Buchhaltung / Rechnungswesen

Materialverbrauchsermittlung

Materialkosten entstehen mit dem Verbrauch, d. h. dem Einbau in das Bauwerk auf der Baustelle.
Von Interesse ist besonders der Verbrauch an Baustoffen (Materialien) als Kostenposition im Ist
  • monatlich im Rahmen der Baustellenabrechnung für die Gegenüberstellung zu den Bauleistungen sowie
  • insgesamt für die einzelnen Bauwerke bzw. Bauaufträge (Kostenträger) für die Gegenüberstellung zu den Soll-Kosten gemäß Vertrags- und Arbeitskalkulation im Soll-lst-Vergleich zu den Kosten.
Die Ermittlung des Verbrauchs an Einbaustoffen auf Baustellen kann nach folgenden Methoden vorgenommen werden:
  1. Einzelerfassung des Materialverbrauchs mit belegmäßigem Einzelnachweis der Materialentnahme, meistens nur für Ausbaugewerke wie Elektroinstallationsmaterial, Farben, Tapeten, Fliesen u. a. angewandt,
  2. Materialverbrauchsermittlung durch Aufnahme (oder Schätzung) des Endbestandes, für Massenbaustoffe üblich. Bei dieser Methode wird der Materialverbrauch je Baustelle, ausgehend vom Endbestand einer körperlichen Aufnahme, ermittelt und zwar durch folgende Gegenüberstellung:
    Anfangsbestand zum 1. des Monats
    + Zugänge
    - Umlagerungsabgänge, Verkauf, Verschrottung
    - Endbestand laut Aufnahme am Monatsende
    = Materialverbrauch im Monat
  3. Materialverbrauchsermittlung nach dem Soll-Verbrauch der Bauaufträge, ebenfalls zu empfehlen für Massenbaustoffe und deren Verbrauchszuordnung nach einzelnen Bauwerken auf einer Baustelle.
    Grundlage bildet der Soll-Verbrauch der einzelnen Bauwerke bzw. Bauaufträge in Abhängigkeit von der Leistung. Dabei ist der normative Verbrauch zunächst als Ist-Verbrauch anzunehmen. Mindestens einmal im Quartal sollte auf der Grundlage einer körperlichen Bestandsaufnahme eine Gegenüberstellung der errechneten mit den tatsächlich vorhandenen Beständen durchgeführt werden. Auftretende Verbrauchsabweichungen sind dann den einzelnen Bauwerken entsprechend der Verursachung zuzurechnen.
    Sofern eine getrennte Lagerung der Bestände nach einzelnen Objekten bzw. Bauwerken nicht erfolgt bzw. nicht möglich ist, sollten festgestellte Verbrauchsberichtigungen prozentual entsprechend dem Ist-Verbrauch der Materialarten dem jeweiligen Bauwerk zugeordnet werden. Diese Methode wird insbesondere für Massenbaustoffe empfohlen, z. B. für Bindemittel und Zuschlagstoffe. Sie setzt eine differenzierte und exakte Arbeit zur Ermittlung von Materialaufwandskennzahlen voraus.
    Die Berechnung für den Verbrauch von Zuschlagstoffen unter "Beispiele" verdeutlicht die Methode.
  4. Reaktivierung der Materialbestände:
    Diese Methode wird zunehmend und vorzugsweise für Materialien, bei denen in der Regel eine getrennte Lagerung je Bauwerk erfolgt, angewendet. Zunächst werden sämtliche Materialeingänge auf der Baustelle als Kosten erfasst. Durch die Reaktivierung der Materialbestände am Monatsende wird der Verbrauch festgestellt, indem die reaktivierten Bestände den Materialkosten gutgeschrieben werden.
    Die aufgeführten Methoden der Materialverbrauchsermittlung können auf den Baustellen auch nebeneinander angewendet werden und zwar entsprechend den unterschiedlichen Bedingungen und den zu schaffenden Voraussetzungen. Bestandsaufnahmen, wie sie zu der angeführten 2. und 3. Methode erforderlich sind, gelten nicht als Bestandsaufnahmen im Sinne der Inventur. Sie dienen lediglich der Ermittlung des ausgewiesenen Materialverbrauchs. Mindestens einmal jährlich sind die Materialbestände auf den Baustellen nach den Vorschriften der Inventur aufzunehmen.
    Unabhängig von der angewendeten Methode zur Verbrauchsermittlung ist im Rahmen des Soll-Ist-Vergleichs eine Gegenüberstellung des Soll-Verbrauchs für die Ist-Produktion mit dem Ist-Verbrauch durchzuführen. Festgestellte Differenzen sind zunächst als Verbrauchsdifferenzen auszuweisen. Sie enthalten ggf. alle möglichen Unregelmäßigkeiten, so z. B. Fehler in der Belegführung, unrechtmäßige Materialentnahme. Vom bauleitenden Personal müssen die Differenzen hinsichtlich ihrer Ursachen geklärt und sofort erkennbare Verluste registriert und ausgewertet werden.
Beispiel

Verbrauch Zuschlagstoffe

Materialverbrauchsermittlung nach dem Soll-Verbrauch der Bauaufträge

Für eine Baustelle wird im Monat April folgender Verbrauch für Zuschlagstoffe (Kies) durch Aufnahme bzw. Schätzung des Endbestands zum Monatsende ermittelt:
Anfangsbestand zum 01.04.=200.000
+Zugänge im Monat=400.000
./.Abgänge durch Umlagerung auf eine andere Baustelle=30.000
./.Endbestand am 30.04. (Aufnahme oder Schätzung)=150.000
=Materialverbrauch im April im Ist=420.000
Soll-Verbrauch für Kies:
Auf der Baustelle werden Bauleistungen zugleich an drei Bauwerken bzw. Bauaufträgen ausgeführt. Eine getrennte Lagerung der Bestände nach Bauobjekten ist nicht möglich. Für die drei Bauobjekte der Baustelle wurde folgender Soll-Verbrauch für Kies in den Arbeitskalkulationen (mit Bezug auf die Bauleistung im April) ausgewiesen:
Bauobjekt A=100.000
Bauobjekt B=180.000
Bauobjekte=120.000
gesamter Soll-Verbrauch für die Baustelle=400.000
Mehrverbrauch:
Für die Baustelle stellt sich ein Mehrverbrauch von 5 % bzw. 20.000 € folgendermaßen dar:
Formel und Beispielberechnung Mehrverbrauch
Aufschlüsselung des Mehrverbrauchs:
Nun kann der Mehrverbrauch auf der Grundlage des Soll-Verbrauchs auf die drei Bauobjekte aufgeschlüsselt werden:
BauobjekteSoll-Verbrauch
Verteilung Mehrverbrauch 5 %
angenommener Ist-Verbrauch
A100.000+ 5.000105.000
B180.000+ 9.000189.000
C120.000+ 6.000126.000
Baustelle400.000+ 20.000420.000
02.04.2016
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