Buchhaltung / Rechnungswesen

Sonderabschreibungen

Sonderabschreibungen können zusätzlich zur normalen Abschreibung als AfA (Absetzung für Abnutzung) für Wirtschaftsgüter bzw. Gegenstände des Anlagevermögens erfolgen, wenn der Gesetzgeber dies einräumt. Allgemeine Vorschriften hierzu liefert § 7a im Einkommensteuergesetz (EStG). Begründet werden sie zur Förderung bzw. für wirtschaftspolitische Ziele.
Sonderabschreibungen und erhöhte Absetzungen haben in der Regel keinen direkten Bezug zur entsprechenden Wertminderung. Nach Anschaffung oder Herstellung eines Wirtschaftsgutes sind sie nur zulässig, soweit sie nicht bereits vorher für Anzahlungen auf die Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten in Anspruch genommen wurden. Im Begünstigungszeitraum der Anwendung einer Sonderabschreibung ist zugleich eine reguläre Abschreibung vorzunehmen. Sollten für eine Sonderabschreibung mehrere Gründe nach Vorschriften möglich sein, dann ist sie nur für einen Grund anzuwenden. Ist das jeweilige Wirtschaftsgut zum Betriebsvermögen zugehörig, sind laufend Aussagen nachzuweisen in einem Verzeichnis oder im Rahmen der Buchführung über den Tag der Anschaffung oder Herstellung, die Anschaffungskosten bzw. Herstellungskosten, die betriebswirtschaftliche Nutzungsdauer, die Höhe der jährlichen Abschreibung und erfolgten Sonderabschreibungen.
Sonderabschreibungen können in Anspruch genommen werden:
  • für abnutzbare bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens wie Baumaschinen und Geräte sowie Geschäfts- und Betriebsausstattungen im Jahr der Anschaffung oder Herstellung sowie in den 4 folgenden Jahren neben der normalen Abschreibung nach § 7g Abs. 5 und 6 im EStG bis zu insgesamt 20 % der Anschaffungs- oder Herstellungskosten, wenn das Wirtschaftsgut im Begünstigungszeitraum in einer inländischen Betriebsstätte des Unternehmens ausschließlich oder fast ausschließlich (mindestens zu 90 %) betrieblich genutzt wird, wobei die Sonderabschreibung im Anschaffungsjahr bereits für das gesamte Jahr beansprucht werden kann, auch wenn das Wirtschaftsgut erst im Juli angeschafft oder hergestellt wurde.
    Als weitere Voraussetzungen gelten folgende Größenmerkmale, die nicht überschritten werden dürfen:
    • maximal ein Betriebsvermögen von 235.000 € am Ende des Wirtschaftsjahres, das der Anschaffung oder Herstellung vorausgeht, bei Gewerbebetrieben oder der selbstständigen Arbeit dienenden Betrieben, wobei bei Betriebsgründung kein Vorjahr zu beachten ist,
    • maximal ein Gewinn von 100.000 € (ohne Berücksichtigung von Investitionsabzugsbeträgen) am vorausgegangenen Wirtschaftsjahres bei Betrieben, die ihren Gewinn nach § 4 Abs. 3 EStG nach Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) ermitteln.
    Die Sonderabschreibung kann nur steuerlich vorgenommen werden. Die Sonderabschreibung kann im Anwendungszeitraum auf die Jahre verteilt werden bzw. vom Unternehmen entschieden werden, wie viel % von den gesamt 20 % in den Jahren des Begünstigungszeitraums angesetzt werden.
  • zur Förderung für kleine und mittlere Betriebe für die Anschaffung oder Herstellung eines abnutzbaren beweglichen Wirtschaftsgutes des Anlagevermögens bis zu 40 % der voraussichtlichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten nach § 7 g Abs. 1 im EStG als Investitionsabzugsbetrag, wenn die bereits oben angeführten betrieblichen Größenmerkmale nicht überschritten werden, praktisch als steuerbegünstigter, d. h. Gewinn mindernder Betrag für später durchzuführende Investitionen, detaillierter erläutert unter dem angeführten Link.
  • zur steuerlichen Förderung der Elektromobilität für Elektronutzfahrzeuge und elektrisch betriebene Lastenfahrräder neu nach § 7c im EStG für Anschaffungen ab 1. Januar 2020, näher erläutert unter Sonderabschreibungen für Elektronutzfahrzeuge.
  • beim Mietwohnungsneubau nach § 7b im EStG, erläutert unter Mietwohnungsneubau mit Sonderabschreibungen.
23.01.2020
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