BIM

Experten im Bauprofessor-Gespräch: Dr. Gerald Faschingbauer – „Die DIN-BIM-Cloud liefert standardisierte Bauteileigenschaften für den BIM-Prozess“

09.01.2020
Die DIN-BIM-Cloud.de - sozusagen das Vokabelheft für eine gemeinsamen BIM-Sprache - stellt standardisierte Beschreibungen aus der BIM-Klassifikation nach und dem Ordnungssystem von STLB-Bau für Bauteile, Merkmale und deren Ausprägungen zur Verfügung.
Dr. Gerald Faschingbauer
Bild: © Dr. Gerald Faschingbauer
Dr. Gerald Faschingbauer ist Arbeitskreisleiter bei DIN für den BIM-Datenaustausch. Er leitet dieses Spiegelgremium und ist somit nicht nur an der Entwicklung von BIM-Software bei Dr. Schiller & Partner beteiligt, sondern auch in der nationalen und internationalen Standardisierung tätig. Auf BIM kam der gelernte Bauzeichner aus dem Bayrischen Wald während seiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Bauinformatik der TU Dresden, wo er promovierte.

Bauprofessor: Wie ging das los mit Ihnen und BIM (Building Information Modelling) am Institut für Bauinformatik?
Dr. Gerald Faschingbauer: „Ich bin dort schon sehr früh mit Datenstrukturen im Bauwesen in Berührung gekommen. Vor allem auch mit dem Thema Produktmodellierung. Ein Bauwerk ist ja auch ein Produkt. Damals hieß das noch gar nicht BIM und war doch nichts anderes.“
Bauprofessor: Dem Thema sind Sie treu geblieben, nur dass es heute eben BIM heißt. Was genau machen Sie jetzt beruflich?
Dr. Gerald Faschingbauer: „Ich bin als Geschäftsführer bei Dr. Schiller & Partner für das Thema BIM von der Entwicklung bis zum Vertrieb zuständig, halte Vorträge, Webinare, leite Schulungen und bin in der Standardisierung tätig. In unserem interdisziplinären Team entwickeln wir BIM-Lösungen für die modellbasierte Kostenermittlung, Bauteilbeschreibung und Leistungsbeschreibung.“
Bauprofessor: Die neueste Entwicklung, an der Sie und Ihre Kollegen bei Dr. Schiller und Partner beteiligt waren, ist die DIN-BIM-Cloud, www.din-bim-cloud.de, ein Onlinedienst. Wozu kann man den verwenden?
Dr. Gerald Faschingbauer: „Im BIM-Prozess ist das Bauwerksmodell ein Mittel der Kommunikation. Das Bauwerksmodell enthält Informationen darüber, was zu bauen ist, gegebenenfalls auch wie es zu bauen ist. Und um solche Bauwerksmodelle nach einem Standard aufzubauen, braucht man ein vereinheitlichtes, oder standardisiertes Vokabular. Die DIN-BIM-Cloud stellt standardisierte Beschreibungen aus der BIM-Klassifikation nach STLB-Bau und aus dem Ordnungssystem von STLB-Bau für Bauteile, Merkmale und auch ihre Ausprägungen zur Verfügung. Quasi, wie so eine Art Vokabelheft einer gemeinsamen BIM-Sprache der am Bau Beteiligten.“
Bauprofessor: Und jeder Planer, der dieses Vokabelheft, das im Onlinedienst „BIM Content Bibliothek“ heißt, kennt und anwendet, kann problemlos mit einem anderen Planer, Architekten, Bauunternehmer kommunizieren?
Dr. Gerald Faschingbauer: Noch besser, die Kommunikation funktioniert sogar auf zwei Ebenen. Auf der einen Seite für die Anwender über Klartextbezeichnungen, so wie wir das üblicherweise kennen, und auf der anderen Seite über eindeutige Identifikatoren (GUIDs ( G lobally U nique I dentifier)), die maschinenlesbar und -interpretierbar sind. Also letzten Endes haben wir hier das Zusammenspiel von Mensch und Maschine. Der Mensch liest die deutschsprachigen Vokabeln, die Maschine nutzt die eindeutigen Identifier quasi im Hintergrund, um die Daten eindeutig zu erkennen, sodass auch Software-Anwendungen diese Informationen automatisiert verstehen und benutzen können, um die verschiedenen Prozesse im Bauwesen mit Informationen zu bedienen.“
Bauprofessor: Wie kann der Anwender die ID´s als eindeutige BIM-Vokabeln nutzen?
Dr. Gerald Faschingbauer: „Indem er die ID´s über seine Anwendungssoftware in den Datenaustausch transportiert. Die IDs sollen letzten Endes dem Open BIM Gedanken folgend in standardisierten IFC-Modellen stehen. Dort müssen sie erst einmal hin. Das kann auf verschiedenen Wegen erfolgen, a) man kopiert sie aus der DIN-BIM-Cloud heraus, deswegen gibt es die Kopierfunktion, übernimmt sie an die geeignete Stelle im Modell, sodass sie im IFC-Datenaustausch transportiert wird. Es gibt aber auch b) den einfacheren Weg. Man kann DBD-BIM benutzen, um die Bauteile in Modellen zu beschreiben und dann sorgt DBD-BIM als Dienst dafür, dass diese ID´s und auch die Klartextbezeichnungen an die richtigen Stellen in einem Modell geschrieben werden. Diese Nutzung der DIN-BIM-Cloud – Eigenschaften wurde in DBD-BIM mit dem Weihnachts-Update kostenlos ermöglicht.“
Bauprofessor: Also ist die DIN-BIM-Cloud auch ein Angebot an Softwarehäuser um die ID´s einzubauen und dann in den Programmen nutzbar zu machen?
Dr. Gerald Faschingbauer: „Die DIN-BIM-Cloud ist sowohl ein Angebot an Softwarehäuser als auch an Anwender. Anwender können die Bauteileigenschaften in Form von Klartextbezeichnungen oder als ID´s aus der DIN-BIM-Cloud über die vorhin genannten Wege entnehmen und sie in ihr Modell einfügen. Softwarehäuser können die ID´s beispielsweise nutzen, um ihre softwareinternen Daten mit DBD-BIM zu vernetzen oder anderweitig zu ergänzen. Diese Möglichkeiten wurden z. B. auch genutzt, um bei den DBD-BIM Plugins für Autodesk Revit oder für ARCHICAD eine direkte Verknüpfung zwischen internem Content und DBD-BIM herzustellen. Anwender gelangen damit sehr schnell und einfach zu Bauteilbeschreibungen, die eine automatisierte Ableitung von Leistungsbeschreibungen und Kostenermittlungen ermöglichen.“
Bauprofessor: Neben der Kopierfunktion für die ID´s und Klartextbeschreibungen der Merkmale und Ausprägungen der Bauteile der BIM Content Bibliothek kann man über Links an den Bauleistungen aus der DIN-BIM-Cloud zu normativen Verweisen ins Baunormenlexikon.de springen. Warum ist das so?
Dr. Gerald Faschingbauer: „Die DIN-BIM-Cloud hat den Vorteil, dass sie sich des Ordnungssystems von STLB-Bau – Dynamische BauDaten, bedient und dieses an der Stelle auch nutzbar macht. Das STLB-Bau hat sich in der derzeitigen Form über ein viertel Jahrhundert entwickelt und Texte für Bauleistungen konsequent nach Merkmalen und Ausprägungen strukturiert. Diese Merkmale und Ausprägungen sind zum größten Teil bereits standardisiert. Sie stammen aus den tausenden von DIN-Baunormen. Deswegen ist auch die Verknüpfung der Normenabschnitte des Baunormenlexikons mit der DIN-BIM-Cloud und auch mit STLB-Bau möglich. Weil die Merkmale und Ausprägungen aus den Normen stammen, können die Normen die Merkmale und Ausprägungen auch bestmöglich erklären. STLB-Bau, die BIM-Klassifikation nach STLB-Bau (DIN SPEC 91400) und damit auch die DIN-BIM-Cloud sind letztlich also digitale Anwendungen der Baunormen."
Bauprofessor: DIN SPEC 91400 ist also Bestandteil der DIN-BIM-Cloud?
Dr. Gerald Faschingbauer: „In der DIN SPEC 91400 wurden, die Daten zu den Bauteilgruppen mit ihren Merkmalen und Ausprägungen als bauteilorientierte Ergänzung zum leistungsorientierten STLB-Bau in einer Katalogdatei bereitgestellt, als eine komplexe IFC-Datei. Und in der DIN-BIM-Cloud wurde diese BIM-Klassifikation in Kombination mit dem Ordnungssystem von STLB-Bau nun sichtbar gemacht, bedienbar in einem Dialog, sodass Auftraggeber, Planer und Bauunternehmer hier sauber nach standardisierten Bauteileigenschaften recherchieren können.“
Bauprofessor: Im Onlinedienst DIN-BIM-Cloud.de gibt es auch eine Community. Hier sollen Anwender die Möglichkeit haben sich an der Entwicklung von BIM-Content zu Bauteilen und Bauleistungen einzubringen. Wer kann mitmachen und wie?
Dr. Gerald Faschingbauer: „Architekten, Planer, Bauhandwerker und Bauunternehmer, alle können sich einbringen. Alle, die die gemeinsame „Weltbausprache“ BIM für eine praktische Anwendung weiterentwickeln wollen. Und je nach verfügbarem Zeitbudget kann man entweder einfach, direkt und unverbindlich Anregungen online einreichen oder in der Gremienarbeit mitwirken. Dabei kann man in drei Namenskomplexen mitwirken:
  • im Namenskomplex 1, das ist die BIM-Klassifikation nach STLB-Bau, sprich die DIN SPEC 91400 - bauteilorientierte Ergänzungen zum Ordnungssystem von STLB-Bau
  • im Namenskomplex 2, das ist das Ordnungssystem von STLB-Bau mit bauleistungsorientierten Merkmalsgruppen und Teilleistungsgruppen und
  • im Namenskomplex 3 sind Ergänzungsmöglichkeiten interessierter Kreise möglich.
Im Namenskomplex 2 im STLB-Bau engagieren sich bereits sehr viele Experten. Denn es gibt momentan bereits 77 Leistungsbereiche jeweils mit Arbeitskreisen. Dort werden mit dem Ziel Ausschreibungstexte zu generieren, diese Merkmale und Ausprägungen bereits standardisiert. Wer sich also für STLB-Bau engagiert, der engagiert sich gleichzeitig auch für die DIN-BIM-Cloud und für diese Standardisierung. Für den Namenskomplex 1 die DIN-BIM-Klassifikation nach STLB-Bau wird DIN noch Arbeitskreise etablieren, die die Inhalte weiter betreuen und pflegen. Der Namenskomplex 3 soll eine Möglichkeit sein, um auch Merkmale unterzubringen, die für die Leistungsbeschreibung nicht gebraucht werden, die aber notwendig sind, um bestimmte Aufgaben im Bauprozess oder im Planungsprozess zu erfüllen. Z. B. ob eine Tür links anschlagend oder rechts anschlagend ist, spielt für den Ausschreibungstext keine Rolle, ist aber möglicherweise als Information in einem Bauwerksmodell wichtig. Wenn interessierte Kreise ein solches Merkmal standardisieren wollen, dann können sie das in diesem Namenskomplex 3 unterbringen.“
Bauprofessor: Wie sehen Sie die weitere Entwicklung von BIM? Architekten, Planer, Unternehmer sind zum Teil schon auf den „BIM-Zug“ aufgesprungen, andere stehen noch zögernd an der Strecke. Was möchten Sie den Zaudernden sagen, wo geht es perspektivisch Ihrer Meinung nach hin mit BIM?
Dr. Gerald Faschingbauer: „Ich gehe davon aus, dass sich die BIM-Methode etablieren wird. Eine zunehmende Zahl von Anwendern wird sich mit BIM beschäftigen. Ich glaube, das Bauwerksmodell wird als zentraler Informationsträger noch eine große Bedeutung im Bauwesen bekommen. Das hängt natürlich von den BIM-Kenntnissen der am Bau Beteiligten ab. Der Faktor Mensch ist wesentlich. Da darf man sich bei all den technischen Möglichkeiten nichts vormachen. Man muss sich zu diesem Thema weiterbilden. Es gibt viele, die das im Moment noch nicht machen. Wir haben auch im Bauwesen derzeit eine sehr gute Konjunktur. Planer und Baufirmen sind mit ihren baupraktischen Tätigkeiten voll beschäftigt. Aber trotzdem beobachte ich, wie sich immer mehr Planungsbüros und auch Baufirmen, dem Thema BIM nähern, erste Schritte gehen, praktische Dinge probieren wollen. Diese Interessenten wollen wir natürlich auch mit unseren Produkten begeistern und damit in Ihren Prozessen unterstützen.
Wenn ich das letzte Jahrzehnt so betrachte, hat sich da wahnsinnig viel getan, insgesamt in der Branche und auch bei unseren Produkten. Deswegen denke ich, BIM wird sich etablieren. Ich glaube, in den voraussichtlich 25 Jahren bis zu meinem Ruhestand, wird mir wohl nicht langweilig werden.“
Bauprofessor: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Dr. Faschingbauer!
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