Steuern

Umsatzsteuer-Istbesteuerung von Bauleistungen

Ausgeführte Bauleistungen, Lieferungen und sonstige Leistungen im Inland gegen Entgelt unterliegen der Umsatzsteuer. Liegt keine Steuerschuldnerschaft für Bauleistungen des Leistungsempfängers nach § 13b Umsatzsteuergesetz (UStG) vor, ist durch das leistende Bauunternehmen eine Rechnungslegung mit Ausweis der Umsatzsteuer vorzunehmen. Hierzu gestattet der Gesetzgeber zur Umsatzsteuer eine Ist-Besteuerung durch das Bauunternehmen zu folgenden Fällen und Voraussetzungen:
  • Bei erhaltenen Abschlagszahlungen, Anzahlungen, Vorauszahlungen (vgl. § 16 in VOB, Teil B) entsteht die Umsatzsteuer "erst mit Ablauf des Voranmeldezeitraums, in dem das Entgelt vereinnahmt", d. h. bezahlt worden ist. Dies ist vermerkt im "Merkblatt zur Umsatzbesteuerung in der Bauwirtschaft (Stand: Oktober 2009") vom Bundesministerium der Finanzen unter III, Nr. 2 und mit Beispielen untersetzt. Verwiesen sei in Verbindung dazu auch auf das:
    • vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie - Bauen und Service - herausgegebene "Merkblatt zur Rechnungserstellung und Rechnungskorrektur (Stand: September 2016)",
    • vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) herausgegebene "Merkblatt Nr. 3: Umsatzsteuer-Versteuerung von Anzahlungen, Abschlagsrechnungen (Stand: Februar 2009" mit Beispielen zu Abschlagsrechnungen/Abschlagszahlungen).
  • Auch bei der Ist-Besteuerung bestimmt sich der maßgebliche Steuersatz nach dem Zeitpunkt, zu dem die Leistung ausgeführt bzw. in der Abschlagsrechnung zugrunde gelegt wurde.
  • Dabei mindert ein evtl. durchzuführender Steuerabzug für Bauleistungen gemäß § 48 Einkommensteuergesetz (EStG, betreffend die Bauabzugsteuer) nicht das Entgelt für die Umsatzsteuer.
  • Für Voraus- und Abschlagszahlungen entsteht die Umsatzsteuer auch dann, wenn das Bauunternehmen keine Rechnung im Sinne des § 14 UStG gestellt hat.
  • Auf Antrag (weder Form noch fristgebunden) des Bauunternehmens beim Finanzamt ist eine Ist- Besteuerung möglich, wenn der Jahresumsatz im vergangenen Kalenderjahr nicht mehr als 500.000 € betragen hat. Diese Umsatzgrenze galt seit 01.07.2009 und war vorerst bis 31.12.2011 einheitlich für das gesamte Bundesgebiet und nicht mehr unterschiedlich für West- und Ostdeutschland festgelegt. Seit 1. Januar 2012 ist der Grenzwert dauerhaft auf 500.000 € festgesetzt worden. Keine Rolle hierbei spielt die Höhe des Vorjahresumsatzes bei einer freiberuflichen Tätigkeit, z. B. eines Architekten.
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