Investition/Finanzierung des Baubetriebs

Investitionsrechnung

Als Investitionsrechnung gelten die verschiedenen Verfahren zur Bestimmung der Wirtschaftlichkeit von Investitionen, besonders für die Auswahl von Investitionsalternativen und der wirtschaftlichsten Variante sowie für die Investitionsplanung.
Ob sich eine Investition bzw. der Erwerb einer Immobilie "lohnt", sollte auf Grundlage von Berechnungen beurteilt werden. Alle möglichen Investitionsarten können auch durch eine Zahlungsreihe beschrieben werden, die mit einer Auszahlung (Ausgabe) beginnt. Am Ende steht die Einzahlung (Einnahme als Rückfluss). Für die Wirtschaftlichkeit der Investition ist von Bedeutung, dass der Rückfluss größer als die Auszahlung ist, d. h. ein Nutzen (als Überschuss) eintritt. Übersteigen die Ausgaben die Einnahmen, wäre die Investition unrentabel und sicher zu unterlassen.
Unterschieden werden allgemein statische und dynamische Verfahren.
  • Kostenvergleichsrechnung,
  • Gewinnvergleichsrechnung,
  • Rentabilitätsrechnung,
  • Amortisationsrechnung.
Diese Verfahren nutzen einfache Rechenmethoden, sind übersichtlich, umkompliziert handhabbar und folglich in der Baupraxis für kurz- und mittelfristige Investitionen weit verbreitet. Das gilt vorrangig für den Kauf von Baumaschinen. Zu den dynamischen Investitionsrechnungen zählen besonders die
  • Kapitalwertmethode,
  • interne Zinssatzmethode,
  • Annuitätenmethode.
Dynamische Verfahren sind besonders geeignet bei der Auswahl von Investitionsalternativen bei langfristigen Investitionsmaßnahmen wie die Anschaffung von z. B. Gebäuden, Anlagen im betriebseigenen Betonwerk, Transportbetonmischanlagen u.a., da diese Verfahren die zeitlichen Unterschiede im Anfall von Einzahlungen (Erträge) und Auszahlungen (Kapitaleinsatz, Kosten) durch Auf- und Abzinsung auf einen einheitlichen Bezugszeitpunkt berücksichtigen. Dafür sind meistens komplizierte mathematische Berechnungen notwendig, die bei Nutzung der Rechentechnik heute aber kein Hindernis mehr sind.
Ergänzend zu den dynamischen und statischen Verfahren gilt als modernes Verfahren noch die VOFI-Investitionsrechnung, die auf sogenannten "Vollständigen Finanzplänen (VOFI)" basieren. In solchen Plänen werden alle mit der Investition verbundenen Zahlungen explizit dargestellt.
Wichtiger dabei ist weniger der Investitionszeitpunkt als vielmehr der Planungshorizont. Darauf werden alle Zahlungen bezogen. Möglich sind hierbei Entscheidungen, zwischenzeitlich Rückflüsse wieder anzulegen oder andere Zwischenfinanzierungen zu tätigen, wofür der Zinssatz frei bzw. den tatsächlichen Verhältnissen angepasst gewählt werden kann.
Die Investitionsrechnungen sind praktisch Rechenverfahren.
Sie betrachten eine Investition vorrangig
  • aus monitärer Sicht, im Sinne von Aus- und Einzahlungen,
  • über die gesamte Lebens- bzw. Nutzungsdauer im Sinne einer Mehr-Periodenrechnung,
  • für die einzelnen Investitionsobjekte, die Facilities, und nicht für das Unternehmen als Ganzes,
  • nach der absoluten und relativen Vorteilhaftigkeit, nach der optimalen Nutzungsdauer und dem wirtschaftlichsten Ersatzzeitpunkt einer Investition.
Die nichtmonitären Aspekte und Konsequenzen lassen sich durch die Investitionsrechnungen nicht erfassen. Für eine Investitionsentscheidung sind sie gesondert aufzubereiten und zu berücksichtigen. Das kann und sollte beispielsweise mit Hilfe von Nutzen-Kosten-Untersuchungen erfolgen und zwar im Sinne einer komplexen Wirtschaftlichkeitsbetrachtung. Hierfür sind auch kostenkalkulatorische Gesichtspunkte mit zu beachten, beispielsweise für ein Bauobjekt die Bauträgerkalkulation.
Nach obigen Aspekten unterscheidet sich die Investitionsrechnung grundlegend auch von den Aufgaben und Zielen wie sie z. B. der Kosten- und Leistungsrechnung (KLR) mit der kurzfristigen Periodenbetrachtung (Monat) für den Gesamtbetrieb sowie nach Abteilungen zum Nachweis des Betriebserfolgs gestellt wird.
27.02.2016
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