmen, wenn deren Restlaufzeit mehr als ein Jahr betragen wird. Das kann in einem Bauunternehmen Rückstellungen für Mängelansprüche, für Pensionen und vergleichbar langfristig fällige Verpflichtungen betreffen. Zu unterscheiden ist zunächst nach handelsrechtlicher und steuerrechtlicher Bewertung der Rückstellungen. Für die handelsrechtliche Betrachtung gelten die Regelungen nach § 253 Abs. 2 im Handelsgesetzbuch (HGB) sowie der daraufhin erlassenen Rückstellungabzinsungsverordnung (RückAbzinsV), die seit 26. November 2009 in Kraft ist, ab.
Für die handelsrechtliche Abzinsung von Rückstellungen zum Jahresabschluss sind die von der Deutschen Bundesbank ermittelten und bekannt gegebenen Abzinsungssätze heranzuziehen. Die Deutsche Bundesbank ermittelt die Abzinsungssätze monatlich zum Stand Monatsende und für die Restlaufzeiten von 1 bis 50 Jahren als Durchschnitt jeweils:
  • der letzten 7 Jahre und
  • der letzten 10 Jahre.
Die zum Stand 31. Dezember 2018 maßgebenden Abzinsungssätze wurden - mit Bezug auf die jeweilige Restlaufzeit langfristiger Rückstellungen unter dem Begriff Abzinsung von Rückstellungen ausgewiesen.
Ein Beispiel zur handelsrechtlichen Abzinsung wird unter Abzinsung einer Mängelansprücherückstellung veranschaulicht.
Steuerrechtlich sind Verpflichtungen aus Rückstellungen mit Bezug auf § 6 Abs. 3 a (e) Einkommensteuergesetz (EStG) mit einem Zinssatz von 5,5 % abzuzinsen, sofern die Laufzeit der Rückstellung nicht weniger als 12 Monate umfasst und sich nicht auf Anzahlungen bzw. Abschlags- und Vorauszahlungen bezieht. Für die Abzinsung von Rückstellungen für Sachleistungsverpflichtungen ist der Zeitraum bis zum Beginn der Erfüllung maßgebend.
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