Baukalkulation / Angebot / Nachträge

Kostenbeteiligung durch Nachunternehmer

Von einem Generalunternehmer (GU) oder einem Hauptunternehmer (HU) werden zur Ausführung eines Bauvorhabens meistens Nachunternehmer (NU) vertraglich gebunden und eingesetzt. Sie gewähren dann in der Regel Beistellungen gegenüber Nachunternehmern, meistens mindestens für Baustrom und Bauwasser.
Unter letzterem Begriff werden baupraxisbezogene Beispiele für solche Beistellungen und deren mögliche Ansetzungen aufgeführt. Als Grundlage sollte das vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e. V. entworfene und zum Stand: Jahr 2017 (vorher Stand: Jahr 2009) herausgegebene Muster-Formular " FSB 2017-3.1: Verhandlungsprotokoll/Nachunternehmervertrag (Sitz Inland)" dienen. Es wird zur Anwendung im deutschen Schlüsselfertigbau (SF-Bau) empfohlen. Im Verhandlungsprotokoll mit Nachunternehmern wird die Kostenbeteiligung der NU unter Tz. 4.6 angeführt, jedoch ohne Aussagen zu Prozentanteilen oder Pauschalbeträgen.
Die Gewährung einer Beistellung durch den GU oder HU ist zwangsläufig mit einer Kostenbeteiligung durch den NU verknüpft. Vor der vertraglichen Festlegung sollte zwischen den Vertragspartnern eine baumaßnahmenbezogene Abstimmung erfolgen, insbesondere auch mit der Festlegung einer angemessenen Höhe der Kostenbeteiligungen durch den NU.
Eine übliche Kostenbeteiligung ist beispielsweise die Beistellung von Baustrom und Bauwasser durch den GU/HU während der Baudurchführung. Sie kann vorbestimmt werden:
  • entweder mit einem Prozentsatz und Bezug auf die Nettoauftragssumme bzw. bei Rechnungslegung auf die Ist-Bauleistung
  • oder nach gewerkebezogenen Prozentsätzen mit Bezug auf den wertmäßigen Gesamtverbrauch der Baustelle.
Vom NU ist die Kostenbeteiligung bei der Kalkulation in seiner Angebotssumme zu berücksichtigen.
Hinsichtlich der Umsatzsteuer ist die Bereitstellung von Baustrom und Wasser durch den GU/HU (Auftraggeber) als Materialbeistellung anzusehen. Der beistellende GU/HU bewirkt keine Lieferung. Auch liefert der NU nicht das beigestellte Material an den GU/HU zurück. Das beigestellte Material gelangt nicht in die Verfügungsmacht des NU und kann daher nicht als Gegenleistung angesehen werden. Liefergegenstand ist folglich die Bauleistung abzüglich der bereitgestellten Stoffe. Die Bemessungsgrundlage ist somit um den Wert der beigestellten Stoffe zu mindern, wenn diese als Bestandteil des Baupreises kalkuliert waren. Dies entspricht einer Entscheidung der Oberfinanzdirektion Chemnitz (Verfügung vom 17.05.1999). Folglich muss der NU in seiner Rechnungslegung an den GU/HU diese Beistellung selbst in Abzug bringen.
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