Baukalkulation / Angebot / Nachträge

Preisangaben zu Nachunternehmern

Bei den Preisangaben im Angebot eines Bieters bzw. Bewerbers ist es zunächst unwichtig, ob die Leistungen vom Bieter selbst oder von einem Nachunternehmer ausgeführt werden sollen oder der Bieter ggf. später einen Austausch zwischen Eigenleistung und Nachunternehmereinsatz vornimmt. Der Nachunternehmer trägt keine Verantwortung für die zutreffenden Preisangaben des Bieters gegenüber dem Auftraggeber. Der Nachunternehmer ist am Vergabeverfahren nicht direkt beteiligt. Wären die Preisangaben des Nachunternehmers unvollständig oder der Höhe nach unangemessen oder nicht zutreffend, ist dies für die Angabe durch den Bieter in seinem Angebot nicht entscheidend. Der Bieter hat dann aus seiner fachlichen Kenntnis die Vollständigkeit in seinem Angebot zu sichern.
Der Bieter kann Preise der Nachunternehmer unmittelbar für sein Angebot übernehmen und mit einem Zuschlag als Aufschlag versehen. Branchenüblich ist durchaus ein Zuschlag von 10 % in der Spanne von 8 bis 13 % für die beim Bieter anfallenden Kosten zum Einsatz des Nachunternehmers, beispielsweise für die Vorbereitung der Vergabe, Aufsicht zur Ausführung, ggf. Vorfinanzierungen bei Abschlagsrechnungen, Risiken bei Mängelansprüchen u. a.
Bei Öffentlichen Bauaufträgen mit Ausschreibung nach dem Vergabe- und Vertragshandbuch (VHB-Bund, Ausgabe 2017) ist vom Bieter die Aufgliederung der angebotenen Einheitspreise mit dem ergänzenden Formblatt Preis 223 nachzuweisen, wenn die Leistungen durch einen Nachunternehmer ausgeführt werden sollen. Maßgebend ist, dass die voraussichtliche Angebotssumme des Angebots mehr als 50.000 € umfasst. Unter dem Begriff „ Aufgliederung der Einheitspreise (EFB 223) “ wird ein ausgefülltes Formblatt veranschaulicht. Es sagt über die Aufgliederung bzw. Zusammensetzung wichtiger Einheitspreise nach den Kostenartensummen einschließlich der darauf berechneten Zuschläge aus.
Das Ausfüllen des Formblattes 223 für Leistungen der Nachunternehmer kann für den Bieter mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden sein. Für den Bieter können sich verschiedene Löhne und darauf bezogene Zuschläge für die Eigenleistung und für die Nachunternehmer darstellen. Der Nachunternehmer wird in der Regel einen anderen Kalkulationslohn ansetzen, folglich passen z. B. beim Bieter die Löhne und Zeitansätze nicht mehr zusammen.
Das Problem ist noch größer, wenn innerhalb einer Position des Leistungsverzeichnisses (LV) noch Eigenleistung und Nachunternehmerleistung zusammenfallen. Die Lösung sollte betriebs- und auftragsspezifisch gefunden werden, ggf. in Abstimmung mit dem Nachunternehmer. Für den Auftraggeber dürfte es unerheblich sein, ob die Preisbestandteile der Nachunternehmerleistungen im Formblatt Preise 223 vom Bieter selbst kalkuliert bzw. erstellt werden oder vom Bieter übernommen und mit Zuschlägen ergänzt werden.
Nachunternehmer ignorieren in der Regel die Aufgliederung der Einheitspreise in einem Formblatt 223. Für sie ist der Aufwand zum Ausfüllen zu hoch, da sie meistens auch nicht über die notwendigen technischen Kapazitäten verfügen. Dann werden die Bieter die im Formblatt 223 geforderten Preise selbst aufgliedern, ohne dass gesicherte Kalkulationswerte des Nachunternehmers vorliegen. Dabei besteht durchaus die Gefahr, dass die vorgenommene Aufgliederung nicht mit der Kalkulation des Nachunternehmers übereinstimmt.
03.02.2018
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