Die 5. BIM-Dimension verknüpft das digitale 3D-Modell mit der Kostenplanung und ermöglicht so eine automatisierte, genaue und projektbezogene Berechnung von Baukosten.
Was bedeutet 5D-Kostenplanung?
Die BIM-Dimensionen (Building Information Modeling) beschreiben die schrittweise Anreicherung eines digitalen 3D-Gebäudemodells mit zusätzlichen Informationsebenen, die verschiedene Aspekte des Bauwerkslebenszyklus abdecken: Ziel von BIM ist ein vernetztes, digitales Modell, das alle Projektphasen – von der Planung bis zur Nutzung – integriert und so für mehr Effizienz, Transparenz und Qualität im Bauprozess sorgt.
Im vorliegenden Beitrag soll die 5D-Kostenplanung im BIM-Prozess im Mittelpunkt stehen. Sie integriert sowohl die Kostenermittlung als auch die Baukalkulation direkt in das BIM-Modell. Dies ermöglicht eine präzise und automatisierte Prognose der Baukosten, basierend auf den Daten des 3D-Modells. Die Kosten für Material, Arbeitsaufwand und weitere Kostenarten können basierend auf den exakten Spezifikationen und Anforderungen des Projekts präzise und in Echtzeit ermittelt werden.
Die Kernfunktionen von 5D-BIM sind:
Automatisierte Ableitung von Kosten aus dem Modell, wie z. B. Material oder Arbeitszeit.
Dynamische und fortlaufende Kostenverfolgung.
Reduzierung manueller Berechnungen und Fehlerquellen.
Echtzeit-Budgetkontrolle während aller Projektphasen.
Automatisierung des Kostenmanagements
In einem 5D-BIM-Prozess werden die Kosteninformationen mit automatischer Unterstützung aus den geometrischen und qualitativen Daten des BIM-Modells generiert.
Dies bedeutet, dass jede Änderung am Modell unmittelbar eine Aktualisierung der zugehörigen Kosteninformationen nach sich zieht, sei es:
Diese dynamische Kostenermittlung minimiert die Risiken, die mit manuellen Berechnungen verbunden sind, da menschliche Fehler bei der Datenerfassung und -übertragung reduziert werden.
Dynamische Kostenverfolgung
Die 5D-Planung ermöglicht eine kontinuierliche und dynamische Kostenverfolgung über den gesamten Projektverlauf. Anstatt Kosten nur zu festgelegten Zeitpunkten manuell zu aktualisieren, bietet die 5D-Planung eine Echtzeit-Übersicht über die finanziellen Entwicklungen im Projektverlauf. Dies erleichtert die Budgetkontrolle und ermöglicht ein proaktives Kostenmanagement, bei dem Budgetüberschreitungen frühzeitig erkannt und Gegenmaßnahmen eingeleitet werden können.

Im 5D-BIM-Prozess werden Kosteninformationen automatisch aus den Modelländerungen abgeleitet und fortlaufend aktualisiert.
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DIN BIM Cloud und DBD-BIM
Ein innovatives Konzept, das die 5D-Planung und die Interoperabilität zwischen verschiedenen BIM-Softwarelösungen unterstützt, ist die DIN BIM Cloud. Diese Plattform publiziert standardisierte, herstellerneutrale BIM-Daten zur Beschreibung von Bauteilen. Diese standardisierte Grundlage ermöglicht eine weitere Automatisierung von Prozessen. Mit der Anwendung DBD-BIM lassen sich Bauteilbeschreibungen nach DIN BIM Cloud konfigurieren und in einem DBD-BIM-Key speichern. Der DBD-BIM-Key ermöglicht es, Bauteilbeschreibungen eindeutig über Softwareapplikationen hinweg zu transportieren, auszulesen und z. B. für die Kostenermittlung zu nutzen. Softwareübergreifende Kostenplanung
Durch den Einsatz des DBD-BIM-Keys können Planer ihre Kostenermittlung bereits in ihrer CAD-Software erstellen und dennoch sicherstellen, dass die erzeugten Modelle ohne Informationsverlust mit den Kostenplanungswerkzeugen anderer Anbieter auswertbar sind. Dies fördert die Flexibilität und Interoperabilität im BIM-Prozess und ermöglicht eine softwareübergreifende, automatisierte Kostenplanung sowie ihre Fortschreibung und Detaillierung über alle Phasen hinweg.
Die Integration von Building Information Modeling (BIM) in den Ausführungsprozess von Bauprojekten bringt signifikante Vorteile, insbesondere wenn es um die Handhabung von Veränderungen während der Bauausführung, wie z. B. Nachträgen, geht. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Verwendung des Industry Foundation Classes (IFC) Standards, der einen offenen und herstellerunabhängigen Datenaustausch ermöglicht. Durch die Erzeugung von IFC-Dateien aus dem CAD-System können Informationen effizient im Modell dokumentiert und in Kostenplanungs-, AVA- oder Handwerkersoftware übertragen werden.
Automatisierte Aktualisierung von Kosten
Durch den Import aktualisierter IFC-Dateien in die AVA- oder Handwerkersoftware lässt sich die Berechnung der entstehenden Kosten automatisiert an fortgeschriebene Planungsentscheidungen anpassen. Dieses Verfahren ersetzt die bisher oft manuell geführten Excel-Tabellen, die nicht nur zeitintensiv in der Pflege waren, sondern auch ein hohes Fehlerrisiko bargen.
Manuelle Fehler bei der Dateneingabe oder das Übersehen von Aktualisierungen können zu erheblichen Diskrepanzen in der Kostenkalkulation führen, was wiederum zu unerwarteten finanziellen Überraschungen am Ende des Projekts führen kann.
Vorteile der Synergie zwischen Fachplanern und Ausführenden
Die enge Zusammenarbeit zwischen Fachplanern und dem ausführenden Unternehmen unter Verwendung von BIM und IFC verbessert nicht nur die Zuverlässigkeit der Kostenplanung, sondern fördert auch eine transparente Kommunikation über den aktuellen Stand des Projekts.
Jede Änderung im Bauablauf oder in den Bauplänen wird direkt im Modell reflektiert und kann unmittelbar in die Kostenüberwachung einfließen. Dies ermöglicht eine kontinuierliche Kostenkontrolle und verringert das Risiko von Budgetüberschreitungen.
Der Experten-Tipp
„Die automatisierte Datenübertragung zwischen CAD-Planung und AVA- bzw. Handwerkersoftware erhöht die Prozesseffizienz und verbessert die Kostengenauigkeit erheblich. Weniger manuelle Eingaben senken das Fehlerrisiko. Änderungen und Nachträge lassen sich laufend und effizient berücksichtigen.“ „Hier ein Beispiel: Die manuelle Erstellung des Leistungsverzeichnisses für ein Wohngebäude mit 72 Wohnungen und 12.000 Bauteilen hätte etwa sechs Mannwochen benötigt. Im Gegensatz dazu erstellte BIM-gestützte Software die Leistungsverzeichnisse vollständig und fehlerfrei in nur 35 Minuten – bei deutlich höherer Genauigkeit.“