Bohrpfahlwände sind Elemente des Spezialtiefbaus zur Baugrubensicherung und Tiefgründung. Sie werden vor allem bei beengten Platzverhältnissen eingesetzt.
Was ist eine Bohrpfahlwand?
Bohrpfahlwände sind Elemente des Spezialtiefbaus zur Baugrubensicherung oder Tiefgründung. Im Gegensatz zu flachen Gründungsformen wie Einzel- oder Streifenfundamenten werden Lasten nicht unmittelbar unterhalb der Bodenplatte oder Fundamente, sondern tief in den Boden oder Fels abgeleitet.
Sie bestehen aus vertikalen, in Reihe hergestellten Bohrpfählen, die zusammen eine Wand bilden. Die einzelnen Bohrpfähle sind zylinderförmige Ortbeton-Elemente. Sie können je nach Art der Bohrpfahlwand sowie den statischen Anforderungen bewehrt oder unbewehrt sein.

Blick auf eine tangierende Bohrpfahlwand von außen (links) und aus der Baugrube (rechts).
Bild: © f:data GmbH
Wo werden Bohrpfahlwände eingesetzt?
Bohrpfahlwände kommen zum Einsatz, wenn andere Baugrubensicherungen (z. B. Spundwände oder Böschungen) – etwa aufgrund von Platzmangel oder erschütterungsempfindlicher Nachbarbebauung – nicht realisierbar sind. Sie werden u. a. eingesetzt als:
- Baugrubensicherung (z. B. für Tunnelbau):
Sie stabilisieren Baugruben und verhindern das Nachrutschen des Erdreichs. - Lastabtragung: (z. B. in Tiefgaragen)
Sie leiten vertikale und horizontale Lasten in tiefere, tragfähige Bodenschichten ab. Hangsicherung
Sie sichern instabile Böschungen und Geländeabschnitte.
Wasserhaltung
Sie können den Zutritt von Grundwasser reduzieren oder begrenzen.
Stütz- und Tragefunktion (z. B. bei Unterfangungen)
Sie wirken als dauerhaftes oder temporäres tragendes Bauwerk, wie bei Unterfangungen oder Tiefgaragen.
Bau einer Bohrpfahlwand
Zunächst werden die einzelnen Bohrpfähle hergestellt. Dazu wird mit einem Rotationsbohrer oder Greifer ein Bohrloch entsprechend der erforderlichen Tiefe und des Pfahldurchmessers hergestellt.
Je nach Bodenverhältnissen muss das Bohrloch gegen Einsturz gesichert werden. Dies erfolgt entweder durch eine temporäre Verrohrung oder durch das Einbringen einer Stützflüssigkeit (z. B. aus Bentonit). In standfesten Böden oder Fels kann darauf verzichtet werden.
Anschließend wird ein Bewehrungskorb in das Bohrloch eingesetzt. Danach erfolgt das Betonieren im Kontraktorverfahren. Dabei wird der Beton über ein Schüttrohr von unten in das Bohrloch eingebracht. Der Beton steigt gleichmäßig auf und verdrängt vorhandene Stützflüssigkeiten.
Nach dem Betonieren wird die temporäre Verrohrung gezogen. Dabei kann ein Nachfüllen von Beton erforderlich sein.
Eine Bohrpfahlwand entsteht, wenn mehrere Bohrpfähle nebeneinandergestellt und miteinander verbunden werden. Bei großen Aushubtiefen kann die Wand zusätzlich durch Rückverankerungen oder Abstützungen (z. B. Verpressanker) stabilisiert werden.
Arten von Bohrpfahlwänden

Arten von Bohrpfahlwänden.
Bild: © f:data GmbH
Je nach Abstand und Anordnung der Bohrpfähle werden unterschiedliche Arten von Bohrpfahlwänden unterschieden, z. B.:
Überschnittene Bohrpfahlwände bestehen aus bewehrten und unbewehrten Bohrpfählen, die sich überschneiden und dadurch eine kraftschlüssige Verbindung eingehen. Eine geschlossene Wand entsteht.
Tangierende Bohrpfahlwände bestehen aus bewehrten Bohrpfählen mit geringem oder keinem Abstand zueinander. Zwischenräume können bei Bedarf mit Spritzbeton oder Injektionen geschlossen bzw. stabilisiert werden.
Aufgelöste Bohrpfahlwände bestehen aus bewehrten Bohrpfählen mit einem Abstand größer als der Pfahldurchmesser. Die Zwischenräume werden je nach Anforderung z. B. mit Spritzbeton ausgefacht.