Baukalkulation / Angebot / Nachträge

Beistellungen gegenüber Nachunternehmern

Mitnutzung durch den Nachunternehmer

Mit der Vergabe von Bauleistungen durch die Generalunternehmer (GU) bzw. Hauptunternehmer (HU) an Nachunternehmer (NU) kann auch die Mitbenutzung von Baustelleneinrichtungen (BE) sowie von weiteren Beistellungen für den NU ggf. unentgeltlich oder meistens in Form der Kostenbeteiligung der Nachunternehmer geklärt und der Höhe nach vertraglich vereinbart werden.
Im vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie für den Schlüsselfertigbau (SF-Bau) vorgelegten und empfohlenen Muster-Formular FSB 2021-3: Verhandlungsprotokoll/Nachunternehmervertrag (Sitz Inland) der Fassung 2021 (einschließlich nochmaliger Aktualisierung vom 9. März 2022) können unter Tz. 6.6 Aussagen zur Mitnutzung und Kostenbeteiligung bestimmt werden.

Mögliche Mitnutzungen für den NU

Als Mitnutzungen können beispielsweise vom GU/HU bereitgestellt werden, jeweils mit Aussagen zur Art und Anzahl für:
  • Krane
  • Aufzüge
  • Gerüste
  • Tagesunterkünfte
  • Sanitäreinrichtungen
  • Bauschilder
Bei einer vorgesehenen Kostenbeteiligung sollte zwischen den Vertragspartnern eine baumaßnahmenbezogene Abstimmung erfolgen, insbesondere zur angemessenen Höhe einer Kostenbeteiligung für die einzelnen Mitnutzungen.
Zur Mitnutzung beigestellt: Gerüst und Latsenaufzug
Zur Mitnutzung beigestellt: Gerüst und Latsenaufzug
Bild: © f:data GmbH

Mögliche Beistellungen gegenüber dem NU

Als Beistellungen durch die GU/HU sind mit Kostenbeteiligungen durch die NU nach vereinbarten Sätzen von der Abrechnungssumme beispielsweise üblich für:
Baustrom und Bauwasser0,3-0,8%
Bauwesenversicherung0,3-0,5%
Winterbaumaßnahmen0,0-0,2%
Schuttcontainer0,0-0,2%
Bauschild0,0-0,1%
Sicherungsmaßnahmen0,1-0,3%

Gewerkebezogene Beistellungsansetzungen

Eine Vereinbarung nach gewerkebezogenen Prozentsätzen kann auch mit Bezug auf den wertmäßigen Gesamtverbrauch der Baustelle vorbestimmt werden. Dafür könnten die Schlüssel entsprechend den Wägungsanteilen für Bauleistungen des Landesamtes für Statistik Nordrhein-Westfalen herangezogen werden, die weitgehend auch den baubetrieblichen Erfahrungen entsprechen, beispielsweise:
Für Rohbauarbeiten
Mauerarbeiten18,1%
Betonarbeiten18,1%
Zimmerarbeite4,0%
Für Ausbauarbeiten
Putz- und Stuckarbeiten7,4%
Fliesen- und Plattenarbeiten3,2%
Tischlerarbeiten7,4%
Sonstiger Ausbau2,6%
Als Variante käme auch zum Verbrauch von Baustrom und Bauwasser noch der Einbau von Zwischenzählern für die NU infrage, ist aber aus wirtschaftlichen Gründen meistens abzulehnen, weil der Mehraufwand in keinem vertretbaren Verhältnis zu einer genaueren Verbrauchsberechnung steht.
Zu erwähnen bliebe noch, dass nach einem Urteil des OLG Hamburg vom 4. Dezember 2013 (Az.: 13 U 1/19) eine pauschale Umlage für die Bereitstellung und den Verbrauch von Baustrom und Wasser sowie für die Mitbenutzung von Sanitäranlagen als unwirksam zu betrachten wäre.

Beistellungen bei der Kalkulation und Abrechnung

Vom NU sind die entgeltliche Mitnutzung und Beistellungen bei der Kalkulation in seiner Angebotssumme für den Bauauftrag zu berücksichtigen. In der Aktualisierung des o. a. Muster-Formulars wurde neu angeführt, dass bei vereinbarten prozentualen oder ggf. pauschalen Kostenbeteiligungen für Mitnutzung und Beistellungen der jeweilige NU berechtigt wird nachzuweisen, ob und in welchem Umfang geringere Kosten zum Bauauftrag in Anspruch genommen wurden oder gar keine Kosten entstanden sind. Vor dem Hintergrund neuerer Rechtsprechung leitete sich eine deutlichere Aussage ab, dem NU den Nachweis über die tatsächlich in Anspruch genommene Beteiligung zu gewähren.
Kostenbeteiligungen sind bei der Rechnungslegung bzw. von der Schlussrechnung abzusetzen.
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