Baukonstruktion

Estrichbau

Allgemein
Beim Estrichbau werden Estrichflächen als Bauteile auf einem tragenden Untergrund hergestellt. Dabei liegt der Estrich im Gebäude oberhalb der tragenden Geschossdecke bzw. der Bodenplatte und unter dem Bodenbelag. Er kann auch als Sicht- bzw. Nutzestrich ohne Oberbodenbelag ausgeführt werden, dann mit entsprechend geschliffener, imprägnierter und versiegelter Oberfläche. Zudem werden Estrichbau-Maßnahmen im Außenbereich durchgeführt, z. B. um einen ebenen bzw. einen Untergrund mit entsprechendem Gefälle beim Bau von Balkonen und Terrassen zu gewährleisten, aber auch um Straßen, Wege und Plätze mit einer feuchte- und frostbeständigen, im Bedarfsfall hoch belastbaren Nutzschicht zu versehen.
Estrich-Funktionen
Estrich dient dazu Unebenheiten des Rohbaus auszugleichen, eine bestimmte Höhe, sowie Trittschall- und Dämmwerte zu erreichen, den Bodenbelag aufzunehmen und die Last unter den Belägen zu verteilen. Zudem kann Estrich direkt genutzt werden (Sichtestrich) und mit einer Wasser führenden oder einer Elektro-Fußbodenheizung energie- und kostensparend den Raum als Heizestrich heizen.
Estricheinsatzbereiche
Aufgrund der weitreichenden Funktionen wird der Estrichbau in vielen Bereichen eingesetzt. Die jeweils benötigte Nenndicke sowie die Biegezugfestigkeit bzw. Härte des Estrichs richten sich nach den Flächenlasten und den möglichen Einzellasten, die verteilt und abgetragen werden müssen.
Im Wohnungsbau kommt Estrich als schwimmender und als Heizestrich im Wohnbereich zur Anwendung, da hier seine Vorteile hinsichtlich Trittschall- und Wärmedämmung geschätzt werden. In Garagen und Kellerräumen wird z. B. Verbundestrich als belastbarer Estrich eingebaut.
Im Objektbereich, sprich in Schulen, Büros, Krankenhäusern, Verwaltungsgebäuden u. ä., sind neben höheren Flächenlasten auch eine hohe Frequentierung und große Flächen, auf denen z. B. auch Zwischenwände errichtet werden, Kriterien, die beim Estrichbau zu beachten sind. Auch in diesem Bereich werden schwimmende Estriche in Räumen mit gewünschten Schall- und Dämmeffekten, Heizestriche, Verbundestriche für Räume mit höheren Belastungen und Estriche auf Trennschicht verlegt.
Noch höhere Anforderungen hinsichtlich der Belastbarkeit ausgedrückt in den Flächenlasten, die getragen werden müssen, liegen im Bereich von Lager- und Fertigungshallen oder Werkstätten ( Gewerbebau) vor. Hier kommen zum Teil hohe punktuelle mechanische Beanspruchungen hinzu, wie Stoß- und Schlagbeanspruchungen, sowie Verkehrslasten, z. B. durch Staplerverkehr o. ä. Estriche auf Trennschicht oder hoch belastbare Verbundestriche sind hier am häufigsten im Einsatz.
Die Verkehrslasten und die mechanische Beanspruchung durch PKW-Verkehr in Tiefgaragen sind noch größer als im Gewerbebereich. Zudem liegen die Estriche hier auf Erdreich. Diese speziellen Bedingungen werden am besten mit Zement- oder Bitumenemulsionsestrichen im Verbund gemeistert, auch Gussasphaltestrich auf Trennschicht kann verlegt werden.
Im Außenbereich werden Estriche zum Bau von Straßen, Wegen, Plätzen, Parkplätzen Industrie- und Lagerplätzen oder auch Sportflächen verwendet. Zum Einsatz kommen hier meist Zement- und Gussasphaltestriche im Verbund, die sowohl frost- und wasserbeständig aber auch hoch belastbar sind. Die normierten Härteklassen und Nenndicken hängen auch hier von den Flächenlasten, möglichen Einzellasten aber auch von Ereignissen wie dem Einsatz von Taumittelsalzen ab, die eine Erhöhung der Festigkeit des Estrichs in Anlehnung an Betonflächen verlangen, um dem höheren Korrosionsrisiko standzuhalten.
Ein weiteres Einsatzgebiet von Estrich im Außenbereich betrifft das Verlegen von Fliesen oder Platten auf Balkonen, Terrassen und Wegen. Dabei wird der Estrich sowohl zum Herstellen des nötigen Gefälles eingesetzt. Er stellt aber auch gemeinsam mit Dränmatte und Abdichtung einen Schutz des Belages vor Feuchtigkeit durch Stauwasser dar, welches im Winter bei Frost zum Aufsprengen des Belages führen kann. Dabei besteht ein Terrassenaufbau z. B. aus Tragbeton, Gefälleestrich, Bitumen-Abdichtung, doppellagige PE-Folie, Dränmatte, Estrich, Balkon-Abdichtung, Fliesenkleber, Fliesen/Platten.
Estricharten
Je nach verwendetem Bindemittel in erster Linie und weiteren die Eigenschaften des Estrichs beeinflussenden Zuschlägen werden verschiedene Estricharten, wie Zementestrich, Kunstharzestrich, Calciumsulfatestrich, Gussasphaltestrich, Magnesiaestrich, Bitumenemulsionsestrich, Schnellzementestrich und zementgebundener Hartstoffestrich unterschieden. Weiterhin gibt es die sich selbst nivellierenden Fließestriche. Diese sind als Calciumsulfatfließestrich und Zementfließestrich am Markt.
Estrich-Konstruktionsformen
Die verschiedenen Estricharten werden aufgrund ihrer unterschiedlichen Eigenschaften für bestimmte Estrichkonstruktionen, wie Verbundestrich, schwimmenden Estrich, Heizestrich oder Estrich auf Trennschicht eingesetzt. Neben diesen Konstruktionsformen, bei denen ein Material verwendet wird, das nach der Verarbeitung austrocknen muss, wird als weitere Konstruktionsform noch der Trocken- oder Fertigteilestrich unterschieden, der keine Feuchtigkeit ins Bauwerk einbringt.
Als Heizestrich werden z. B. Zementestrich, Calciumsulfatestrich, Kunstharzestrich, aber auch Gussasphalt (in Verbindung mit Kupferrohren) verwendet. Als schwimmender Estrich wird häufig Zementestrich aber auch Gussasphaltestrich verbaut. Speziell zum Ausgleich von Bodenunebenheiten wird Fließestrich verwendet. Industrieestrich der besonders hohen Belastungen standhalten muss, wird aus Gussasphaltestrich, Kunstharzestrich oder zementgebundenem Hartstoffestrich hergestellt. Wobei die Oberfläche von Gussasphaltestrich und zementgebundenem Hartstoffestrich so weit geschliffen oder sogar poliert wird, dass der Estrich ohne Belag auskommt (Nutzestrich oder Sichtestrich), hingegen muss Kunstharzestrich immer einen Belag erhalten. Mit ganz speziellen Eigenschaften warten Magnesiaestriche auf, deren Bindemittel aus Magnesiumoxid (Magnesia) und einer wässrigen Lösung aus Magnesiumsalz besteht. Sie sind elektrisch leitfähig und besonders schlag- und stoßfest. Eingesetzt werden sie daher z. B. als Sichtestrich für trockene und große Flächen. Als Fertigteilestrich, der den Vorteil hat nach dem Auslegen nicht mehr trocknen zu müssen und sofort begehbar ist, werden z. B. Platten aus Gipskarton, zementgebundene Holzspanplatten, Holzwerkstoffplatten oder auch Werksteinplatten aus Beton oder Naturstein verwendet. Diese können z. B. auf einer Trockenschüttung, welche die Unebenheiten ausgleicht, verlegt werden. Zudem gibt es Trockenestrich mit integrierter Dämmung. Sie besitzen auf ihrer Unterseite eine Dämmschicht aus Mineralwolle oder Hartschaum und finden besonders Verwendung, wenn der Trittschall minimiert werden soll.
16.12.2015
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Aktuelle Normen und Richtlinien zu "Estrichbau"

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Diese Norm legt die allgemeinen Vertragsbedingungen fest, die für Estricharbeiten bezüglich der Baustoffe, der Ausführung, der Haupt- und der Nebenleistungen sowie der Abrechnung gelten.Diese Norm gilt für das Herstellen von Estrichen aus Estrichmört...
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DIN-Norm
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Die Norm gilt für Estriche aus Estrichmörteln und Estrichmassen nach DIN EN 13813, die unter Verwendung von Calciumsulfat, Gussasphalt, Kunstharz, kaustische Magnesia oder Zement hergestellt sind.Diese Norm wurde vom NABau-Arbeitsausschuss NA 005-09-...
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Ausgabe 2009-11
Diese Norm gilt für Heiz- und Kühlsysteme, die in die Raumumschließungsflächen des zu heizenden oder des zu kühlenden Raums integriert sind. Diese Norm legt einheitliche Anforderungen an die Planung und den Aufbau von zur Heizung oder Kühlung dienend...
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