BIM

Experten im Bauprofessor-Gespräch: Dr. Klaus Schiller - Alles zur „BIM-Zwiebel mit Dynamischen BauDaten“

02.04.2020
Die „BIM-Zwiebel“ nutzt Dr. Klaus Schiller, um zu verdeutlichen, was es bedeutet, wenn in Software-Anwendungen DBD-BIM samt DIN BIM Cloud integriert wird. Welche Vorteile das für Software-Anbieter und -Anwender bringt, erklärt er im Expertengespräch.
Dr. Klaus Schiller
Dr. Klaus Schiller
Bild: © f:data GmbH
Das Zwiebelprinzip bei der Kleiderauswahl kennt jeder. Man trägt mehrerer Schichten übereinander, um gut gewärmt in den Tag zu starten. Wärmt einen später die Sonne oder man ist aktiv und die Körpertemperatur steigt, so kann man nach und nach die Schichten ablegen, und so die Körpertemperatur optimal halten.
Aber was ist das Zwiebelprinzip bei Software… oder im speziellen Fall die "BIM-Zwiebel mit Dynamischen BauDaten"? Geht es hier auch um das Ablegen von Komponenten? Nein - das Gegenteil ist der Fall. Mit dem Bild einer Softwarezwiebel soll verdeutlicht werden, dass verschiedene Schalen übereinander bzw. miteinander arbeiten und erst so der wertgemeinsame Nutzen der Softwareentwicklung und -anwendung entsteht. Oft werden auch die Worte Tools und Toolbar in diesem Zusammenhang gebraucht.
Die Zwiebel-Analogie nutzt Dr. Klaus Schiller gerne, um die Beziehungen einzelner BIM-Software-Komponenten zueinander und im Wechselspiel mit den Daten der Anwender und den Dynamischen BauDaten zu erklären. Der Erfinder der Dynamischen Baudaten meint, dass sich die "BIM-Zwiebel" aus der Baufachlichkeit entfaltet, wodurch sich eine gute BIM-Anwendersoftware auszeichnet.

Bauprofessor: Was ist der Sinn einer "BIM-Zwiebel mit Dynamischen BauDaten"?
Dr. Klaus Schiller: "Die "BIM-Zwiebel mit Dynamischen BauDaten" dient dem Miteinander vom Modeling (CAD) über AVA, Bauausführung bis zum Management beim digitalen Planen, Bauen und Betreiben von Bauwerken. Das wird erreicht durch die modellbasierte Beschreibung von Bauteilen und Bauleistungen sowie die Kostenermittlung, die mit Regeln der Technik (z. B. DIN, VDI) verknüpft sind. Als gemeinsamer Informationsträger dient dabei das Bauwerksmodell. Die Zwiebelarchitektur von BIM arbeitet im Verbund mit dem Bauwerksmodell und kann softwareübergreifend eingesetzt werden. So wird eine fortlaufende Nutzung in den verschiedenen Arbeitsprozessen ermöglicht."
Bauprofessor: Wie sieht die Beziehung zwischen "BIM-Zwiebel" und Bauwerksmodell aus?
Dr. Klaus Schiller: "Das digitale Bauwerksmodell ist das pragmatische Abbild eines räumlichen Bauteilgefüges. Es stellt das Bauteilgefüge in der Einheit von graphischer Geometrie und alphanumerischen Informationen dar. Das Geometriemodell ist der Körper, der durch baufachliches Wissen beseelt wird. Bei BIM geht es darum, einen digitalisierten Bausachverstand mit der digitalen Geometrie zu verschmelzen. Dadurch entsteht ein Bauwerksinformationsmodell (BIM). In der Praxis geschieht das in einem fortlaufenden Prozess. In diesem wird das alphanumerische BIM-Wissen mit dem geometrischen Bauwerksmodell schalenweise aufgebaut. Die "BIM-Zwiebel" ist also analog der Softwarezwiebel zu sehen, wo anwender- und hardwarenahe Tools miteinander agieren."
Bauprofessor: Wie baut sich die "BIM-Zwiebel mit Dynamischen BauDaten" auf?
Dr. Klaus Schiller: "Der innere bzw. "1. Zwiebelring" ist die DIN BIM Cloud. Diese beruht auf bereits standardisierten Eigenschaften aus der europäischen und nationalen Normung. Diese normative Wissensbasis ist das "Domain Model" und stellt die strukturierte Baufachsprache für BIM zur Verfügung. (Anmerk. d. Red.: Weitere Erläuterungen zur DIN BIM Cloud finden Sie im Expertengespräch mit Dr. Faschingbauer)
"BIM-Zwiebel mit Dynamischen BauDaten"
Bild: © f:data GmbH
Der "2. Zwiebelring" ist die Contentware DBD-BIM. Darin werden die Inhalte der DIN BIM Cloud in einer fachspezifischen Logik abgebildet sowie mit weiteren Daten und Funktionen verknüpft. Dieser "Domain Service Ring" beinhaltet z. B. die Beschreibung von Bauteilen in BIM-Modellen mit verlinkten Bauleistungen, Kosten und Regeln der Technik. Dabei ist DBD-BIM prozessübergreifend von CAD über AVA bis zur Bauauftragsrechnung nutzbar. Der standardisierte Content von DBD-BIM steht zentral und aktuell für beliebige Softwareanwendungen zur Verfügung. Dadurch können die gleichen BIM-Informationen von verschiedenen Anwendern in unterschiedlichen Bereichen genutzt werden - z. B. in Bauunternehmen und von Bauhandwerkern, in Architektur- bzw. Planungsbüros, in Baubehörden oder von Immobilien- und Facility-Managern. DBD-BIM ist in unterschiedlicher Fachsoftware für verschiedene Prozesse nützlich. So kann man BIM-Objekte mit Bauteileigenschaften der DIN BIM Cloud bis in die Informationstiefe der HOAI Leistungsphase 6 spezifizieren. Für die Kostenermittlung sind regionale Baupreise mit Preisanteilen und Zeitwert verknüpft. Für die LV-Erstellung werden Teilleistungen mit Kurztext und STLB-Bau-Schlüssel bereitgestellt, die auch mit eigenem Content mischbar sind. Diese können als Favoriten gespeichert und firmenintern geteilt werden. Durch die integrierte DIN BIM Cloud sind auch die DIN-Normen und VDI-Richtlinien vernetzt. Demnächst kann DBD-BIM ebenso für die Spezifikation von AIA (Austausch-Informations-Anforderungen) genutzt werden.
Um die Nutzung von DBD-BIM für viele Anwender zu ermöglichen, wurde eine open-BIM Anwendung mit offener API (engl. application programming interface = wrtl. dt. Anwendungs­programmier­schnittstelle) entwickelt. Über diese offene Programmierschnittstelle können Softwareentwickler DBD-BIM in ihre Programme einbinden.
Der "3. Zwiebelring" ist gekennzeichnet durch eine anwendungsspezifische Logik. Dieser "Application Service" wird durch die konkrete BIM-Anwendersoftware geprägt. Je nachdem, ob DBD-BIM in ein CAD-, ein AVA- oder ein Management-Programm integriert wird, so erfolgt dies auf softwaretypische Art und Weise. Dadurch kann DBD-BIM in den verschiedenen BIM-Lösungen unterschiedlich benutzt werden. Und doch benutzen alle im gleichen Sinne die DIN BIM Cloud.
Der "4. Zwiebelring" ist die äußere Schale. Sie stellt sich als die Bedienoberfläche der Anwendersoftware dar, die der Planer, Architekt, Bauausführende oder Facility-Manager in seiner konkreten IT-Infrastruktur bedient. Dabei nutzt er immer das BIM-Wissen, egal ob er z. B. gerade modelliert, projektiert, plant, kalkuliert, eine Ausschreibung erstellt oder bearbeitet, Informationen für die Bauausführung heraussucht oder Wartungs- oder Sanierungsarbeiten organisiert und betreut. Diese äußere Schale der "BIM-Zwiebel" ist die "Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine"."
Bauprofessor: Was also ist zusammengefasst der Vorteil der "BIM-Zwiebel mit Dynamischen BauDaten" aus der Sicht der Anwender?
Dr. Klaus Schiller: "Der Anwender benutzt die BIM-Zwiebel von außen nach innen. Architekten, Bauunternehmer, Bauhandwerker, Planer oder Facility-Manager können über die integrierte DIN BIM Cloud z. B. Änderungen in DIN-Normen aktuell in ihrer Software verwenden. Analog wird eine geänderte Bauteileigenschaft im Bauwerksmodell durch das eingebundene DBD-BIM automatisch auch in den verlinkten Bauteilen, Bauleistungen und Kosten seiner Projekte geändert.
Das bedeutet, dass eine Änderung, die tief im Inneren der "BIM-Zwiebel" berücksichtigt wird, sich an allen relevanten Stellen der Zwiebelringe bis hin zur Bedienoberfläche des Benutzers automatisch auswirkt. Der Anwender muss also nicht per Hand alle Änderungen mühsam und langwierig suchen und bearbeiten, sondern bekommt diese Arbeit über das integrierte BIM-Wissen zuverlässig, präzise und zeitsparend abgenommen."
Bauprofessor: Und was bringt die "BIM-Zwiebel mit Dynamischen BauDaten" den Softwareentwicklern?
Dr. Klaus Schiller: "Softwareentwickler, die ihre Programme von innen nach außen entwerfen und entwickeln, können durch die Integration der "BIM-Zwiebel" am "3. Zwiebelring" beginnen. So muss sich der Entwickler nicht mit Zehntausenden Merkmalen und Hunderttausenden Ausprägungen sowie mit Millionen kombinatorischer Verlinkungen von Bauwerksmodellen und Leistungsbeschreibungen beschäftigen. Über die offene Schnittstelle kann er die "BIM-Zwiebel mit Dynamischen BauDaten" integrieren und seinen Anwendern alle Vorteile von DIN BIM Cloud und DBD-BIM zugänglich machen."
Bauprofessor: In welche CAD-, AVA- und Management-Programme ist DBD-BIM über die open BIM-API bereits integriert? Wo ist DBD-BIM "inside"?
Dr. Klaus Schiller: "Bisher hat z. B. iTWO in seinem Objektbuch das DBD-BIM integriert. AVA-Softwarehäuser, wie Bechmann, NOVA AVA, Sidoun u. a. haben dies aus ihrer Sicht getan. CAD/BIM-Anbieter bieten auch die Möglichkeit ihre Software durch Plug-in‘s zu erweitern. Deshalb haben wir ein DBD-BIM Plug-in für Revit und ARCHICAD entwickelt. Ein DBD-BIM Plug-in für Civil3D auf AutoCAD-Basis wird demnächst von CADsys angeboten. Auch lassen sich IFC-Dateien, die vor allem mit Proxy-Elementen gespickt sind, mit DBD-Connect und dem integrierten DBD-BIM "entproxyfizieren", womit die geometrischen Proxy-Bauteile eine baufachliche Bedeutung erhalten. Ebenso soll DBD-BIM in EliteCAD von der Firma Xeometric auf der Messe in Linz veröffentlicht werden. Weitere DBD-BIM Integrationen sind in Vorbereitung."
Bauprofessor: Vielen Dank, Dr. Schiller für das spannende Gespräch über die "BIM-Zwiebel mit Dynamischen BauDaten"! Vielleicht ist der eine oder andere jetzt auf den Geschmack gekommen...
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