Wärmedämmziegel sind tragende Ziegel, die Tragfähigkeit mit hoher Wärmedämmung kombinieren und zusätzliche Außendämmung oft überflüssig machen.
Was ist ein Wärmedämmziegel?
Ein Wärmedämmziegel, auch hochdämmender Ziegel genannt, ist ein spezieller Mauerziegel, der sowohl tragende als auch wärmedämmende Funktionen erfüllt.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Ziegeln ist er so konstruiert, dass er den Wärmeverlust durch die Gebäudehülle deutlich reduziert. Dadurch wird eine zusätzliche Außendämmung oft überflüssig oder stark reduziert.
Aufbau und Funktionsweise von Wärmedämmziegeln
Material und Poren
Wärmedämmziegel werden wie herkömmliche Mauerziegel aus gebranntem Ton gefertigt. Um die Wärmedämmeigenschaften zu verbessern, werden dem Ton oft Sägespäne oder Polystyrolkügelchen beigemischt. Diese verbrennen beim Brennvorgang und hinterlassen feine Luftkammern im Ziegel. Die entstehenden Poren wirken wie eine integrierte Dämmschicht und verbessern die Wärmedämmung des Ziegels deutlich. Form und Füllung
Auch die Form der Steine trägt zur Wärmedämmung von Leichthochlochziegeln bei. Zum Beispiel verfügen sie über viele luftgefüllte Kammern, die bereits ohne zusätzliche Füllung hohe Wärmedämmwerte erreichen. Bei entsprechender Wanddicke können sie ggf. Standards auf Passivhaus-Niveau erreichen.
Moderne Ziegeltypen verbessern die Wärmedämmung, weil ihre Hohlkammern mit Dämmstoffen wie Perlite oder Mineralwolle gefüllt sind. Diese Dämmstoffe unterbinden die Luftzirkulation innerhalb der Kammern und erhöhen dadurch die Energieeffizienz zusätzlich. 
Hochlochziegel und porosierte Ziegel sind Wärmedämmziegel.
Bild: © f:data GmbH
Vorteile von Wärmedämmziegeln
Wärmedämmziegel bieten zahlreiche Vorteile, insbesondere für einen energieeffizienten und nachhaltigen Hausbau, z. B.:
Ausgezeichnete Wärmedämmung Dank ihres niedrigen Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Wert) erfüllen Wärmedämmziegel vielfach ohne zusätzliche Dämmmaßnahmen die gesetzlichen Anforderungen an den Wärmeschutz und helfen so, Heizkosten zu senken.
Monolithisches Bauen möglich Wärmedämmziegel ermöglichen einen einschaligen Wandaufbau, der Stein übernimmt also sowohl Trag- als auch Dämmfunktion. Eine zusätzliche Außendämmung ist unnötig (z. B. Wärmedämmverbundsysteme (WDVS)) und spart Bauzeit und Kosten (u. a. für Instandhaltung).
Langlebig, robust und wartungsarm
Wärmedämmziegel sind mit Standardmauerwerkstechniken einfach zu verarbeiten. Sie sind robust gegen mechanische Beanspruchung, wie Dübel oder Wandbefestigungen. Häuser aus monolithischem Ziegelmauerwerk sind wertstabil und langlebig.
- Brandschutz
Im Brandfall erweisen sich Wärmedämmziegel als sicher, da sie nicht brennbar sind (Baustoffklasse A1) und keine toxischen Rauchgase freisetzen.
Umweltfreundlichkeit
Wärmedämmziegel bestehen aus natürlichen Rohstoffen wie Ton und Lehm. Da sie häufig aus regionalen Materialien hergestellt werden, entstehen kurze Transportwege und somit eine gute ökologische Bilanz. Zudem zeichnen sie sich durch eine lange Lebensdauer sowie eine hohe Recyclingfähigkeit aus.
Nachteile von Wärmedämmziegeln
Aufwendigere Verarbeitung
Wärmedämmziegel erfordern eine sehr sorgfältige Verarbeitung (z. B. bei der Vermeidung von Wärmebrücken an Übergängen und Anschlüssen). Spezielle Mörtel (z. B. Wärmedämm-Mörtel) sind oft vorgeschrieben. Um höhere Dämmwerte zu erreichen, sind dickere Außenwände nötig, was die nutzbare Wohnfläche verringern kann. Manche Ziegel sind aufgrund ihrer vielen Hohlkammern bruchanfälliger bei Transport und Verarbeitung.
Hinweise zur fachgerechten Verarbeitung
Die Leistungsfähigkeit von Wärmedämmziegeln hängt maßgeblich von der richtigen Verarbeitung ab.
Folgende Verarbeitungshinweise können dabei hilfreich sein:
Passenden Dünnbettmörtel oder Leichtmörtel verwenden, um Wärmeverluste zu minimieren.
Dünnbettmörtel vollflächig deckend auf die Ziegelstege auftragen, um eine Luftzirkulation zu verhindern.
Beschädigte Dämmstofffüllungen ausbessern.
Ziegel witterungsgeschützt lagern, um Durchfeuchtung zu verhindern.
Außenputze diffusionsoffen ausführen.
Fensterlaibungen, Deckenanschlüsse und Sockel wärmebrückenfrei ausführen, um Energieverluste zu vermeiden.
Übergänge von Außen- zu Innenwänden sorgfältig ausführen und ggf. zusätzliche Dämmung einbringen.
Befestigungen in gefüllten Ziegeln erfordern Spezialdübel oder Injektionssysteme (chemische Dübel).
Wärmedämmziegel haben ein höheres Gewicht als Leichtbauprodukte. Die Auswirkungen auf Statik und Fundament müssen beachtet werden.

Durch Porenstruktur und Dämmstofffüllung übernehmen Wärmedämmziegel die Wärmedämmung direkt im Mauerwerk.
Bild: © f:data GmbH
Vorschriften und Normen für Wärmedämmziegel
Relevante Normen im Zusammenhang mit Wärmedämmziegeln sind u. a.:
DIN EN 771-1: Festlegungen für Mauersteine – Teil 1: Mauerziegel. DIN EN 1996-1-1/NA: Nationaler Anhang – National festgelegte Parameter – Eurocode 6: Bemessung und Konstruktion von Mauerwerksbauten – Teil 1-1: Allgemeine Regeln für bewehrtes und unbewehrtes Mauerwerk. DIN 4109-1: Schallschutz im Hochbau – Teil 1: Mindestanforderungen.
Auch das „Gesetz zur Einsparung von Energie und zur Nutzung erneuerbarer Energien zur Wärme- und Kälteerzeugung in Gebäuden“ – kurz Gebäudeenergiegesetz (GEG) – ist im Zusammenhang mit dem Einsatz von Wärmedämmziegeln von Bedeutung. Der Expertentipp
„Wärmedämmziegel bieten eine ausgereifte Lösung, massive und gleichzeitig energieeffiziente Gebäude zu errichten. Sie zählen heute zu den am häufigsten eingesetzten Baustoffen im modernen Massivbau. Durch die Verbindung traditioneller Ziegelbauweise mit zeitgemäßen Dämmstandards vereinen sie statische und bauphysikalische Eigenschaften in einem einzigen Bauteil – die monolithische Bauweise wird damit möglich, ein zusätzliches Wärmedämmverbundsystem (WDVS) ist in der Regel nicht erforderlich. In vielen Fällen lassen sich damit die Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) erfüllen. Angesichts steigender Energiepreise und strenger Effizienzhaus-Vorgaben (KfW-Förderstandards) ist dies ein klarer Vorteil.“