Buchhaltung / Rechnungswesen

Kleinstkapitalgesellschaften

Bauunternehmen können in verschiedenen Rechtsformen auftreten. Für die Rechnungslegung nach dem Bilanzrecht werden für die Kapitalgesellschaften Größenklassen im § 267 Handelsgesetzbuch (HGB) nach kleinen, mittelgroßen und großen Kapitalgesellschaften bestimmt. Danach richten sich auch die einzuhaltenden Vorschriften, beispielsweise für die Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) u. a.
Mit der im Frühjahr 2012 in Kraft getretenen Micro-Richtlinie der EU (2012/6/EU) wurden daraufhin Grenzwerte für Kleinstkapitalgesellschaften in § 267a im Handelsgesetzbuch (HGB) bestimmt, die Anforderungen und Vorgaben für die Rechnungslegung bzw. das Bilanzrecht für Kleinstkapitalgesellschaften in starkem Maße abgeschwächt und vor allem hinsichtlich vorzulegender Unterlagen eingeschränkt und teils vereinfacht.
Das betrifft Kleinstunternehmen, die in der Rechtsform einer Kapitalgesellschaft oder einer Personengesellschaft ohne voll haftende natürliche Personen (Kapitalgesellschaft als Mischform in einer GmbH & Co. KG) tätig sind. Die vereinfachten Rechnungslegungsvorschriften betreffen solche Kleinstkapitalgesellschaften, die an zwei aufeinanderfolgenden Abschlussstichtagen der Geschäftsjahre zwei von den drei folgenden Kriterien nicht überschreiten:
  • Umsatzerlöse bis 700.000 € in den 12 Monaten vor dem Abschlussstichtag
  • Bilanzsumme bis 350.000 €
  • im Jahresdurchschnitt bis 10 Beschäftigte
Für die Kleinstkapitalgesellschaften leiten sich folgende Erleichterungen bzw. Vorzüge bei der Rechnungslegung ab:
  • Verzicht vollständig auf die Erstellung eines Anhangs zur Bilanz, sofern bestimmte Angaben unter der Bilanz ausgewiesen werden, beispielsweise zu Art und Umfang von Haftungsverhältnissen,
  • Anwendung eines vereinfachten Gliederungsschemas zur Bilanz beim Jahresabschluss gegenüber dem Ausweis nach § 266 HGB,
  • Wahl zur Offenlegungspflicht zwischen der Veröffentlichung der Jahresabschlussdokumente als Bekanntmachung oder durch Hinterlegung, wobei zur Sicherung eines einheitlichen Verfahrens auch für die Hinterlegung die elektronische Einreichung beim Betreiber des Bundesanzeigers vorgeschrieben ist, gegenüber Dritten können bei Hinterlegung ggf. Kopien auf Antrag vorgelegt werden.
Die Neuerungen konnten erstmals für die Geschäftsjahre angewendet werden, die nach dem 20.12.2012 enden. Folglich war das für das Geschäftsjahr mit Abschluss 31.12.2012 bereits möglich.
Auf Grundlage des Bilanzrichtlinien-Umsetzungsgesetzes (BilRUG) vom 17. Juli 2015 wurde der § 267a im Handelsgesetzbuch (HGB) um den Abs. 3 ergänzt mit der Aussage, dass folgende Gesellschaften nicht zu den Kleinstkapitalgesellschaften zählen:
  • Investmentgesellschaften im Sinne des § 1 Abs. 11 des Kapitalanlagegesetzbuchs,
  • Unternehmensbeteiligungsgesellschaften im Sinne des § 1a Abs. 1 des Gesetzes über Unternehmensbeteiligungsgesellschaften,
  • Unternehmen, deren einziger Zweck darin besteht, Beteiligungen an anderen Unternehmen zu erwerben sowie die Verwaltung und Verwertung dieser Beteiligungen wahrzunehmen, ohne dass sie unmittelbar oder mittelbar in die Verwaltung dieser Unternehmen eingreifen, wobei jedoch die Ausübung der ihnen als Aktionär oder Gesellschafter zustehenden Rechte außer Betracht bleibt.
Die angeführten Gesellschaften können größenabhängige Erleichterungen nicht mehr vollumfänglich in Anspruch nehmen.
Auf Grundlage des BilRUG können Kleinstkapitalgesellschaften nach § 275 Abs. 5 HGB auch eine einfachere Darstellung bzw. kürzere Staffelung zur Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) vorsehen.
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