Jahresabschluss / HGB

Inventur

Als Kaufmann ist ein Bauunternehmen nach den handelsrechtlichen (§ 240 und 241 Handelsgesetzbuch- HGB) und steuerechtlichen (§ 141 Abgabenordnung- AO) Bestimmungen verpflichtet, das Vermögen und die Schulden bei Gründung, am Schluss eines jeden Geschäftsjahres sowie bei Auflösung oder Veräußerung festzustellen, und zwar durch eine Inventur.
Eine Inventur ist die mengen- und/oder wertmäßige Bestandsaufnahme des Vermögens und der Schulden eines Unternehmens. Sie kann als:
  • körperliche Inventur und
  • Buchinventur erfolgen.
Die körperliche Inventur ist die mengenmäßige Aufnahme durch Zählen, Messen, Wiegen und ggf. Schätzen. Das betrifft alle körperlichen Gegenstände des Vermögens, wie Baumaschinen und Geräte, Fahrzeuge, Bestände an Bau-, Hilfs- und Betriebsstoffen, unfertige Bauleistungen, Fertigerzeugnisse (Betonfertigteile auf Lager im betriebseigenen Betonwerk) u. a.
Auf eine körperliche Aufnahme kann verzichtet werden, wenn für die Vermögensgegenstände eine aussagefähige Anlagekartei geführt wird. Das ist möglich bei beweglichem Anlagevermögen, wie z. B. Baumaschinen und Geräte sowie Fahrzeuge.
Die Anlagekarten müssten je Anlagegegenstand enthalten:
  • genaue Bezeichnung des Gegenstandes,
  • Tag und Kosten der Anschaffung oder Herstellung,
  • Nutzungsdauer und jährliche Abschreibung,
  • Tag des Abganges,
  • Bilanzwert am Bilanzstichtag.
Im Bestandsverzeichnis brauchen die GWG (geringwertige Wirtschaftsgüter) und Festwertgegenstände nicht aufgeführt zu werden.
Die Buchinventur erfolgt für alle nichtkörperlichen Positionen des Vermögens (z. B. Forderungen, Bankguthaben) sowie der Schulden (z. B. Verbindlichkeiten). Die Beständen sind dabei wertmäßig auf der Grundlage der Buchführung nachzuweisen. Für Forderungen und Verbindlichkeiten dienen die Bestände der Kontokorrentkonten. Soweit sie zum Abschlusstag nicht ausgeglichen sind, sollten Saldenbestätigungen bei den Kunden und Lieferanten eingeholt werden.
Bankguthaben können auch aus den Konten festgestellt und mit Kontoauszügen belegt werden. Schecks und Besitzwechsel sind durch Aufnahme festzustellen, Schuldwechsel anhand des Wechselkopierbuches zu ermitteln. Der Kassenbestand wird durch Aufnahme (Kassensturz) festgestellt.
Die Inventur bedarf einer sorgfältigen Vorbereitung und Durchführung. Dafür sollte eine Inventurrichtlinie als betriebliche Organisationsanweisung erarbeitet werden, die mindestens Festlegungen enthält zur
  • Ernennung eines Inventurleiters bzw. -beauftragten,
  • Aufstellung eines jährlichen Aufnahmeplanes mit Festlegung der einzelnen Inventurtermine und -bereiche sowie der personellen Besetzung der Aufnahmegruppen,
  • Verwendung von Vordrucken, Hilfsmitteln, Einhaltung von Formvorschriften u. a.,
  • Kontrolle und Auswertung durchgeführter Inventuren.
Die Inventuren müssen einwandfrei nachprüfbar sein. Mindestens 5 % der insgesamt aufgenommenen Bestände sollten durch Mitarbeiter des Unternehmens als Eigenkontrolle geprüft werden. Besonders ist dies für die Bestände an unfertigen Bauleistungen zum Bilanzstichtag von Bedeutung, wenn kein Einheitspreisvertrag vorliegt und der Leistungsumfang mit einem Fertigstellungsgrad einzuschätzen ist. Bei mittelgroßen und größeren Bauunternehmen (Kapitalgesellschaften) empfiehlt sich vor der Inventur eine rechtzeitige Rücksprache mit dem Wirtschaftsprüfer, weil auch die Inventur Gegenstand der Jahresabschlussprüfung ist (vgl. § 316 HGB).
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