Rohrlining ist ein Verfahren zur Rohrsanierung, bei dem neue Rohre in veraltete oder beschädigte Bestandsrohre eingebracht werden, ohne das Rohr komplett ausgraben und austauschen zu müssen.
Was ist Rohrlining?
Rohrlining, auch Relining genannt, ist ein grabenloses Verfahren zur Sanierung von Leitungen und Rohren. Dabei wird ein neues Rohr, ein Liner, über bereits vorhandene Zugangsöffnungen in sanierungsbedürftige Leitungen geschoben oder gezogen. Im Gegensatz zur vollständigen, offenen Rohrerneuerung, bei der sanierungsbedürftige Rohre entfernt und vollständig ersetzt werden, bleibt das Altrohr beim Rohrlining im Boden. Der eingebrachte Liner bildet anschließend die neue Rohrleitung und kann – abhängig vom Verfahren und der statischen Bemessung – die Funktion des Altrohrs teilweise oder vollständig übernehmen. Funktionen von Rohrlining
Rohrlining erfüllt bei der Sanierung von Rohrleitungen unterschiedliche Funktionen. Welche Funktionen im Einzelfall zum Einsatz kommen, hängt vom eingesetzten Lining-Verfahren, dem Zustand des Altrohrs und der Bemessung des Liners ab, z.B.:
Herstellung einer neuen, dichten Rohrinnenwand
Der Liner bildet innerhalb der bestehenden Rohrleitung eine neue Innenauskleidung bzw. Rohrwand. Dadurch können Risse, Undichtigkeiten, poröse Bereiche und undichte Verbindungen alter Rohre abgedichtet werden. So wird verhindert, dass das transportierte Medium (z.B. Trinkwasser, Abwasser oder chemische Stoffe) aus der Leitung austritt oder Fremdwasser eindringt.
Abdichtung
Undichte Stellen, Risse, poröse Bereiche oder schadhafte Rohrverbindungen werden durch Rohrlining abgedichtet, sodass kein Medium (z.B. Abwasser) austreten kann.
Trennung des Mediums vom Altrohr
Der Liner kann zudem den direkten Kontakt zwischen dem Medium und der Innenfläche des bestehenden Rohrs verhindern. Dadurch wird das Altrohr vor weiteren chemischen oder mechanischen Einwirkungen des Mediums geschützt. Auch das Medium wird vor Einflüssen aus der alten Rohrsubstanz geschützt. So kann die verbleibende Nutzungsdauer der sanierten Leitung erheblich verlängert werden.
Verstärkung und Stabilisierung
Das Verfahren kann die bestehende Rohrleitung stabilisieren und die Tragfähigkeit erhöhen, z.B. wenn Korrosion zur Schwächung des Rohrs geführt hat. Die glatte Innenoberfläche des eingelegten Liners kann die hydraulische Leistungsfähigkeit verbessern, sodass auch veraltete Leitungen oft wieder ihre technische Funktion erfüllen können.

Rohrlining ist ein grabenloses Verfahren, bei dem ein neuer Liner in ein bestehendes Rohr eingebracht wird.
Bild: © f:data GmbH
Einsatzgebiete von Rohrlining
Rohrlining kommt zum Einsatz, wenn bestehende Rohrleitungen veraltet oder beschädigt sind und ein Ausbau des vorhandenen Rohrs aus baulichen, statischen oder wirtschaftlichen Gründen nicht möglich oder sinnvoll ist. Die Eignung hängt vom Zustand, der Geometrie und den betrieblichen Anforderungen der vorhandenen Leitung sowie vom gewählten Rohrlining-Verfahren ab. Einsatzgebiete sind u.a.:
- Wasserwirtschaft
- Gasversorgung
- Gastransport- und Gasverteilungsleitungen
- Energieversorgung:
- Fernwärme- und Fernkälteleitungen
- Industrie
- Industrierohrleitungen
- Kühl- und Betriebswasserleitungen
Rohrlining eignet sich vor allem dort, wo Erdarbeiten, Verkehrsbehinderungen, Eingriffe in Gebäude oder andere bauliche Beeinträchtigungen möglichst vermieden werden sollen. Die konkrete Eignung muss jedoch für jede Leitung und das jeweils vorgesehene Lining-Verfahren gesondert geprüft werden.
Wie funktioniert Rohrlining?
Vor dem Rohrlining werden betroffene Leitungen gegebenenfalls stillgelegt und gereinigt. Anschließend wird das neue Rohr über eine punktuelle Baugrube oder vorhandene Kontrollschächte in das bestehende Altrohr eingebracht. Dabei sind zwei Einbauverfahren möglich: - Schieben
Neue Rohrsegmente werden am Anfang des zu sanierenden Abschnitts eingebracht und nacheinander mithilfe einer Schubvorrichtung in das Altrohr geschoben. - Ziehen
Das neue Rohr wird an einem Seil oder einer Winde befestigt. Am Ende des zu sanierenden Abschnitts wird eine Vorrichtung angebracht, die das neue Rohr durch das Bestandsrohr zieht.
Nach dem Einbau werden die vorhandenen Anschlussleitungen an das neue Rohr angebunden. Je nach Verfahren wird der ggf. entstandene Ringraum (Hohlraum zwischen Bestandsrohr und neuem Rohr) mit einer stützenden Suspension verfüllt.
Arten von Rohrlining
Rohrlining kann mit unterschiedlichen Verfahren ausgeführt werden, bei denen neue Rohre durch Schieben oder Ziehen in bestehende Leitungen eingebracht werden. Die Verfahren unterscheiden sich hinsichtlich ihrer statischen Wirkung und konstruktiven Eigenschaften. Die Wahl des Sanierungsverfahren hängt u.a. ab von:
- dem Zustand des vorhandenen Rohrs,
- den Eigenschaften der vorhandenen Leitung (z.B. Material und Durchmesser),
- den Anforderungen an das Leitungssystem,
- den Platzverhältnissen auf der Baustelle
Das Verfahren beeinflusst u.a. den Rohrquerschnitt, die maximal ausführbare Länge der Sanierung sowie die technischen Eigenschaften des sanierten Rohrsystems. Zu den Verfahren zählen u.a.:
Langrohrlining
Ein vorgefertigter, kontinuierlicher Rohrstrang aus miteinander verschweißten Einzelrohren mit gleichbleibendem Querschnitt wird in das bestehende Rohr eingezogen oder eingeschoben. Das Verfahren wird auch Rohrstrang-Lining genannt.
Close-Fit-Lining
Ist eine Form des Langrohrlinings, bei der ein thermoplastisches Rohr zur Vereinfachung für den Einbau vorübergehend im Querschnitt reduziert und anschließend wieder geweitet wird, sodass es eng am tragenden Altrohr anliegt und keine Ringräume entstehen.
Kurzrohrlining
Wird auch Segmentrohrlining oder Einzelrohr-Lining genannt. Einzelne, kurze Rohrsegmente werden in die zu sanierende Leitung eingebracht und miteinander verbunden.
Schlauchlining
Ein flexibler, kunstharzgetränkter Schlauch wird in das Bestandsrohr eingezogen, mit Innendruck aufgestellt und härtet durch chemische Reaktionen aus.
Wickelrohr-Lining
Ein profilierter Kunststoffstreifen wird spiralförmig in das bestehende Rohr eingebracht und miteinander verbunden, sodass vor Ort ein neues Rohr entsteht.
Materialien für Liningrohre
Für Lining-Systeme kommen je nach Sanierungsverfahren unterschiedliche Werkstoffe zum Einsatz. Dazu gehören u. a.: Kunststoffe
Ein häufig verwendetes Material für Liningrohre sind Kunststoffe, z.B.:
Verbundwerkstoffe
Für Liningrohre werden auch Kunststoffe in Verbund, z.B. mit Zementverfüllung oder Stahlbewehrung verwendet, z.B.:
- Gefüllter Polyesterharzformstoff (PRC)
- Glasfaserverstärkter duroplastischer Kunststoff (GFK)
- Polymerbeton (PC)
Synthetische Fasern und Reaktionsharz
Flexible Schläuche aus synthetischen Fasern (Kunststoffgewebe) werden mit einem Reaktionsharz beschichtet, das nach dem Einbringen des Schlauchs aushärtet. Geeignete Harze sind z.B.:
- Epoxidharz (EP)
- Ungesättigtes Polyesterharz (UP)
- Vinylesterharz (VE)
Vor- und Nachteile von Rohrlining
| Vorteile | Nachteile |
| ✔ | Platzsparende Sanierung Rohrlining erfordert nur wenige bzw. punktuelle Baugruben und eignet sich daher besonders für beengte Platzverhältnisse. |
| | ✗ | Anforderungen an das Altrohr Je nach Lining-Verfahren muss das bestehende Rohr bestimmte Voraussetzungen hinsichtlich Zustands, Geometrie und Zugänglichkeit erfüllen. |
|
| ✔ | Schutz des Liners: Das bestehende Rohr kann den eingebrachten Liner schützen und – abhängig vom Verfahren – zur Standsicherheit beitragen. |
| | ✗ | Reduzierte Querschnittsfläche Durch den eingebrachten Liner kann sich der nutzbare Rohrquerschnitt verringern. Das Ausmaß hängt vom jeweiligen Verfahren ab. |
|
| ✔ | Umweltschonend Die Nutzung vorhandener Infrastruktur vermeidet den Abriss und eine Neuverlegung. Ressourcen werden geschont und die Umgebung geringer belastet. |
| | ✗ | Technische Einschränkungen Bauliche Mängel im Altrohr (z.B. fehlendes Gefälle) können durch Rohrlining nicht behoben werden. |
|
| ✔ | Kürzere Bauzeit Durch den weitgehenden Verzicht auf offene Baugruben kann die Bauzeit kürzer als bei einer vollständigen Neuverlegung sein. |
| | ✗ | Nicht für jeden Sanierungsfall geeignet: Bei stark deformierten, eingestürzten oder anderweitig ungeeigneten Leitungen können andere Sanierungs- oder Erneuerungsverfahren erforderlich sein |
|
| ✔ | Geringere Kosten Im Vergleich zu einer offenen Neuverlegung mit Baugrube fallen in der Regel geringere Gesamtkosten an. |
| |