Baukalkulation / Angebot / Nachträge

Gesamtauftragswert

Der Gesamtauftragswert einer Baumaßnahme kann sowohl inhaltlich als auch der Höhe nach unterschiedlich verstanden werden, so beispielsweise als:
  • Baukosten gesamt im Sinne von Investitionskosten auf Grundlage der Kostengruppen 1 bis 7 nach der DIN 276 - Kosten im Bauwesen im Ergebnis einer Kostenschätzung oder Kostenberechnung im Rahmen der Bauplanung jeweils mit und ohne Umsatzsteuer,
  • Baukosten als Investitionskosten nach DIN 276, jedoch ohne Kosten für das Grundstück und die öffentliche Erschließung jeweils mit und ohne Umsatzsteuer,
  • Angebotspreis im Ergebnis einer Angebotskalkulation bei der Abgabe eines Angebots durch einen Bieter auf Grundlage der Ausschreibung zur Baumaßnahme,
  • Vertragswert im Bauvertrag bei der Erteilung des Bauauftrags an das bauausführende Unternehmen jeweils mit und ohne Umsatzsteuer,
  • abgerechneter Preis gemäß Rechnungslegung durch den Auftragnehmer nach Beendigung der Bauausführung gegenüber dem Auftraggeber jeweils mit und ohne Umsatzsteuer.
Beim Gesamtauftragswert als Baukosten im Sinne der Investitionskosten handelt es sich eigentlich um den Preisausdruck für die Leistungen am Bauwerk. Sie sind nicht mit den betriebswirtschaftlichen Kosten als Güterverzehr für die Herstellung der Bauleistung im bauausführenden Unternehmen gleichzusetzen.
Die VK Baden-Württemberg hat mit Beschluss vom 6.3.2013 (Az.: 1 VK 2/13) entschieden, dass sich der Gesamtauftragswert einer öffentlichen Baumaßnahme errechnet aus der Summe aller für die Erstellung der baulichen Anlage erforderlichen Leistungen ohne Umsatzsteuer, wobei jedoch unter anderem nicht die Baunebenkosten (Kostengruppe 7 nach DIN 276) sowie der Wert des Grundstücks (Kostengruppe 1 nach DIN 276) als auch dessen öffentliche Erschließungskosten gehören. Wird der Auftragswert geschätzt, so soll dies nach rein objektiven Kriterien erfolgen und jenen Wert treffen, den ein umsichtiger und sachkundiger öffentlicher Auftraggeber nach sorgfältiger Prüfung des betreffenden Marktsegments und auf dem Boden einer betriebswirtschaftlichen Finanzplanung veranschlagen würde.
23.01.2016
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