Baukalkulation / Angebot / Nachträge

Herstellungskosten von Bauleistungen

Herstellungskosten - nicht direkt vergleichbar mit den Herstellkosten als Zwischensumme im Kalkulationsschema- werden nach § 255 Abs. 2 im Handelsgesetzbuch (HGB) für die Bewertung von unfertigen Bauleistungen, selbsthergestellten Maschinen und Geräten, von Gebäuden u. a. herangezogen. Sie setzen sich folgendermaßen – mit zahlenmäßiger Aussage als Beispiel für unfertige Bauleistungen eines Bauauftrag- zusammen:
Pos.Kostenart/-komplexUmfang
1.Einzelkosten des Bauauftrags
Baustoffe (Einbaustoffe)25
Baulöhne und direkt zurechenbare Poliergehälter30
Hilfsstoffe wie Schalung und Rüstung 3
Baugerätemieten (Fremdkosten)6
2.+ Sondereinzelkosten der Fertigung, z. B.
Bodengutachten, Baustatik2
3.Einzelkosten als unmittelbare Herstellungskosten68
4.+ Kosten der Baugeräte
(Abschreibungen bzw. innerbetriebliche Verrechnung lt. Baugeräteliste BGL 2015)3
5.+ Baustellengemeinkosten (BGK), z. B.9
Kosten der Hilfskostenstellen wie Bauhof, Fuhrpark LKW u.a.
Kosten der Werkzeuge und Kleingeräte
6.Handelsrechtliche Untergrenze der Herstellungskosten 80
7.+ Sondereinzelkosten der Fertigung, z. B. Allgemeine Geschäftskosten (AGK) wie Kosten der technischen und kaufmännischen Verwaltung, Einkauf u. a.14
8.+ sonstige freiwillige Aufwendungen -
9.+ Zinsen für das bei langfristiger Bauausführung zur Zwischenfinanzierung benötigte Fremdkapital1
10.Handelsrechtliche Obergrenze der Herstellungskosten95
11.Unfertige Bauleistungen des Bauauftrags (Preisausdruck) gemäß Nachweis in der Leistungsmeldung100
Für das Bauunternehmen besteht ein Bilanzierungswahlrecht, angesetzt werden kann ein Betrag nach Zeile 6 (= 80) als Untergrenze bis zur Obergrenze nach Zeile 10 (= 95). Dagegen dürfen nicht einbezogen werden beispielsweise Forschungs- und Vertriebskosten als Bilanzierungsverbot. Als Bilanzierungsgebot sind mindestens die Kosten der Zeilen 1 bis 5 einzubeziehen.
Die Differenz zwischen der Obergrenze für die Herstellungskosten (im Beispiel = 95) und dem Preisausdruck für die unfertige Bauleistung (im Beispiel = 100) beträgt = 5 und trifft eine Aussage über das noch nicht realisierte Ergebnis (im Beispiel = Gewinn). Sollte jedoch kein Gewinn bisher vorliegen und die Herstellungskosten dem Umfang des Preisausdrucks für die unfertige Bauleistung entsprechen, dann ist der Ansatz von 100 ebenfalls für die Herstellungskosten maßgebend.
Übersteigen dagegen die bisher angefallenen Herstellungskosten den Umfang des Preisausdrucks der unfertigen Bauleistung, dann läge ein Verlust vor. Ein solcher Verlust darf nicht bilanziert werden. Gemäß dem strengen Niedrigstwertprinzip sind Verlustbauaufträge handelsrechtlich auf den niedrigeren beizulegenden Wert abzuwerten, und zwar durch aktivische Absetzung von den Herstellungskosten.
Eine solche Bewertung setzt zweckmäßigerweise eine Kosten- und Leistungsrechnung im Bauunternehmen voraus. Mindestens sind jedoch die direkten Kosten für Löhne, Stoffe, Geräte usw. pro Baustelle statistisch zu erfassen. Zum Jahresende können dann aus der Vergangenheit errechnete Zuschläge für Gemeinkosten auf den zu bewertenden Bauauftrag zugeschlagen werden.
Zur Ermittlung der Herstellungskosten kann auch die retrograde Methode dienen. Bei dieser Methode wird der Wertansatz aus dem für das Bauvorhaben zu erwartenden Preis entwickelt. Bemessungsgrundlage ist nach dem Fertigstellungsgrad (Massenaufnahme) der entsprechende anteilige Preis, von welchem ein Abschlag für Wagnis und Gewinn (W&G) sowie anteilige Verwaltungs- und Gemeinkosten vorgenommen wird.
Hinsichtlich der Herstellungskosten von Gebäuden wird auf die speziellen Erläuterungen zum Begriff verwiesen.
07.03.2016
Copyright bauprofessor.de Lexikon
Herausgeber: f:data GmbH Weimar und Dresden
Die Inhalte dieser Begriffserläuterung und der zugehörigen Beispiele sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetztes ist ohne Zustimmung der f:data GmbH unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigung, Übersetzung, Mikroverfilmung und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Alle in diesem Werk enthaltenen Angaben, Ergebnisse usw. wurden von den Autoren nach bestem Wissen erstellt. Sie erfolgen ohne jegliche Verpflichtung oder Garantie der f:data GmbH. Sie übernimmt deshalb keinerlei Verantwortung und Haftung für etwa vorhandene Unrichtigkeiten.
Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Warenbezeichnungen usw. in diesem Werk berechtigt auch ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, dass solche Namen im Sinne der Warenzeichen- und Markenschutz-Gesetzgebung als frei zu betrachten wären und daher von jedermann benutzt werden dürfen.

Verwandte Fachbegriffe

Bewertung der unfertigen Bauleistungen
Den größten Posten des Umlaufvermögens umfassen in einem Bauunternehmen die nicht abgerechneten bzw. unfertigen Bauleistungen, sofern aktivisch abgesetzte erhaltene Abschlagszahlungen unberücksichtigt bleiben. Mit der Abnahme und Abrechnung des Bauau...
Normalherstellungskosten (Gebäude)
Die Normalherstellungskosten – Kurzbezeichnung NHK – umfassen nach § 22 Abs. 2 der Immobilienwertermittlungsverordnung (ImmoWertV vom 19.5.2010, in Kraft seit 01.07.2010) jene Kosten, die marktüblich für die Neuerrichtung einer entsprechenden baulich...
Herstellkosten
Herstellkosten (HK) sind ein Kostenbestandteil im Kalkulationsschema der Baupreisbildung. Sie setzen sich als Summe betriebswirtschaftlich zusammen aus den: Einzelkosten der Teilleistungen (EKT) und Baustellengemeinkosten (BGK). Als "unmittelbare He...
Niedrigstwertprinzip
In der Bilanz eines Unternehmens sind im Jahresabschluss die Aktivposten nach strenger Vorsicht mit dem niedrigsten Wert gemäß § 252 Handelsgesetzbuch (HGB) zu bewerten, beispielsweise die unfertigen Bauleistungen zu Herstellungskosten bzw. beizuleg...
Anzahlungsquote
In Verbindung mit Anzahlungen des Auftraggebers bzw. Bestellers an das Bauunternehmen als Auftragnehmer als Summe aus erhaltenen Vorauszahlungen und Abschlagszahlungen im Bauunternehmen kann die "Anzahlungsquote" als Kennzahl bzw. Maßstab für Beurtei...
Bilanzierung
Als Bilanzierung bezeichnet man die Bewertung der Positionen in der Bilanz, und zwar dem Grunde und der Höhe nach.Dem Grunde nach wird mit den Bilanzansätzen entschieden, was als Vermögen oder Kapital bilanziert werden muss (Bilanzierungsgebote, meis...
Um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten, verwenden wir Cookies. Einige dieser Cookies sind erforderlich für den reibungslosen Ablauf dieser Website, andere helfen uns, Inhalte auf Sie zugeschnitten anzubieten. Wenn Sie auf „ Ich akzeptiere“ klicken, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.
Individuelle Cookie-Einstellungen Ich akzeptiere