Baukonstruktion

Spundwand

Eine Spundwand ist eine fest im Boden verankerte Wandkonstruktion aus Einzelprofilen zur Sicherung von Baugruben, Böschungen und Ufern. Heute werden überwiegend Stahlspundwände eingesetzt.

Was ist eine Spundwand?

Eine Spundwand ist eine künstlich hergestellte Wandkonstruktion, die aus einzelnen Profilen (Spundbohlen oder Spunddielen) besteht.
Sie kann aus unterschiedlichen Materialien hergestellt werden, wie:
In der Praxis haben sich Spundwände aus Stahl in vielen Anwendungsbereichen etabliert. Stahlspundwände mit U- oder Z-Profilen sind heute am gebräuchlichsten – der Beitrag bezieht sich daher besonders auf diese Bauweise.

Aufgaben von Spundwänden

Spundwände übernehmen im Bauwesen sicherheitsrelevante Aufgaben, unter anderem:
  • Baugrubensicherung
    Spundwände stabilisieren Baugrubenwände bei begrenztem Platz (z. B. in Innenstädten oder Baulücken) und verhindern das Nachrutschen oder Eindringen von Erdreich.
  • Hang- und Böschungssicherung
    Spundwände sichern Hänge, Böschungen und Geländesprünge. So verhindern sie Erdrutsche sowie die Absenkung umliegender Flächen und stabilisieren das Gelände rund um die Baugrube.
  • Abdichtung gegen Wasser
    Stahlspundbohlen können durch zusätzliche Abdichtungen wasserdicht ausgeführt werden und schützen Baugruben vor drückendem Wasser, z. B. bei Baugruben, die unterhalb des Grundwasserspiegels liegen.
  • Absicherung gegen Schadstoffe
    Spundwände isolieren kontaminierte Böden und Baugruben und verhindern die Ausbreitung von Schadstoffen in die Umgebung.
Spundwände sichern Baugruben, Böschungen und Ufer – und schützen vor Erdrutsch, Wasser und Schadstoffen.
Spundwände sichern Baugruben, Böschungen und Ufer – und schützen vor Erdrutsch, Wasser und Schadstoffen. Bild: © © Aaron Ruffels, 123rf.com

Anwendung von Spundwänden

Stahlspundwände sind permanent wie auch temporär in vielen Bereichen einsetzbar:
Temporärer Einsatz
  • Baugrubenverbau:
  • Spezialtiefbau:
Permanenter Einsatz
    • Kaimauern,
    • Ufersicherungen,
    • Hochwasserschutz,
    • Schleusen oder
    • Dammbau.
  • Verkehrsbau:
    • Stützwände an Straßen und Eisenbahntrassen oder
    • Brückenwiderlager.
  • Umweltschutz:
    • Dichtwände,
    • Umschließung (Spundwandkasten) von kontaminierten Böden oder
    • Deponiebau.

Einbringung von Stahlspundwänden

Vor dem Einbringen von Spundbohlen ist eine Bodenanalyse notwendig, um ein geeignetes Bauverfahren zu ermitteln und zu prüfen, ob Einbringhilfen notwendig sind.
Analysiert werden unter anderem:
  • Schichtung des Baugrundes,
  • Korngröße, Kornform, Kornverteilung, Steineinschlüsse und Hindernisse sowie
  • Umlagerungs- und Verdichtungsfähigkeit.
Für die präzise Positionierung der Spundbohlen kommen Mäkler zum Einsatz – Führungseinrichtungen an Baumaschinen.
Die Bohlen werden über Schlösser (Nut-Feder-Verbindung) formschlüssig verbunden. Bitumen, quellfähige Dichtstoffe oder Schweißnähte sorgen für Wasserdichtigkeit.

Bauverfahren von Spundwänden

Die Wahl eines geeigneten Bauverfahrens für das Einbringen einer Stahlspundwand hängt von Faktoren ab, wie zum Beispiel:
  • Bodenbedingungen (Baugrundaufschluss),
  • angrenzende Bebauung oder
  • Einbindetiefe.
Grundsätzlich werden drei Bauverfahren für Stahlspundwände unterschieden:
  • Rütteln
    Vibration und Erschütterung reduzieren die Bodenreibung, verdichten den Boden und erleichtern das Einbringen und Herausziehen der Bohlen.
  • Rammen
    Die Spundbohle wird mit einem Gewicht, z. B. einem hydraulischen Schlaghammer, in den Boden geschlagen.
  • Pressen
    Das Bauteil wird mit direktem Druck in den Boden gepresst. Dieses Verfahren ist lärm- und erschütterungsarm, aber nur bei weichen Böden geeignet.

Statik von Spundwänden

Spundwände sind einseitig tief im Untergrund verankert und wirken statisch als Kragträger. Bei hohen Spundwänden kommen innenliegende Gurte oder schräge Streben zum Einsatz, die jedoch viel Platz beanspruchen. Platzsparender und eine Ergänzung zur Sicherung sind Verpressanker, die horizontal im Erdreich rückverankert werden.
Die statische Berechnung erfolgt nach der Erddrucktheorie, einem Konzept zur Berechnung der Kräfte, die Erdmassen auf Spundwände ausüben.

Regelungen und Normen für Spundwände

Die Einbringung von Spundwänden muss zur Sicherheit fachgerecht erfolgen. Dabei sind allgemein die EAB (Empfehlungen des Arbeitskreises „Baugruben“) und im Wasserbau die EAU (Empfehlungen des Arbeitskreises „Ufereinfassungen“) zu beachten.
Zudem sind bei der Einbringung von Spundwänden DIN-Normen zu beachten, unter anderem:
  • DIN EN 12063: Ausführung von Arbeiten im Spezialtiefbau – Spundwandkonstruktionen.
  • DIN 4124: Baugruben und Gräben – Böschungen, Verbau, Arbeitsraumbreiten.
  • DIN EN 1997-1: Eurocode 7 – Entwurf, Berechnung und Bemessung in der Geotechnik – Teil 1: Allgemeine Regeln.
  • DIN EN 1997-1/NA: Nationaler Anhang – National festgelegte Parameter – Eurocode 7: Entwurf, Berechnung und Bemessung in der Geotechnik – Teil 1: Allgemeine Regeln.
  • DIN EN 1997-2: Eurocode 7: Entwurf, Berechnung und Bemessung in der Geotechnik – Teil 2: Erkundung und Untersuchung des Baugrunds.
  • DIN 1054: Baugrund – Sicherheitsnachweise im Erd- und Grundbau – Ergänzende Regelungen zu DIN EN 1997-1.
Daria Kern
Ein Artikel von
Copyright bauprofessor.de Lexikon
Herausgeber: f:data GmbH Weimar und Dresden
Die Inhalte dieser Begriffserläuterung und der zugehörigen Beispiele sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung der f:data GmbH unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigung, Übersetzung, Mikroverfilmung und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Alle in diesem Werk enthaltenen Angaben, Ergebnisse usw. wurden von den Autoren nach bestem Wissen erstellt. Sie erfolgen ohne jegliche Verpflichtung oder Garantie der f:data GmbH. Sie übernimmt deshalb keinerlei Verantwortung und Haftung für etwa vorhandene Unrichtigkeiten.
Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Warenbezeichnungen usw. in diesem Werk berechtigt auch ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, dass solche Namen im Sinne der Warenzeichen- und Markenschutz-Gesetzgebung als frei zu betrachten wären und daher von jedermann benutzt werden dürfen.

Aktuelle Baupreise zu Spundwand

Ermitteln Sie aktuelle, verlässliche Preise zu Bauleistungen für alle Stadt- und Landkreise in Deutschland.

Beispiel Bauleistung
Euro-Zeichen

Orientierungspreis pro m

Einbringhilfen - Spundwände

Lockerungsbohrung Durchm. 300mm T bis 5m Boden GU

VON51,64 €
MITTEL53,57 €
BIS56,05 €

Stand: Monat Jahr (ohne USt.)
Euro-Zeichen

Zeitansatz pro m

Gesamt: 0,418 h (25 min)

Aktuelle Normen und Richtlinien zu "Spundwand"

Ausgabe 2024-09
Diese Norm legt Anforderungen, Empfehlungen und Hinweise über die Ausführung von verbleibenden oder temporären Spundwandkonstruktionen, kombinierten Spundwänden und Trägerpfahlwänden, sowie über die Handhabung von Geräten und Materialien fest.Sie wur...
- DIN-Norm im Originaltext -
DIN-Norm
Ausgabe 2012-01
Diese Norm gilt für geböschte und für verbaute Baugruben und Gräben, die von Hand oder maschinell ausgehoben und in denen insbesondere - Bauwerke, zum Beispiel Keller oder mehrgeschossige Tiefgaragen, errichtet, - Kanäle, zum Beispiel Abwasser-, Fern...
- DIN-Norm im Originaltext -
DIN-Norm
Ausgabe 2010-12
Diese Norm enthält Regeln für den Entwurf, die Berechnung und Bemessung von Tragwerken aus Stahl. Die Anwendbarkeit der Regeln wird, wenn erforderlich, im Text eingeschränkt.Diese Norm enthält keine Angaben zur Bemessung im Brandfall und ebenso bleib...
- DIN-Norm im Originaltext -
DIN-Norm
Ausgabe 2014-07
Diese Norm enthält Regeln für den Entwurf, die Berechnung und Bemessung von Tragwerken aus Stahl. Die Anwendbarkeit der Regeln wird, wenn erforderlich, im Text eingeschränkt.Diese Norm enthält keine Angaben zur Bemessung im Brandfall und ebenso bleib...
- DIN-Norm im Originaltext -
DIN-Norm
Ausgabe 2011-01
Diese Norm enthält Anforderungen, Planungs- und Ausführungsempfehlungen sowie Ausführungsbeispiele, einschließlich geeigneter Bauprodukte zur Einhaltung von Anforderungen an die Luftdichtheit von beheizten oder klimatisierten Gebäuden und Gebäudeteil...
- DIN-Norm im Originaltext -
DIN-Norm
Ausgabe 2018-01
Diese Norm gilt für Planung, Bemessung, Handhabung, Verarbeitung und Einbau von Fugenbändern.Diese Norm wurde vom Arbeitsausschuss NA 005-02-14 AA „Stoffe und Anwendung von Fugen-bändern in Beton“ im DIN-Normenausschuss Bauwesen (NABau) erarbeitet....
- DIN-Norm im Originaltext -
DIN-Norm
Ausgabe 2013-04
Dieser nationale Anhang liefert nationale Festlegungen für den Entwurf, die Berechnung und die Bemessung von Tragwerken aus Stahlbeton und Spannbeton aus normalen und leichten Gesteinskörnungen und zusätzlich auf den Hochbau abgestimmte Regeln, die b...
- DIN-Norm im Originaltext -
DIN-Norm
Ausgabe 2011-01
Aufstellung und Fortschreibung Europäischer Normen für Tragwerke aus Beton auf dem Gebiet der Regeln des Entwurfs, der Berechnung und der Bemessung von Hochbauten und Ingenieurbauwerken unter Berücksichtigung der Abhängigkeiten zwischen Bemessungsreg...
- DIN-Norm im Originaltext -
DIN-Norm
Ausgabe 2016-05
Diese Norm enthält die Ergebnisse von Brandprüfungen an Baustoffen, Bauteilen und Bauarten. Durch die Zuordnung zu Baustoffklassen bzw. Feuerwiderstandsklassen sind weitere Brandprüfungen für den bauaufsichtlich geforderten Nachweis der Brauchbarkeit...
- DIN-Norm im Originaltext -
DIN-Norm
Auszug im Originaltext aus DIN 4124 (2012-01)
8.3.1 Maßgebend für die Ausführung von Spundwandbauwerken ist DIN EN 12063. Zu den technischen Lieferbedingungen siehe DIN EN 10248-1 und DIN EN 10249-1, zu den Grenzabmaßen und Formtoleranzen DIN EN 10248-2 und DIN EN 10249-2.8.3.2 Spundwandverbau i...
- DIN-Norm im Originaltext -
DIN-Norm
Auszug im Originaltext aus DIN EN 12063 (2024-09)
... ...
- DIN-Norm im Originaltext -
DIN-Norm
Auszug im Originaltext aus DIN EN 12063 (2024-09)
8.5.1 Das Einbringverfahren, die zugehörigen Geräte und die Rammhilfen müssen auf der Basis von vergleichbaren Erfahrungen ausgewählt werden und mit dem in der Planung nach 7.2.1 bestimmten Profil übereinstimmen.8.5.2 Wenn keine vergleichbare Erfahru...
- DIN-Norm im Originaltext -
DIN-Norm
Auszug im Originaltext aus DIN EN 12063 (2024-09)
8.9.1 Gurte und Aussteifungen müssen entsprechend EN 1090-2 konstruiert und eingebaut werden (siehe auch 7.3.1).8.9.2 Um eine einheitliche Lastverteilung auf den Gurt sicherzustellen, müssen Spalten, die zwischen Spundbohle und Gurt auftreten, ausgef...
- DIN-Norm im Originaltext -
DIN-Norm
Auszug im Originaltext aus DIN EN 12063 (2024-09)
8.11.1 Wenn Spundbohlen gezogen werden, ist auf Folgendes zu achten: vertikale und horizontale Verformungen im benachbarten Boden; die Möglichkeit einer Verbindung verschiedener Grundwasserstockwerke. ... 8.11.2 Wenn die Spundbohlen in der Nähe vo...
- DIN-Norm im Originaltext -
DIN-Norm
Auszug im Originaltext aus DIN 4124 (2012-01)
4.3.1 Baugruben und Gräben sind zu verbauen, wenn nicht nach den Festlegungen von 4.2 gearbeitet wird. Dabei muss der obere Rand des Verbaus die Geländeoberfläche bei einer Tiefe bis einschließlich 2,00 m mindestens um 0,05 m, bei einer Tiefe von meh...
- DIN-Norm im Originaltext -
DIN-Norm
Auszug im Originaltext aus DIN EN 12063 (2024-09)
Bild 30 zeigt ein Beispiel für Felsdübel und Felsanker.8.12.1 Wenn die Anwendung von Felsdübeln notwendig ist, muss ein geeignetes Rohr an den Spundbohlen befestigt werden, um die genaue Positionierung des Dübels im Fels sicherzustellen.8.12.2 Um Ver...
- DIN-Norm im Originaltext -
DIN-Norm
Auszug im Originaltext aus DIN 4124 (2012-01)
8.2.1 Als senkrechte Tragglieder von Trägerbohlwänden (Bohlträger) sind in der Regel I-Träger nach DIN 1025 oder doppelte, durch Laschen fest miteinander verbundene U-Profile nach DIN 1026 zu verwenden. Sie müssen mindestens der Stahlsorte S235JR nac...
- DIN-Norm im Originaltext -
DIN-Norm
Auszug im Originaltext aus DIN EN 12063 (2024-09)
8.8.1 Die Lage, die Richtung und die Konstruktion der Verankerungen, einschließlich der Verbindungen mit den Gurten, müssen den Spezifikationen aus der Planung entsprechen.8.8.2 Die Beschaffenheit des Materials und die Verdichtung der Hinterfüllung m...
- DIN-Norm im Originaltext -
DIN-Norm
Auszug im Originaltext aus DIN EN 12063 (2024-09)
... ...
- DIN-Norm im Originaltext -
DIN-Norm

STLB-Bau Ausschreibungstexte zu "Spundwand"

Aktuelle, VOB-konforme und herstellerneutrale Ausschreibungstexte direkt für Ihre Ausschreibung oder Angebotserstellung.

Beispiel
STLB-Bau Ausschreibungstext:
Lockerungsbohrung als Einbringhilfe für Spundwände, Durchmesser 300 mm, Bohrtiefe bis 5 m, Homogenbereich 1, bestehend aus Boden mit einer Bodengruppe, Bodengruppe 1 GU DIN 18196 (Kies-Schluff-Gemisch), Tiefe oberer Horizont des Homogenbereiches von...
Abrechnungseinheit: m
Mehr zum Thema
Um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten, verwenden wir Cookies. Einige dieser Cookies sind erforderlich für den reibungslosen Ablauf dieser Website, andere helfen uns, Inhalte auf Sie zugeschnitten anzubieten. Wenn Sie auf „ Ich akzeptiere“ klicken, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.
Individuelle Cookie-Einstellungen Ich akzeptiere