Versicherung

Krankenversicherung

Arbeitnehmer im Bauunternehmen unterliegen in der Krankenversicherung einer gesetzlichen Versicherungspflicht, wenn ihr regelmäßiger Verdienst die Jahresarbeitsentgeltgrenze bzw. die daraus abgeleitete Beitragsbemessungsgrenze zur Sozialversicherung nicht übersteigt. Die allgemeine Jahresarbeitsentgeltgrenze beträgt 2022 nach § 6 Abs. 6 Sozialgesetzbuch (SGB) V bundeseinheitlich 64.350 € (2021 = 64.350 €).
Krankenversicherung
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Die Beitragsbemessungsgrenze für die Kranken- und Pflegeversicherung liegt 2022 bundeseinheitlich wie im Vorjahr bei 58.050 € jährlich bzw. 4.837,50 € monatlich. Auf das Jahresarbeitsentgelt werden alle beitragspflichtigen Bezüge angerechnet, die mit hinreichender Sicherheit zu erwarten sind, z. B. auch Weihnachtsgeld, Einmalzahlungen im Bauhauptgewerbe, Wegstreckenentschädigung (im Bauhauptgewerbe noch bis 31. Dezember 2022), zusätzliches Urlaubsgeld (ZUG) entsprechend der Urlaubsvergütung in der Bauwirtschaft u. a. Wer über die Bemessungsgrenze hinaus verdient, kann einer privaten Versicherung beitreten.

Beitrag zur Krankenversicherung

Träger der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sind die gesetzlichen Krankenkassen. Der bundeseinheitliche allgemeine Beitragssatz für alle gesetzlichen Krankenkassen beträgt 2022 wie im Vorjahr 14,6 %, zu tragen je zur Hälfte = 7,30 % vom Bauunternehmen als Arbeitgeber sowie vom Arbeitnehmer. Hinzu kann von der jeweiligen Krankenkasse noch ein einkommensabhängiger Zusatzbeitrag nach eigener Festlegung erhoben werden, der seit 2019 ebenfalls je zur Hälfte vom Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu leisten ist. Der Zusatzbeitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung betrug zuletzt durchschnittlich 1,3 %. Die jeweiligen Be- und Entlastungen können im Einzelnen je nach Krankenkasse und Höhe des Zusatzbeitrags aber abweichen. Bei der Veranlagung zur Einkommensteuer werden die Beiträge zur Krankenversicherung insgesamt als Sonderausgabe behandelt.
Als monatlichen Höchstzuschuss des Arbeitgebers zur privaten Krankenversicherung wird seit 2019 ebenfalls die Hälfte des durchschnittlichen Zusatzbeitragssatzes berücksichtigt. Der Zuschuss beträgt im Jahr 2022 (wie im Vorjahr) monatlich = 384,58 € mit Anspruch auf Krankengeld sowie ohne Anspruch auf Krankengeld monatlich = 370,07 €.

Spezielle Regelungen für Selbstständige, Minijobs und Kurzarbeit

Selbstständige stehen nicht in der Sozialversicherungspflicht, sie können sich aber bei bestimmten Voraussetzungen versichern. Die Regelbemessungsgrenze zur freiwilligen Versicherung in der Krankenversicherung beträgt für hauptberuflich Selbstständige ebenfalls bundeseinheitlich im Jahr 2022 (wie im Vorjahr) monatlich = 4.837,50 €. Für Selbstständige und Freiberufler gilt ein fiktives Einkommen als Mindesteinkommensgrenze von 1.096,67 € im Monat (abgeleitet als Bezugsgröße nach § 240 Abs. 4 im SGB V).
Geänderte Regelungen gelten zur geringfügigen Beschäftigung für Arbeitnehmer. Nicht versicherungspflichtig bleiben geringfügig Beschäftigte im Minijob bei einem Verdienst bis 450 € im Monat. Die obere Einkommensgrenze, ab der die vollen Sozialversicherungsbeiträge in der Gleitzone bei Midijobs zu zahlen sind, wurde seit 1. Juli 2019 auf 1.300 € ausgeweitet. Anstatt von Gleitzone wird seither vom "Übergangsbereich" gemäß Änderung im § 20 Abs. 2 Sozialgesetzbuch (SGB) IV gesprochen und die spezielle Formel für die Berechnung der Versicherungsbeiträge nach dem Gleitzonenfaktor (zur Berechnung des fiktiven Arbeitsentgelts) im Jahr 2022 wie im Vorjahr = 0,7509 entsprechend konkav bestimmt. Daraus ableitend sinken die Beiträge. Erst im oberen Übergangsbereich werden sich die Beiträge dem allgemeinen Beitragssatz anpassen.
Der Beitrag zur Krankenversicherung bei Kurzarbeit ist allein vom Arbeitgeber (betreffend Anteile beidseitig des Arbeitnehmers und Arbeitgebers) zu tragen. Als Bemessungsgrundlage dient ein um 20 % gekürztes fiktives Arbeitsentgelt. In Verbindung mit der Coronapandemie war bis 31. Dezember 2021 eine vollständige Erstattung und ist noch bis 31. März 2022 für Unternehmen eine Erstattung zur Hälfte der Sozialversicherungsbeiträge vorgesehen.

Krankenversicherungsbeiträge bei der Kalkulation

Die Beiträge zur Krankenversicherung zählen zu den gesetzlichen Sozialkosten. Sie sind folglich ebenfalls Bestandteil der Lohnzusatzkosten und speziell der lohngebundenen Kosten der gewerblichen Arbeitnehmer im Bauunternehmen sowie auch der Gehaltszusatzkosten der Angestellten und Poliere. Sie werden als Lohn- und Gehaltskosten mit im Kalkulationslohn berücksichtigt und in den Baupreisen kalkuliert.
In den Musterberechnungen der Bauverbände zur Bestimmung des Zuschlagsatzes für die Lohn- und Gehaltszusatzkosten wird die Krankenversicherung in der Position 2.2.1.3 ausgewiesen, dargestellt u. a. in den Kalkulationshilfen „Lohnzusatzkosten Ost“ und „Lohnzusatzkosten West“.
Für die Angestellten einschließlich Poliere ist zunächst zu prüfen, wie hoch der Anteil an den gesamten Angestellten ist, deren Gehälter oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze liegen. Das wird in den Bauunternehmen zwischen West- und Ostdeutschland sowie in den Unternehmen verschiedener Größe und Leistungssparten unterschiedlich sein. Ein betriebsindividueller Ansatz sollte für die Berechnungen zu den Gehaltszusatzkosten herangezogen werden. In den Musterberechnungen wurde der Anteil von Angestellten, deren Gehalt oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze für die Krankenversicherung liegt, zuletzt in Bauunternehmen einheitlich für West- und Ostdeutschland mit 18 % für Angestellte und von 9 % bei Polieren angesetzt. Bei einem hälftigen Anteil aus dem Gesamtbeitrag (14,6 % + 1,3 %) kann im Jahr 2022 mit einem Wert gerechnet werden von:
  • (15,90 % x 82,00 %) : (2 x 100 %) = 6,25 % für Angestellte und
  • (15,90 % x 91,00 %) : (2 x 100 %) = 7,23 % für Poliere.
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