Leistungsverzeichnis / Leistungsbeschreibung

Ausschreibung und Vergabe an Nachunternehmer

Der General- bzw. Hauptunternehmer als Auftragnehmer des Bauherrn wird seinerseits für die vertragliche Bindung von Nachunternehmern (NU) erforderliche unternehmensspezifische Festlegungen für die Ausschreibung, Auswertung der Angebote einschließlich Vertragsverhandlung und die Vergabe treffen. Wenn klar ist, welche Bauleistungen des Hauptangebotes von NU übernommen werden sollen, wird die Ausschreibung der Nachunternehmerleistungen erfolgen.
Zu beachten sind
  • die Ausschreibungsart des Hauptvertrages als Einheitspreisausschreibung mit Leistungsverzeichnis (LV) und Mengenangabe oder Pauschalpreis mit LV oder funktionaler Leistungsbeschreibung (Leistungsprogramm),
  • die Vollständigkeit der Ausschreibung, dazu gehören alle den Nachunternehmer betreffenden Leistungspositionen, Pläne, Zeichnungen, Geschäfts- und Vertragsbedingungen des General- bzw. Hauptunternehmers,
  • die aufzufordernden Firmen bzw. Nachunternehmer, d. h. mindestens 3 bis 5 Nachunternehmer sollten zur Abgabe eines Angebots aufgefordert werden, um evtl. einen besonders günstigen Preis zu erhalten, und zwar sollte die Aufforderung mit kurzem Anschreiben mit Angabe eines Termins für die Angebotsabgabe erfolgen.
Nach Rücklauf der Angebote sind diese - in der Regel durch den Kalkulator - auf Vollständigkeit und Richtigkeit zu prüfen. Danach wird ein Preisspiegel als Vergabeliste für Nachunternehmerleistungen erstellt:
  • je Vergabe und
  • als direkter Vergleich der Preise für die einzelnen Leistungspositionen der Anbieter und der Angebotssummen. Offensichtliche Fehler oder Ungereimtheiten können meistens telefonisch mit den betroffenen Bietern vorgeklärt werden.
Anschließend wird die Vergabeliste aufgestellt. Sie dient als Grundlage für die Preisverhandlung und Vergabe.
Wichtig dabei ist es, einen Vergleich zwischen
  • dem voraussichtlichen Erlös vom Auftraggeber und
  • der Zielstellung für die Vergabe an den Nachunternehmer anzustellen und die Vergabedifferenz zu ermitteln.
Das Ziel besteht darin, dass der Vergabepreis mindestens die Vergabezielstellung deckt und möglichst eine positive Vergabedifferenz erzielt wird. Beim General- bzw. Hauptunternehmer fallen Kosten im Zusammenhang mit der Vergabe und Ausführung von Bauleistungen durch einen Nachunternehmer als Dritten an, beispielsweise für
  • Leistungs- und Verwaltungskosten für die Vorbereitung der Vergabe,
  • Aufsichtskosten für die Ausführung der Bauleistungen,
  • die Kontrolle der Rechnungslegungen einschließlich Aufmaße, die vom Nachunternehmer vorgelegt werden,
  • die ggf. erforderliche Vorfinanzierung bei Bezahlung von Abschlags- und Schlussrechnungen an den Nachunternehmer, wenn die Weiterberechnung durch den General-/Hauptunternehmer erst später erfolgen kann,
  • die Klärungen und Veranlassungen bei Mängelansprüchen an den Nachunternehmer.
Nach Aufstellung des Preisspiegels und evtl. der Vergabeliste schließt sich die Vertragsverhandlung mit den 2 bis 3 besonders interessanten Bietern an. Als Grundlage wird in der Regel ein Verhandlungsprotokoll im Sinne einer Checkliste herangezogen. Die während der Verhandlung getroffenen Vereinbarungen werden im Protokoll fixiert und von den Verhandlungspersonen unterschrieben. Dabei sollte nicht von vornherein nur das "billigste" Angebot, sondern das wirtschaftlichste bzw. annehmbarste von Bedeutung sein. Sofern im Vorfeld Sondervorschläge des Nachunternehmers noch nicht besprochen und bewertet wurden, sollte dies mit in der Vertragsverhandlung geschehen.
Das gilt gleichermaßen für die Gewährung eines Nachlasses als direkte Reduzierung der Angebotssumme und die Einräumung von Skonto nach § 16 Abs. 5, Nr. 2 VOB/B zu den festzulegenden Zahlungsterminen.
Das Verhandlungsergebnis ist oft ein deklariertes neues Angebot des Bieters, an das er sich für eine festzulegende Frist gebunden hält. Der General- bzw. Hauptunternehmer behält sich seinerseits das Recht vor, das Angebot innerhalb dieser Frist anzunehmen oder abzulehnen. Die Auftragserteilung sollte in diesem Fall durch ein einseitiges Auftragsschreiben vorgenommen werden.
Die Vergabe der Nachunternehmerleistungen kann auch durch Abschluss eines Nachunternehmer-Vertrages erfolgen. Verwendet werden sollten die Musterverträge des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie e.V., die im Schlüsselfertigbau (SF-Bau) empfohlen werden. Sie sind rechtskonform.
Als wichtige Festlegungen sind mit der Vergabe bzw. im Vertrag zu bestimmen:
  • der endgültige Leistungsumfang,
  • Ausführungstermine und Haftung (Vertragsstrafe),
  • Vertragsgestaltung (VOB),
  • Preisvereinbarung (Pauschal- oder Einheitspreisvertrag),
  • Abrechnung, Zahlungen und Sicherheitsleistungen,
  • Vereinbarung von Skonto,
  • Abnahmeform und Gewährleistung (Mängelansprüche).
Mit der Vergabe sollten auch die Beistellungen des General- bzw. Hauptunternehmers in Form der Kostenbeteiligung durch den Nachunternehmer, beispielsweise für die Bereitstellung von Baustrom und Bauwasser, für die Bauleistungsversicherung u.a. geklärt und der Höhe nach festgelegt werden.
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