Im zweiten Teil der Serie „Abdichtung in Innenräumen“ erklärt Mario Heinl, u. a. Fachleiter für Abdichtungstechnik, wie flüssige Abdichtungssysteme nach DIN 18534-3 Wand- und Bodenflächen zuverlässig vor Wasser schützen.
Einsatzbereiche für Innenraumabdichtung
Die Norm DIN 18534-3 definiert die zusätzlichen erforderlichen Regelungen an die Planung, Ausführung und Instandhaltung von Abdichtungen in Innenräumen unter Verwendung flüssig zu verarbeitender Abdichtungsstoffe im Verbund mit Fliesen und Platten. Sie gilt für Wand- und Bodenflächen, die einer Wasserbeanspruchung mit einer maximal zulässigen Anstauhöhe von bis zu zehn Zentimetern ausgesetzt sind. Typische Anwendungsbereiche umfassen u. a.:
- häusliche Bäder,
- bodengleiche Duschen,
- gewerblich genutzte Küchen oder
- andere Nassräume mit regelmäßiger Reinigungswasserbelastung.
Was Abdichtungssysteme leisten müssen
Teil 3 schreibt vor, dass nur flüssige Abdichtungsstoffe verwendet werden dürfen, die rissüberbrückend und als System geprüft sind. Außerdem müssen sie der jeweiligen Wassereinwirkungsklasse zugeordnet sein.

Bild: © aus: DIN 18534-3 | Abschnitt 7.4. Flüssige Abdichtungssysteme
Die Einteilung der Wassereinwirkungsklassen, auf die sich die Abdichtungsbauart stützt, folgt der Definition der DIN 18534-1 und reicht von geringer Wasserbelastung (W0-I) bis zu sehr hoch beanspruchten Nassbereichen (W3-I). Wichtig ist, dass alle Bestandteile eines Abdichtungssystems zusammenpassen. Dazu gehören:
- Grundierungen,
- Abdichtungsstoff,
- Einlagen,
- Dichtbänder,
- Manschetten und weitere ergänzende Produkte.
Sie müssen aufeinander abgestimmt und gemeinsam geprüft sein. Nicht geprüfte Kombinationen sind nicht zulässig, da diese die Funktionssicherheit der Abdichtung beeinträchtigen können.
„In jeder Wassereinwirkungsklasse W0‑I bis W3‑I dürfen AIV‑F‑Systeme verwendet werden – aber nur, wenn sie vom Hersteller nachweislich für die jeweilige Klasse freigegeben sind. Die Norm macht keine Materialarten fest, sondern fordert komplette, geprüfte Systeme.“

Flüssige Abdichtungssysteme von W0‑I bis W3‑I müssen aus geprüften, aufeinander abgestimmten Komponenten bestehen.
Bild: © # 432715752 © Ruslan - Adobe Stock
Worauf es bei der Ausführung ankommt
Für die Ausführung legt die DIN 18534-3 verbindliche technische Kriterien fest für u. a. - den Untergrund,
- das Gefälle sowie
- die Entwässerungseinrichtungen.
Der Untergrund muss tragfähig, sauber, trocken und frei von haftmindernden Stoffen sein. Die Ausbildung eines normgerechten Gefälles zur Entwässerung ist erforderlich, um Wasseransammlungen zu verhindern. Bei Durchdringungen wie Rohrleitungen oder Installationsbauteilen sind geeignete Abdichtungsmaßnahmen vorzusehen, z. B. in Form von:
- systemkonformen Dichtmanschetten oder
- Flanschkonstruktionen.
Diese Bereiche gelten als besonders kritisch, da hier Undichtigkeiten bevorzugt auftreten.
Fachgerechte Verarbeitung der Abdichtung
Die Verarbeitung flüssig aufzubringender Abdichtungsstoffe muss erfolgen gemäß den:
- vorgegebenen Mindestschichtdicken,
- Trocknungszeiten und
- Verarbeitungsvorschriften.
Die Abdichtungsstoffe sind i. d. R. in mehreren Schichten aufzutragen, wobei Dichtbänder, Formteile, Einlagen und Manschetten unmittelbar in die frische Abdichtungsmasse einzubetten sind.
Weiterhin sind Kontrolle und Einbindung von Einbauteilen maßgebend:
Der Experten-Tipp
„Die DIN 18534-3 kann als umfassendes technisches Regelwerk verstanden werden, das die sichere Abdichtung wasserbelasteter Innenräume mit flüssigen Abdichtungssystemen gewährleistet. Sie legt klare Anforderungen an Materialien, Ausführung, Detailanschlüsse und Wartung fest und bildet damit eine verlässliche Grundlage für die Planung und Realisierung langlebiger Abdichtungssysteme im Innenraum.“ Herzlichen Dank an Mario Heinl, Dachdeckermeister und Fachleiter für Dach-, Wand- und Abdichtungstechnik, für die fachliche Unterstützung bei diesem Artikel auf bauprofessor.de.