Baukalkulation / Angebot / Nachträge

Baustellenergebnis-Analyse

Das Baustellenergebnis ist als operatives Ergebnis von analytischem Interesse. Die notwendige Aufbereitung des Zahlenmaterials ist innerhalb der Kosten- und Leistungsrechnung vorzunehmen. Eine ungenügende Gewinnerwirtschaftung wird die Frage nach den Ursachen auslösen, die entweder auf der Leistungs- oder Kostenseite und/oder auf beiden Seiten zugleich vorliegen können.
Aufgabe der Leistungs- und Kostenkontrolle ist es, zunächst die Abweichungen zwischen Soll- und Ist-Gewinnen sichtbar zu machen. Anschließend sollten sie – bei Überschreitung eines vorher festgelegten Toleranzfeldes – nach den einflussnehmenden Faktoren weiter analysiert werden.
Die Übersicht unter "Beispiele" liefert ein mehrstufiges Beispiel für ein hierarchisches Analysemodell.
Die Analyse soll vor allem die quantitativen Wirkungen der Einflussfaktoren sichtbar machen und möglichst weiter nach einzelnen Kostenarten vorgenommen werden. Welche Ergebnisbestandteile und Faktoren vordringlich zu analysieren sind, sollten die konkreten Aufgaben, die jeweilige Situation der Wirtschaftlichkeit und die zu treffenden Entscheidungen maßgeblich bestimmen.
Über eine erhöhte Kosteninanspruchnahme werden die Kostenanalyse wichtiger Kostenarten und die Nachkalkulation weitere Aufschlüsse geben. Als Ursache können auch Mehrkosten auf Grund ungünstigerer Baubedingungen in Frage kommen. In diesem Fall wäre zu prüfen, ob die Mehrkosten als Nachtrag gegenüber dem Auftraggeber geltend gemacht werden können, vor allem dann, wenn die ungünstigen Baubedingungen vom Auftraggeber zu verantworten sind. Bei einer Anerkennung von Mehrkosten durch den Bauherrn würde sich der Ist-Umsatz erhöhen und die Gewinnsituation verbessern.
Eine Ergebnisabweichung für Baustellen bedarf in der Regel einer komplexen analytischen Betrachtung und Ableitung von Maßnahmen, die eine Gewinnerwirtschaftung sichern helfen. Dafür sollten mit den betreffenden Bauleitern Ergebnisdurchsprachen bzw. Rentabilitätsberatungen durchgeführt werden.
Bei der Abweichungsanalyse ist entscheidend, dass der Controller die wahren Gründe findet und sich nicht täuschen lässt, z. B. durch Erklärungen, Rechtfertigungen usw. Er muss sich in der Hauptsache auf vorhandene Daten stützen und aus diesen korrekte Schlüsse ziehen.
Bei negativen Baustellenergebnissen gibt es verschiedene Ursachenkomplexe, die natürlich auch gleichzeitig wirken können und die jeder für sich besondere Aktivitäten für das Controlling bedingen:
  • Fehler in der Kalkulation mit folgenden Analyseschwerpunkten:
    1. Fehler genau herausfinden und Ursachen ergründen,
    2. Bekanntmachen bei Kalkulatoren, Bauleitern und Arbeitsvorbereitern,
    3. Sicherstellung, dass Fehler künftig vermieden werden,
    4. Prüfung, ob der Auftraggeber aus Kulanz evtl. die Mehrkosten ganz oder teilweise übernimmt, z. B. mit einem Nachtrag.
  • Angebot erfolgte nicht mit voller Kostendeckung, daraus ableitend bleibt zu analysieren:
    1. Gründe für das Unterangebot,
    2. Erörterung mit den Verantwortlichem für Kalkulation und Arbeitsvorbereitung.
  • Unzureichende Leistungserbringung als zu niedrige Stundenproduktivität in der Bauausführung mit Ansatzpunkten für die Analyse:
    1. Überprüfung der Arbeitskalkulation,
    2. Überprüfung der Baustelleneinrichtung,
    3. Kontrolle zum terminlichen Bauablauf,
    4. Erkennung von Schwachstellen auf der Baustelle nach Bauabschnitten, Gewerken, Kolonnen, Abrechnung, Organisation, Belieferung von Stoffen sowie von erforderlichen Baumaschinen und Geräten u. a.,
    5. Prüfung, ob die Kolonne auf der Baustelle zu verstärken sowie Polier und ggf. Bauleiter auszutauschen sind,
    6. Ableitung von Maßnahmen und Durchsprache mit den Verantwortlichen,
    7. Überwachung zur Erledigung vorgesehener Maßnahmen.
  • Mangelnde Produktivität auf der Baustelle, die durch Haltungen und Ursachen aus dem Bereich des Auftraggebers resultieren und das Controlling erfordern:
    1. Verlustquellen exakt feststellen und deren Ursachen,
    2. Prüfen, ob
      • erforderliche Bedenken dem Auftraggeber angezeigt wurden,
      • Behinderungen durch den Auftraggeber vorliegen,
      • geänderte oder zusätzliche Leistungen beauftragt wurden, die für die Nachtragsangebote nach § 2 Abs. 5 und 6 VOB/B berechtigt wären,
      • Mengenminderungen oder -mehrungen vorliegen.
    3. Durchsetzung von Ansprüche wie Nachträge und ggf. Schadenersatzforderungen.
  • Wirksamwerden von kalkulierten Risiko-Wagnissen:
    Jedes Baupreisangebot enthält normalerweise einen Prozentsatz für Wagnis, um damit Risiko-Kosten abzudecken, die entstehen können, aber nicht müssen. Beispielsweise gehören dazu Risiken aus Mängelansprüchen nach der Abnahme, aus Witterungseinflüssen, Risiken aus der Unzuverlässigkeit von Nachunternehmern, der Ausfall von Baugeräten oder Streik usw. Treten alle Risiken ein, mögen sich die Kosten für die Baumaßnahme um 3 % erhöhen gegenüber dem Fall, dass keines der Risiken eintritt. Kalkuliert z. B. der Unternehmer aber für Wagnis nur 1 bis maximal 2 % in der Annahme, dass etwa die Hälfte der Risiken eintritt, aber tatsächlich im Ist 3 % infolge aller wirksam gewordenen Risiken zu decken sind, dann ist das Ergebnis um 1 bis 2 % ungünstiger.
Als Analyseschwerpunkte sind hervorzuheben:
  1. Prüfung, ob für den Ausgleich von angefallenen Kosten aus Risiken eine Versicherung in Anspruch genommen werden kann,
  2. Prüfung, in welchem Maße evtl. Schadenersatz gegenüber Dritten geltend gemacht werden kann,
  3. Prüfung, ob und in welchem Maße Nachunternehmer als Mitverursacher in Frage kommen und dann eine Weiterberechnung angefallener Kosten möglich ist, z. B. bei Mängelanzeigen und -ansprüchen des Auftraggebers,
  4. Prüfung, inwieweit der Auftraggeber Nachtragsforderungen gelten lässt und ggf. aus Kulanz die Kosten teilweise selbst übernimmt,
  5. Herausarbeiten von Möglichkeiten, Risiken besser zu beherrschen, beispielsweise durch bessere Wahrnehmung der Aufsicht gegenüber Nachunternehmern, bei der Eingangskontrolle zu Materiallieferungen, Vermeidung von Nacharbeiten u. a.
Beispiel

Übersicht

Die Übersicht liefert ein mehrstufiges Beispiel für eine hierarchisches Analysemodell.
Übersicht Baustellenergebnis-Analyse
Einzelkosten der Teilleistungen
  • Lohnkosten (AP)
    • Tariflohn
    • Lohnzusatzkosten
    • Lohnnebenkosten
  • Gerätekosten
  • Baustoffkosten
  • Transportkosten
  • Schalung/Rüstung
  • Nachunternehmer-Leistungen
Baustellengemeinkosten
  • Kosten für Einrichten und Räumen der Baustelle
  • Vorhaltekosten
  • Kosten der örtlichen Bauleitung
  • Betriebs- und Bedienungskosten
  • Kosten der technischen Bearbeitung und Kontrolle
  • allgemeine Baukosten
  • Sonderkosten
Allgemeine Geschäftskosten
  • Gehälter (TK) sowie Sozialkosten und Nebenkosten
  • Bürokosten
    • Abschreibung
    • Unterhaltung
    • Miete Anlagen u.a.
  • PKW-Kosten
  • Beiträge, Gebühren
  • Hilfs- und Betriebsstoffe
  • Reise-, Webungs-, Rechts-, Beratungskosten u.a.
  • Versicherungen, Provisionen
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