Bauwirtschaft/Volkswirtschaft

Bauwirtschaft

Die Bauwirtschaft umfasst einen wichtigen Zweig der Volkswirtschaft und kann als Begriff in zweierlei Richtungen bestimmt werden. Die Bauwirtschaft umfasst
  • zum einen Personen, Personengruppen und Einrichtungen einer Gesellschaft, d. h. die mit dem Bauen Beschäftigten,
  • zum anderen Teile der Volkswirtschaftslehre, der Betriebswirtschaftslehre und der Rechtslehre.
Zu den Personen zählen Bauherren, Architekten, Ingenieure, Bauunternehmer, Bauarbeiter, Kaufleute, Makler, Verwaltungsangestellte, Forscher und Lehrer. Als Personengruppen bzw. Einrichtungen gelten Baubehörden, Bauunternehmen, gewerbliche Bauhandwerker, Architekten- und Ingenieurbüros, Wohnungsbaugesellschaften, Baunebenindustrie (Vermessung, Labors), Bauverbände, Baustoffindustrie, Forschungsinstitute, Fachhochschulen, Gesamthochschulen, Technische Hochschulen, Universitäten, sonstige Bildungsträger.
Bleibt jedoch die Betrachtung auf die ausschließlich handwerklich und industriell betriebene Ausführung von Bauleistungen (ohne Baustoffindustrie und -handel) eingegrenzt, so wird vom Baugewerbe als Teil des produzierenden Gewerbes einer Volkswirtschaft gesprochen. In der Vergangenheit wurde das Baugewerbe allgemein unterteilt in
Von dieser Gliederung wird seit 1996 abgewichen und das Baugewerbe nunmehr nach der vom EU-Ministerrat festgelegten verbindlichen statistischen Systematik der Wirtschaftszweige auf Grundlage der Ausgabe 2008 (WZ 2008) für das Baugewerbe im Abschnitt F in den Gruppen 41 bis 43. Sowohl in statistischen Zusammenstellungen der Verbände als auch in der Baupraxis wird aber traditionell noch vom Bauhauptgewerbe gesprochen, wenn die Rohbauleistungen bzw. -gewerke gemeint sind. Demgegenüber erbringt das Baunebengewerbe die Ausbauleistungen.
Die Bauwirtschaft hat noch einen erheblichen Anteil in Deutschland an der Bruttowertschöpfung, wenngleich mit geringerem Anteil im letzten Jahrzehnt gegenüber den 1990er Jahren. 2014 betrug der Anteil 4,8 % insgesamt in Deutschland, darunter beispielsweise 3,9 % in Berlin, 5,3 % in Bayern und 7,4 % in Sachsen. Der Anteil der Bauinvestitionen am Bruttoinlandsprodukt betrug 2014 = 6,5 %. Von den Bauinvestitionen erfolgten 64,5 % durch das Baugewerbe sowie ca. 59 % der Bauinvestitionen im Wohnungsbau.
Speziell die Beschäftigten im Baugewerbe umfassten 2014 einen Anteil von 5,7 % an allen Erwerbstätigen. Allein im Bauhauptgewerbe stieg die Zahl der Beschäftigten seit dem geringsten Stand in 2008 von ca. 715.000 auf 768.000 in 2014, eine Steigerung um 7,4 %. Zugleich nahm auch der Anteil ausländischer Bauarbeiter mit Sozialversicherungspflicht in Deutschland zu, gegenwärtig mit einem Anteil von 11,3 %. Die Beschäftigten arbeiten überwiegend in Betrieben in der Größe von 1 bis 19 Beschäftigten, deren Anteil an der Gesamtzahl von Baubetrieben umfasst im Bauhauptgewerbe fast 90 %, demgegenüber beträgt der Anteil von Betrieben mit mehr als 200 Beschäftigten nur 0,3 %. Von den Beschäftigten sind ca. 43 % Facharbeiter, Azubis ca. 4,4, % und Angestellte ca. 19 %.
Nachdem das Jahr 2015 etwas hinter den Erwartungen zurückblieb, wird durch die Bauverbände für 2016 im Bauhauptgewerbe ein Umsatzzuwachs von ca. 3 % gegenüber dem Jahr 2015 (mit einem Wachstum von 1 % gegenüber 2014) in ca. gleichem Maße im Hoch- und auch Tiefbau erwartet. Der Zuwachs wird sich voraussichtlich am höchsten im Wohnungsbau als Konjunkturtreiber mit ca. + 5 % sowohl in Ost- als auch in West-Deutschland und im Öffentlichen Bau mit ca. 3 bis 4 % einstellen, demgegenüber wird der Wirtschaftsbau kaum ein Wachstum verzeichnen.
14.04.2016
Copyright bauprofessor.de Lexikon
Herausgeber: f:data GmbH Weimar und Dresden
Die Inhalte dieser Begriffserläuterung und der zugehörigen Beispiele sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetztes ist ohne Zustimmung der f:data GmbH unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigung, Übersetzung, Mikroverfilmung und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Alle in diesem Werk enthaltenen Angaben, Ergebnisse usw. wurden von den Autoren nach bestem Wissen erstellt. Sie erfolgen ohne jegliche Verpflichtung oder Garantie der f:data GmbH. Sie übernimmt deshalb keinerlei Verantwortung und Haftung für etwa vorhandene Unrichtigkeiten.
Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Warenbezeichnungen usw. in diesem Werk berechtigt auch ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, dass solche Namen im Sinne der Warenzeichen- und Markenschutz-Gesetzgebung als frei zu betrachten wären und daher von jedermann benutzt werden dürfen.

Aktuelle Normen und Richtlinien zu "Bauwirtschaft"

DIN-Norm
Ausgabe 2014-04
Diese Norm legt Anforderungen an die Maße, Überzüge, Prüfverfahren und Lieferbedingungen von Erzeugnissen aus Stahldrahtgeflecht mit sechseckigen Maschen für bauwirtschaftliche Zwecke fest....
- DIN-Norm im Originaltext -
DIN-Norm
Ausgabe 2006-09
Diese Norm legt die Merkmale und Leistungen von werkmäßig formgegossenen Gipselementen fest, deren Haupt-Anwendung ihr Einbau in abgehängte Unterdecken unter üblichen Deckenbauwerken ist. Sie behandelt die folgenden Leistungsmerkmale: Brandverhalten...
- DIN-Norm im Originaltext -

Verwandte Fachbegriffe

Bauwirtschaft in der EU und der Welt
Die Bauwirtschaft ist innerhalb der Europäischen Union der größte industrielle Arbeitgeber. Der größte Anteil der gesamten Bauproduktion in der EU wird durch Deutschland erbracht. Die deutschen Bauunternehmen waren im internationalen Geschäft sehr er...
Aufstiegsmöglichkeiten in der Bauwirtschaft
Einer der bedeutendsten Wirtschaftszweige in Deutschland ist die Bauwirtschaft. Allein im Bauhauptgewerbe arbeiten mehr als 700.000 Beschäftigte. Hinzu kommen die Unternehmen im Baunebengewerbe und die Bauhandwerksbetriebe. Nach der Ausbildung zum Fa...
Bundesvereinigung Bauwirtschaft
Die Bundesvereinigung Bauwirtschaft verfolgt als Ziel, gemeinsame, Gewerke übergreifende Interessen der Betriebe des Deutschen Bau- und Ausbauhandwerks gegenüber der Politik, den Sozialpartnern und der Öffentlichkeit zu vertreten. Sie vereinigt und r...
Schwarzbuch Bauwirtschaft
Der Bauindustrieverband Ost (BIVO als Fusion der vorherigen Verbände Berlin-Brandenburg und Sachsen/Sachsen-Anhalt) hat bereits eine jahrelange Tradition mit der Herausgabe von "Schwarzbüchern Bauwirtschaft". In früheren Auflagen wurde vorrangig aufg...
Aufstiegsfortbildung in der Bauwirtschaft
Die Fortbildung gewerblicher Arbeitnehmer in der Bauwirtschaft vom Facharbeiter zum Vorarbeiter und weiterhin zum Werkpolier war in der Vergangenheit in der Bauwirtschaft nicht bundeseinheitlich geregelt, lediglich die Ausbildung zum Geprüften Polier...
Sozialkassen der Bauwirtschaft
Sozialkassen der Bauwirtschaft sind gemeinsame Einrichtungen der Tarifvertragsparteien (betreffende Arbeitgeberverbände und IG BAU). Für Bauunternehmen im Geltungsbereich des "Bundestarifvertrags für das Baugewerbe (BRTV-Baugewerbe in neuer Fassung v...
Um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten, verwenden wir Cookies. Einige dieser Cookies sind erforderlich für den reibungslosen Ablauf dieser Website, andere helfen uns, Inhalte auf Sie zugeschnitten anzubieten. Wenn Sie auf „ Ich akzeptiere“ klicken, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.
Individuelle Cookie-Einstellungen Ich akzeptiere