Einkauf im Baubetrieb

Preisspiegel zum Einkauf von Stoffen

Der Einkäufer des Bauunternehmens muss sich stets folgende Fragen stellen:
  • Welcher von mehreren Einstandspreisen ist der günstigste im Preisvergleich?
  • Wie kann die Höhe des Einstandspreises beeinflusst, d. h. weiter verringert werden?
Dafür ist als Grundlage ein Preisspiegel aufzustellen. Die verschiedenen Preise und Preisbedingungen werden einander gegenübergestellt.
Zweckmäßigerweise sollte dies in Form einer Tabelle erfolgen. Unter "Beispiele" steht eine Übersicht für den Vergleich von Einkaufspreisen für Stoffe zur Verfügung.
Die Baustoffe können am preisgünstigsten vom Anbieter A bezogen werden. Spielen andere Überlegungen keine Rolle, so würde man bei A bestellen. Zu klären bliebe in diesem Zusammenhang evtl. noch eine weitere Form des Preisnachlasses, d. h. die nachträgliche Gewährung eines Bonus. Dieser Preisnachlass steht nicht unmittelbar mit dem Bezug eines bestimmten Baustoffes in Verbindung und kann folglich nicht bzw. nur schwer in die Ermittlung des Einstandspreises einbezogen werden. Ein Bonus ist in der Regel an den Gesamtbetrag, meistens für ein ganzes Jahr, bei dem gleichen Lieferanten im Umfang einer im Voraus abgestimmten Liefermenge gebunden. Er wird nach Ablauf des Geschäftsjahres und in Abhängigkeit von dem erreichten Ist-Bezug bzw. bei Überschreitung der geplanten Jahresmenge als Umsatzrückvergütung gewährt. Die vertragliche Vereinbarung sollte in Rahmenverträgen getroffen werden.
Auf den Einstandspreis hat auch die Bestellmenge wesentlichen Einfluss. Einerseits bedeuten große Bestellungen erhebliche Kosten für die Finanzierung und ggf. Lagerhaltung. Andererseits garantieren größere Bestellungen oft erhebliche Preisvorteile durch höhere Rabatte und besondere Liefer- und Zahlungsbedingungen. Die Planung einer wirtschaftlichen Bestellmenge bedeutet folglich, einen Ausgleich zwischen den Preisvorteilen beim Einkauf und möglichen Kostennachteilen im Unternehmen zu erreichen und zu sichern. Für die Baustellen ist primär eine angemessene Lieferbereitschaft mit geringster Lagerhaltung wichtig. Bei kleinen Bestellmengen ausgewählter Materialartikel (besonders bei Hilfsstoffen) kann und wird oft die Bestellung einer größeren Menge mit Preisvorteil und zwischenzeitlicher Lagerung bis zum Bedarf im Zentralmagazin bzw. auf dem Bauhof wirtschaftlicher sein.
Beispiel

Vergleich Einkaufspreise Stoffe

Für ein Bauvorhaben werden folgende Baustoffe benötigt:
Artikel 1=20 tZement PZ
Artikel 2=300 tKies (4-9 mm)
Artikel 3=100.000 StückMauerziegel
Dafür sind zwei Angebote eingegangen:
Angebot A:Artikel 1=60 €/t ./. 5 % Rabatt
Artikel 2=10 €/t
Artikel 3=0,30 €/Stück
Lieferbedingung: frei Baustelle
Zahlungsbedingung: 10 Tage ./. 3 % Skonto
Angebot B:Artikel 1=56 €/t
Artikel 2=8 €/t
Artikel 3=0,35 €/Stück ./. 8 % Rabatt
Preisstellung: Zement ab Werk, bei Lieferung frei Baustelle zuzüglich
insgesamt 100 €
Zahlungsbedingung: 30 Tage ohne Abzug
Auf der Grundlage dieser Angebote sowie der Liefer- und Zahlungsbedingungen lässt sich nun der Preisspiegel wie folgt erstellen (Preise in €):
ArtikelAngebot AAngebot B
Nr.MengeArtEinzelpreisGesamtpreisEinzelpreisGesamtpreis
120 tZement PZ60,00 €1.200,00 €56,00 €1.120,00 €
- 5 %- 60,00 €frei Baustelle100,00 €
2300 tKies (4-9 mm)10 €3.000,00 €8,00 €2.400,00 €
3100.000 StMauerziegel0,30 €30.000,00 €0,35 €35.000,00 €
- 8 %- 2.800,00 €
Einstandspreis frei Baustelle34.140,00 €35.820,00 €
Skonto- 3 %- 1.024 €0,00 €
Bareinstandspreis frei Baustelle33.115,80 €35.820,00 €
Schlussfolgerung für den Einkauf der Stoffe:
Die Baustoffe können am preisgünstigsten vom Anbieter A bezogen werden. Spielen andere Überlegungen keine Rolle, so würde man bei A bestellen. Zu klären bliebe in diesem Zusammenhang evtl. noch eine weitere Form des Preisnachlasses, d. h. die nachträgliche Gewährung eines Bonus.
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