Lohn / Tarif / Rente

Lohnsteuer

Grundlage für die Lohnsteuer (LSt) sind Einkünfte aus nicht selbstständiger Arbeit von Arbeitnehmern in einem Unternehmen. Der Form nach entspricht sie der vom Arbeitslohn erhobenen Einkommensteuer (ESt). Die Lohnsteuer ist folglich keine selbstständige Steuer, sondern eine besondere Erhebungsform der Einkommensteuer. Steuerschuldner für die Lohnsteuer ist der Arbeitnehmer. Die Berechnung der Sache und Höhe nach erfolgt vom Arbeitgeber, der dann auch zur Abführung der Lohnsteuer an das Finanzamt verpflichtet ist. Für den Unternehmer ist die Lohnsteuer praktisch ein durchlaufender Posten.
Für den Unternehmer ist die Lohnsteuer unter mehreren Aspekten zu sehen:
  • Die Berechnung und Einbehaltung der Lohnsteuer ist eine Verwaltungstätigkeit, die der Arbeitgeber im Interesse des Staates durchzuführen hat. Sie erfordert ein hohes Maß an Genauigkeit, denn der Arbeitgeber haftet für die korrekte Einbehaltung und Abführung und kann nach § 42g Einkommensteuergesetz (EStG) für zu wenig einbehaltene Lohnsteuer in Anspruch genommen werden.
  • Der Leistungsanreiz für den Arbeitnehmer ist letztlich sein Nettoverdienst, d. h. sein Geldeinkommen nach Abzug der Lohnsteuer und der Beiträge zur Sozialversicherung. Das Bauunternehmen sollte bemüht sein, alle lohnsteuerlichen Vergünstigungen auszuschöpfen, um dem Arbeitnehmer steuerfreie oder steuerbegünstigte Vorteile zukommen zu lassen. Das betrifft besonders Möglichkeiten der Übernahme durch den Arbeitgeber sowie Lohnsteuerpauschalisierungen z. B. bei geringfügiger Beschäftigung, bei Sachbezügen, Fahrtkostenabgeltungen, von sonstigen Bezügen, begünstigten Mahlzeiten, Erholungsbeihilfen u. a.
  • Für die Ermittlung der Lohnsteuer sind Lohnsteuertabellen vorgeschrieben, je nach Lohnzahlungszeitraum ist entweder die Jahres-, Monats-, Wochen- oder Tageslohnsteuertabelle anzuwenden. Der Spitzensteuersatz, der Eingangssteuersatz sowie auch der Grundfreibetrag wurde in den letzten Jahren wiederholt verändert. Die Lohnsteuerklassen berücksichtigen den Familienstand und mögliche Kinderfreibeträge.
  • Die Lohnsteuer ist vom Bauunternehmer als Arbeitgeber nach § 41a Einkommensteuergesetz (EStG) bis spätestens 10. Kalendertag dem Betriebsstättenfinanzamt in einer Steuererklärung mit den Summen der im Lohnsteuer-Anmeldungszeitraum einzubehaltenden Lohnsteuer anzugeben und abzuführen. Anmeldezeitraum ist grundsätzlich der Kalendermonat. Beträgt die abzuführende Lohnsteuer für das vorangegangene Kalenderjahr mehr als 1.080 €, aber nicht mehr als 5.000 €, dann gilt das Kalendervierteljahr für den Anmeldezeitraum. Das hat ausschließlich auf elektronischem Weg (ELSTER) zu erfolgen.
  • Für den Lohnsteuerabzug sind die elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale nach ELSTAM als Ersatz der früher von den Gemeinden ausgestellten Lohnsteuerkarte heranzuziehen. Sie werden auf Veranlassung des Arbeitnehmers automatisiert durch das Bundeszentralamt für Steuern gebildet. Für den Lohnsteuerabzug im Verfahren der elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale nach ELSTAM sind ab 2019 die Vorschriften und verfahrensrechtlichen Schritte nach den Aussagen im Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) vom 8. November 2018 (veröffentlicht im Bundessteuerblatt I 2018, S. 1137) zu beachten und anzuwenden.
  • Der Arbeitgeber erhält die für den Lohnsteuerabzug wichtigen Merkmale nach § 39 im EStG unmittelbar von der Finanzverwaltung. Vom Bauunternehmen sind die Daten zu Beginn des Arbeitsverhältnisses des Arbeitnehmers online abzurufen und auf das Lohnkonto zu übernehmen, wozu das Unternehmen monatlich verpflichtet ist. Die Lohnsteuerabzugsmerkmale sind für den Arbeitnehmer in der Lohnabrechnung auszuweisen.
Für die Berechnung der Lohnsteuer sind weiterhin folgende Aspekte von Bedeutung und vom Unternehmen zu berücksichtigen:
  • Dauer des Dienstverhältnisses,
  • Art und Höhe des gezahlten Bruttoarbeitslohns,
  • steuerbegünstigte Versorgungsbezüge,
  • vermögenswirksame Leistungen und Arbeitnehmersparzulage,
  • Arbeitnehmerbeiträge zur gesetzlichen Sozial-, Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung,
  • Arbeitgeberleistungen für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte,
  • Verpflegungszuschuss bei mehr als zehnstündiger Abwesenheit nach bautariflichen Regelungen,
  • Art und Höhe des Arbeitslohns, die steuerfreien Bezüge, die Lohnsteuer- und Kirchensteuer-Beträge,
  • einen Lohnsteuer-Jahresausgleich vornehmen,
  • zur Lohnsteuer-Außenprüfung Unterlagen und Auskünfte gewähren u. a.
Neben dem jährlich vorbestimmten Grundfreibetrag nach § 32a EStG sind bei der Lohnsteuerberechnung auch noch ein Werbungskostenpauschbetrag nach § 9a Satz 1 EStG, eine bruttolohnbezogene Vorsorgepauschale und ein Pauschalbetrag für sonstige Sonderausgaben nach § 10c EStG von Bedeutung und zu berücksichtigen.
Gemeinsam mit der Lohnsteuer ist der Solidaritätszuschlag als Ergänzungsabgabe vom Arbeitslohn einzubehalten und an das Finanzamt abzuführen. Die Berechnung erfolgt mit einem Prozentsatz (z. Z. 5,5 %) vom Betrag der einbehaltenen Lohnsteuer. Weiterhin sind die großen Religionsgemeinschaften nach Landesrecht berechtigt, von ihren Mitgliedern Kirchensteuer zu erheben. Die Kirchensteuer wird als Zuschlag zur Einkommensteuer bzw. Lohnsteuer berechnet, sie beträgt je nach Bundesland zwischen 8 und 9 % der Einkommen- bzw. Lohnsteuer. Die Kirchensteuer ist ebenfalls vom Arbeitgeber einzubehalten und an das zuständige Finanzamt abzuführen.
In Verbindung mit der Einkommen- und Lohnsteuer sind auch die geldwerten Vorteile zu versteuern, im Bauunternehmen vor allem aus den Überlassungen von Firmen-Pkw an Arbeitnehmer neben dem dienstlichen auch für den privaten Gebrauch. Überwiegend wird dabei die 1 %-Regelung angewendet. Danach wird der geldwerte Vorteil mit 1 % des auf volle 100 € abgerundeten Listenpreises des Pkw angenommen, bei Gebrauchtwagen der zum Zeitpunkt der Erstzulassung maßgebende Listenpreis zuzüglich Kosten für Sonderausstattungen und Mehrwertsteuer. Zusätzlich ist noch ein Betrag für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte anzusetzen, und zwar 0,03 % vom Listenpreis je Entfernungskilometer. Durch den Arbeitgeber werden davon je Entfernungskilometer 0,30 € mit 15 % pauschal versteuert bzw. übernommen. In der Berechnung werden meistens monatlich 15 Tage als Durchschnitt angesetzt.
21.12.2018
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