Baufinanzierung

Hauptrefinanzierungssatz

Der Hauptrefinanzierungssatz ist der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB), die seit 1999 die Währungspolitik in den Ländern mit Euro-Währung bestimmt. Die EZB arbeitet eng mit den Zentralbanken der einbezogenen Länder zusammen.
Leihen sich Banken von der EZB Geld aus, dann müssen sie den Hauptrefinanzierungssatz als Leitzins zahlen. Über den Leitzins werden auch abgeleitet andere Zinssätze mit bestimmt, z. B. der Euribor als Interbankzinssatz sowie weitere Marktzinssätze. Das Hauptaugenmerk ist gerichtet auf die Preisstabilität und das Anschieben bzw. Bremsen der Konjunktur. Gezielt wird weiter darauf, dass die Inflation wieder steigt und jährlich nicht höher als 2 % sein soll.
Seit der Einführung des Euro erfuhr der Leitzins mehrere Änderungen und war unterschiedlich hoch. Mit Wirkung ab 16. März 2016 senkte die EZB den Leitzins auf 0,00 % (vorher seit 10.09.2014 = 0,05 %) und damit auf den bisher niedrigsten Stand seit Bestehen der Währungsunion (im Vergleich dazu wurde er am 6. Juni 2007 noch mit 4,00 % festgelegt).
In Ländern außerhalb des Euro-Raums und anderer Kontinente sind die Leitzinsen der jeweiligen Zentralbanken sehr unterschiedlich hoch, zum Stand 3. Juli 2020 beispielsweise:
in den USA =0,00 % bis 0,25 %seit 15.03.2020
in Großbritannien =0,10 %seit 19.03.2020
in der Schweiz =./. 0,75 %seit 15.01.2015
in Polen=1,50 %seit 04.03.2015
in Ungarn=0,75 %seit 23.06.2020
in Schweden=0,00 %seit 19.12.2019
in der Türkei =8,25 %seit 21.05.2020
in Japan=./. 0,10 %seit 01.02.2016
in China=3,85 %seit 20.04.2020
in Brasilien=2,25 %seit 17.06.2020
in Russland=6,00 %seit 07.02.2020
in Dänemark=0,05 %seit 19.01.2015
in Tschechien=0,25 %seit 07.05.2020
Die aktuellen Zinssätze können jeweils auf den Webseiten der Zentralbanken der betreffenden Länder oder unter www.global-rates.com eingesehen werden.
Neben dem Hauptrefinanzierungssatz ist auch der Spitzenrefinanzierungssatz (SRF-Satz) ein wichtiger Marktzins. Über ihn wird die kurzfristige Kreditgewährung durch die Zentralbank bestimmt. Er bildet praktisch die Obergrenze für den Zinskorridor ab. Er liegt folglich immer über dem Hauptrefinanzierungssatz. Der SRF-Satz beträgt seit 16. März 2016 = 0,25 % (vorher seit 10.09.2014 bis 15. März 2016 = 0,30 %).
Von dem Hauptrefinanzierungssatz leitet sich auch die Höhe des Basiszinssatzes ab, und zwar in Abhängigkeit von der Veränderung jeweils im letzten Halbjahr. Da der Hauptrefinanzierungssatz im 1. Halbjahr 2020 keine Veränderung erfuhr, bleibt der Basiszinssatz ab 01. Juli 2020 auf dem bisherigen Niveau des 1. Halbjahres 2020 von ./. 0,88 %.
Der Basiszinssatz ist im Bauunternehmen von Bedeutung bei der Berechnung von:
  • Verzugszinsen sowie einer eventuellen Verzinsung und
  • vereinbarten Vorauszahlungen nach VOB des Auftraggebers (AG) für noch nicht erbrachte Bauleistungen, beispielsweise nach der Regelung in § 16 Abs. 2 VOB/B.
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