Im fünften Teil der Serie „Abdichtungen in Innenräumen“ erläutert der Fachleiter für Abdichtungstechnik Mario Heinl den Einsatz plattenförmiger Abdichtungsstoffe als Abdichtung und Untergrund für Fliesen und Platten (AIV-P).
Was ist eine AIV-P?
AIV-P steht für „Abdichtung mit plattenförmigen Abdichtungsstoffen im Verbund mit Fliesen und Platten“. AIV-P ist eine Verbundabdichtung aus vorgefertigten Abdichtungsplatten / -elementen, die mit Fliesen oder Platten überklebt wird und den Untergrund dauerhaft vor Feuchtigkeit schützt.
Typische Materialien plattenförmiger Abdichtungsstoffe sind beschichtete Hartschaumplatten oder zementäre Bauplatten, die bereits werkseitig wasserabweisende oder wasserdichte Eigenschaften besitzen. Diese Platten werden mechanisch befestigt oder verklebt und bilden eine flächenhafte Abdichtungsebene, die im Verbund mit dem Fliesen- oder Plattenbelag ausgeführt wird. Die DIN 18534-6 regelt diese Art von Abdichtung in Innenräumen. Aufbau von Abdichtung mit plattenförmigen Abdichtungsstoffen
So ist beispielhaft die Abdichtung mit plattenförmigen Abdichtungsstoffen im Verbund mit Fliesen und Platten aufgebaut:

Aufbau einer Abdichtung mit plattenförmigen Abdichtungsstoffen unter Fliesen und Platten.
Bild: © f:data GmbH
Sichere Abdichtung von Fugen und Anschlüssen
Ein entscheidender Punkt bei dieser Bauweise ist, dass die Platten selbst dicht sind, jedoch die Fugen, Anschlüsse und Durchdringungen sorgfältig abgedichtet werden müssen. Dazu kommen Dichtbänder, Dichtstreifen und Manschetten zum Einsatz, um eine durchgängige Abdichtungsbauart sicherzustellen.
Besonderes Augenmerk erfordern hier:
- Stoßfugen zwischen Platten,
- Wand- und Bodenanschlüsse oder
- Rohrdurchführungen.
Die Systeme können – abhängig vom jeweiligen Produkt und der Ausführung – in Wassereinwirkungsklassen W0-I bis W2-I eingesetzt werden.
Einsatzbereiche und Vorteile von AIV-P-Systemen
Ein großer Vorteil liegt in der schnellen und sauberen Verarbeitung, insbesondere im Trockenbau und bei Sanierungen. Dennoch erfordert die Ausführung ein hohes Maß an Präzision, da Fehler in den Fugenbereichen zu Undichtigkeiten führen können. Die Abdichtungswirkung ist daher stark von der korrekten Detailausbildung und Verarbeitung abhängig.
In der Praxis werden AIV-P-Systeme insbesondere eingesetzt:
- im Bad- und Sanitärbereich,
- im Trockenbau und Innenausbau oder
- bei Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen.
Sie eignen sich besonders für Bauweisen, bei denen eine trockene Verarbeitung und ein schneller Baufortschritt gefordert sind.
Der Experten-Tipp
„Nicht jede Abdichtungsplatte ist automatisch für den Einsatz als AIV-P geeignet. Es müssen geeignete, geprüfte Systemlösungen verwendet werden, deren Verwendbarkeit nachgewiesen ist und die für die jeweilige Wassereinwirkungsklasse nach DIN 18534 Teil 1 geeignet sind.“
Herzlichen Dank an Mario Heinl, Dachdeckermeister und Fachleiter für Dach-, Wand- und Abdichtungstechnik, für die fachliche Unterstützung bei diesem Artikel auf bauprofessor.de.