Buchhaltung / Rechnungswesen

Liquiditätsgrade

Eine kurzfristige Beurteilung - kurzfristig im Sinne von Wochen, Monaten, Quartalen bis maximal 1 Jahr - ist mit 3 Liquiditätsgraden möglich, wovon in Unternehmen der Bauwirtschaft die Liquidität 1. und 2. Grades wichtig sind:
  • Bei der Liquidität 1. Grades (auch als Barliquidität bezeichnet) werden die liquiden Mittel (Barmittel, Bankguthaben, Schecks- und Wechsel) ins Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten (unbezahlte Eingangsrechnungen und Abgaben) gesetzt. Im Branchendurchschnitt dürfte die Kennzahl bei ca. 50 bis 80 % in der Bauwirtschaft liegen, eine volle Deckung (> 100%) wird nur selten über längere Zeit vorliegen.
  • Bei der Liquidität 2. Grades (auch als einzugsbedingte Liquidität bezeichnet) werden die liquiden Mittel zuzüglich kurzfristige Forderungen aus Lieferungen und Leistungen (gestellte Abschlagsrechnungen und Schlussrechnungen), Forderungen an Arbeitsgemeinschaften (ARGEn), sonstige Forderungen und solche aus der Annahme gezogener Wechsel hinzugerechnet und ins Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten gesetzt. Diese Kennzahl sollte über die Zeit aber mindestens gedeckt sein bzw. 100 % überschreiten, ansonsten wird die Existenz des Unternehmens bedroht.
  • Bei der Liquidität 3. Grades werden im Zähler noch Vorräte einbezogen sowie im Nenner auch die mittelfristigen Forderungen.
Unberücksichtigt bleiben in den einzelnen Graden beispielsweise die individuellen Fälligkeitstermine der Verbindlichkeiten, die unterschiedlichen Zahlungsgewohnheiten u.a. Aspekte.
Der eigentliche Zweck der ermittelten Grade liegt darin, zum Beispiel
  • Entwicklungstendenzen durch einen Zeitvergleich sichtbar zu machen sowie
  • durch einen Betriebsvergleich die relative Liquiditätslage innerhalb der Branche und gegebenenfalls gegenüber dem Konkurrenten zu verdeutlichen.
In Verbindung mit der Liquidität stehen noch folgende Kennzahlen:
Möglich ist auch der Bezug auf das gesamte Fremdkapital. Eine hohe Unterdeckung deutet darauf hin, dass das Bauunternehmen entweder zu spät Abschlagsrechnungen schreibt und herausgibt oder die Auftraggeber zu säumig zahlen. Folglich müssen Abschlagsrechnungen zügig gemäß Zahlplan aufgestellt und frühzeitig beim Ausbleiben der Zahlung angemahnt werden.
Hierbei werden die unfertigen Bauleistungen zu Herstellungskosten bewertet einbezogen. Die Quote sagt über die Zahlungsbereitschaft bzw. Zahlungsmoral der Auftraggeber aus. Anzustreben ist eine Quote von mindestens 90 %, selbst wenn man bedenkt, dass die Auftraggeber häufig 10 % von den Abschlagsrechnungen als Sicherheit einbehalten.
02.04.2016
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