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Experten im Bauprofessor-Gespräch: Bau-Mediator Frank Hartung – "Verhandeln statt Streiten"

09.03.2021
Motto des Bau-Mediators Frank Hartung: "Verhandeln statt Streiten"
Bild: © Frank Hartung
Die Mediation ist ein außergerichtliches Verfahren, mit dem Konflikte gelöst werden können. Es soll zwischen den Konfliktparteien eine Brücke bauen, die es den Streitenden ermöglicht, freiwillig, gewaltfrei und eigenverantwortlich eine Lösung für Ihr Problem zu finden. Der Mediator steuert den Prozess neutral und allparteilich und unterstützt die Parteien (Medianden) dabei, ihre oft starren Positionen aufzugeben und sich bereit für Lösungen und Optionen zu machen. Dabei werden die Interessen beider berücksichtigt. Am Ende der Mediation werden die getroffenen Abmachungen in einer Mediationsvereinbarung niedergeschrieben und von den Beteiligten unterzeichnet. Diese Vereinbarung bildet den Grundstein für die Lösung des Konfliktes, ist aber auch eine Richtschnur für das künftige Miteinander.
Mediationsverfahren werden in vielen Gebieten angewandt. So können sich sowohl privat zerstrittene Ehepartner, Nachbarn, Familien zu einer Mediation entschließen, aber auch im Bereich von Schulen, Jugend- und Sozialarbeit, im öffentlichen Bereich innerhalb und zwischen Verwaltungen, Institutionen oder Wirtschaftsbetrieben wird die Mediation genutzt, selbst bei internationalen und politischen Konflikten kommt sie zum Einsatz.

Bauprofessor: Auch in der Baubranche ist die Mediation ein fester Bestandteil zur Lösung von Konflikten. Der Mediator Frank Hartung mediiert bereits seit fast 20 Jahren am Bau. Wie kam es dazu?
Bau-Mediator Frank Hartung: „Die Baumediation ergab sich bei mir praktisch „nebenbei“. In meiner Eigenschaft als Bauberater und Baubetreuer habe ich einfach versucht, meinen Kunden zu helfen. Oft wurde ich von Kunden um Rat gefragt, wenn es um Baukonflikte ging und in den meisten Fällen habe ich meine Unterstützung zugesagt, ohne zu wissen, dass ich gerade mediiere. Für mich stellte sich das ganz einfach dar: Da gibt es einen Konflikt zwischen dem Kunden und dem Bauunternehmer oder dem Handwerker, der möglichst fair beigelegt werden sollte. Also habe ich versucht zu vermitteln. Ganz einfache Grundlage war dabei immer, dass ich wertschätzend in beide Richtungen bin.“
Bauprofessor: Im Jahr 2012 kam dann das Mediationsgesetz und damit auch Ausbildungen für Mediatoren, die nun ihre Arbeit auf ein solides Fundament stellen konnten. Sie haben eine transformative Ausbildung gemacht und sich an der Steinbeis-Hochschule zum Fachmediator Bauen und Planen qualifiziert. Wenn sie nun als Bau-Mediator arbeiten, wen haben Sie dann mit am Tisch sitzen?
Bau-Mediator Frank Hartung: „Da sind alle möglichen Kombinationen denkbar. Es gibt Konflikte zwischen Bauherren und Bauunternehmern, Bauunternehmern und Subunternehmern, dem Architekten und dem Bauunternehmen. Es kann sich aber auch die Bank mit Bauunternehmen und Bauherrn streiten, oder es gibt Streit mit den Behörden, wenn Auflagen nicht eingehalten werden. Dann kann es beim Bauen auch immer zu Konflikten mit den Nachbarn kommen und schließlich werden beim Bauen auch manchmal aus einem anfänglichen Bauherrn zwei Bauherren, nämlich wenn während des Bauablaufs die Ehe anfängt zu kriseln. Es kam auch schon vor, dass während des Bauens eine Trennungsmediation vonnöten war, um dadurch den Rosenkrieg um das halb fertige Haus zu vermeiden.“
Bauprofessor: Wie beginnt eine Bau-Mediation? Wer kommt auf Sie als Bau-Mediator zu?
Bau-Mediator Frank Hartung: „Das ist unterschiedlich. Wenn ich den Kunden z. B. schon als Bauberater bei der Vertragsverhandlung betreut habe, dann kennen mich schon beide Parteien. Es kann dann gut sein, dass beide schon zusammen zu mir kommen, wenn sie einen Konflikt haben. Das ist aber nicht der Standard. Der Standard ist tatsächlich, dass einer von beiden kommt, z. B. ein Bauunternehmer. Der sagt dann: ‚Bevor ich mich jetzt mit dem Bauherrn vor Gericht herumschlage, schau Du Dir das mal an.‘ Das mache ich dann als Mediator natürlich nicht, sondern ich versuche die beiden Streitenden an einen Tisch zu bekommen und vereinbare einen ersten Termin und dann höre ich mir beide Seiten an. Genauso auch wenn ein Bauherr kommt oder ein Architekt oder oder…“
Bauprofessor: Wie kann es gelingen, dass die Streitparteien aufeinander zugehen, miteinander sprechen, obwohl sie doch oft wegen schwerer Konflikte zum Mediator kommen?
Bau-Mediator Frank Hartung: „Das funktioniert, weil ganz am Anfang die Mediationsvereinbarung getroffen wird. Und da steht drin, dass alles, was gesprochen wird, im Raum bleibt. Das wird von allen unterschrieben. Die Vertraulichkeit und die wechselseitige Anerkenntnis bilden die Grundlage dafür, dass eine Mediation funktionieren kann.
Mit der Mediation werden Motive, Interessen, Hintergründe und Emotionen aufgedeckt und die Streitproblematik entworren, um den Medianden eine Brücke zu bauen.
Mit der Mediation werden Motive, Interessen, Hintergründe und Emotionen aufgedeckt und die Streitproblematik entworren, um den Medianden eine Brücke zu bauen.
Bild: © f:data GmbH
Ich sage den Medianden zu Beginn der Mediation immer: ‚Ihr müsst Euch nachher nicht lieb haben. Aber Ihr müsst Euch wertschätzen und begegnen können, so wie Ihr jedem anderen auch begegnet. Wenn man das nicht hinbekommt, muss man sich aus dem Weg gehen, sonst wird man krank.‘“
Bauprofessor: Gibt es den Moment, wo es zu spät ist für eine Mediation, z. B. wenn eine Partei bereits den Anwalt eingeschaltet hat?
Bau-Mediator Frank Hartung: „Da wird es dann schwieriger, aber auch dann kann man noch eine Mediation schaffen.
Man kann sogar einen Prozess parken. Denn das Mediationsverfahren kann alles andere hemmen und somit auch das Gerichtsverfahren stoppen. Das funktioniert und ist formaljuristisch auch in Ordnung. Beides parallel laufen zu lassen, geht nicht. Die beiden Streitparteien müssen sich darauf einigen, ob sie weiterklagen wollen oder ob sie zum Mediator gehen. Entscheiden sie sich für eine Mediation, muss das Gerichtsverfahren derweil ruhen.
Eine weitere schwierige Situation für eine Mediation ist, wenn die Streitenden nicht mehr miteinander sprechen, aber dennoch eine Mediation wünschen. Dann gibt es die Möglichkeit der Pendelmediation. Der Mediator geht dann von einem zum anderen und überbringt Botschaften, aber immer so, dass der Empfänger nicht gleich wieder hochgeht. Das ist ein sehr schwieriges Unterfangen und erfordert Fingerspitzengefühl, denn auch hierbei ist ja das Ziel, einen Kompromiss zu finden, mit dem beide Parteien leben können. Wichtig dabei ist vor allem auch, die beiden Streitenden wieder auf eine sachliche Ebene zu bekommen. Und dieser sachliche Aspekt ist dann oft einfach der Streitwert, aber auch die Zeit, die ein Gerichtsverfahren in Anspruch nehmen würde.“
Bauprofessor: Sie sprachen die oft lange Dauer eines Gerichtsverfahrens an, welche u. a. abhängt vom Streitwert und dem damit zuständigen Gericht. Geht Mediation schneller? Wie sind Ihre Erfahrungswerte als Bau-Mediator?
Bau-Mediator Frank Hartung: „Das lässt sich pauschal nicht sagen, aber meist sind Mediationsverfahren um ein Vielfaches schneller beendet als Gerichtsverfahren. Aus meiner Erfahrung dauern Bauprozesse immer ca. 1 ½ - 2 oder 3 Jahre. Am Ende und das ist auch wichtig, wird bei Bauprozessen meist verglichen, nur selten gibt es ein Urteil. In der Regel endet der Bauprozess mit einem Vergleich.
Und einen Vergleich in der Mediation bekommen Sie viel schneller. Mein längster Vergleich in einer Bau-Mediation hat 6 Monate gebraucht.“
Bauprofessor: Wie sieht es bei der Mediation mit den Kosten aus? Können Sie etwas zum Vergleich von Gerichtskosten und Mediationskosten sagen?
Bau-Mediator Frank Hartung: „Das Stundenhonorar einer Mediation richtet sich nach dem Umfang und der Komplexität des Konflikts und liegt bei mir zwischen 150 € und 500 €. Grundsätzlich werden die Kosten einer Mediation zu 50 % von beiden Konfliktparteien getragen. Es gibt aber auch schon viele Rechtsschutzversicherungen, die Mediation als Instrument zur Konfliktlösung in ihr Leistungsportfolio aufgenommen haben und dann die Mediationskosten für ihren Versicherten übernehmen.
Zum Vergleich von Gerichtskosten gegenüber Mediationskosten mache ich mal ein Beispiel:
Bei einem Streitwert von 10.000 € entstehen bei einem Gerichtsverfahren in der ersten Instanz oft über 4.000 € Gerichts- und Anwaltskosten. Und da sind Kosten für Zeugen oder Gutachter noch nicht dabei. Wer den Prozess verliert, muss die Kosten übernehmen.
Wenn ich bei einer Mediation den Konflikt innerhalb von sechs Mediationsstunden zu je 150 € ausräume, dann berechne ich ein Honorar von 900 €; also für jede Partei 450 €.
Zusammengefasst lässt sich also sagen: Je höher der Streitwert bei einem Gerichtsverfahren, umso höher sind die Kosten des Verfahrens. Beim Mediator ist das nicht so. Die Kosten sind wertunabhängig. Der Stundensatz des Mediators wird zu Beginn der Mediation festgelegt. Der zu zahlende Preis hängt danach nur noch von der Dauer des Mediationsprozesses ab. Und diese Dauer können die Medianden selbst mit beeinflussen. Je schneller sie gemeinsam eine Lösung finden, vereinbaren und niederschreiben, umso schneller ist der Mediationsprozess beendet und umso geringer bleiben die Kosten.“
Bauprofessor: Damit lohnt sich eine Mediation bei einem Streit aus finanzieller Sicht auf jeden Fall. Gibt es noch weitere Vorteile der Mediation gegenüber einem Gerichtsverfahren?
Bau-Mediator Frank Hartung: „Auch ein gewichtiger Vorteil ist, dass sich die Streitparteien bei der Mediation den Kompromiss selbst erarbeiten. Anders ist es beim Gerichtsverfahren, wenn von einem Richter ein Vergleich angeordnet wird. Da ist immer einer der Gewinner und einer der Verlierer. Bei einer Mediation hat jeder selbst entschieden, wie weit er zurückrudert, um eine einvernehmliche Lösung zu finden. Diese bildet dann auch die Grundlage für eine weitere Zusammenarbeit.
Aber auch emotionale Gründe spielen oft eine Rolle, warum Konfliktparteien lieber zum Mediator gehen, als vor Gericht zu ziehen. Denn ein Streit ist ja immer auch belastend. Diese Belastung will man gerne loswerden. Dabei hilft der Mediator. Antwortet man vor Gericht auf eine Frage, wird die Antwort aufgeschrieben und steht in der Akte. Da kann man nichts mehr rückgängig machen. Ein Mediator kann versuchen zu hinterfragen und damit auch zu entschärfen. Man kann also den Leuten auch die Angst nehmen. Die Atmosphäre, in der bei einer Mediation über den Konflikt gesprochen wird, ist entspannter.
Und schließlich machen sich die Konfliktparteien ihr eigenes Gesetz. Das finde ich an der Mediation besonders spannend. Denn wenn zwei Parteien sich etwas aushandeln, wo ein Anwalt sagen würde, „Das geht nicht, das entspricht nicht dem Recht“, dann ist das in der Mediation egal. In der Mediationsvereinbarung steht drin, dass die Parteien das ohne Berücksichtigung anderer Gesetze so vereinbart haben und das so machen wollen. Und das ist dann okay.“
Mediation gelungen. Der Mediator hat die Medianden bei der Suche nach einer gemeinsamen Lösung unterstützt und zu einer allseits akzeptierten Lösung geführt.
Bild: © f:data GmbH
Bauprofessor: Vielen Dank, Herr Hartung für die informativen Einblicke in die Bau-Mediation.
Bei Fragen und Mediationswunsch können Sie den Fachmediator Bauen und Planen Frank Hartung hier kontaktieren.
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