Lohn / Tarif / Rente

Sozialversicherung

Die Sozialversicherung ist ein Versicherungssystem, das folgende 5 Zweige umfasst:
Soweit eine versicherungspflichtige Tätigkeit vorliegt, sind im Rahmen der jeweiligen Beitragsbemessungsgrenzen zur Sozialversicherung. Versicherungsbeiträge vom Bauunternehmen als Arbeitgeber einzubehalten und an die zuständige Krankenkasse als Einzugsstelle abzuführen. Überschreitet das normale Arbeitsentgelt die jeweilige Beitragsbemessungsgrenze, werden die Sozialversicherungsbeiträge nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze erhoben.
Für die gesetzliche Krankenversicherung gelten bundeseinheitlich für das Jahr 2020 als:
  • besondere Jahresarbeitsentgeltgrenze nach § 6 Abs. 7 Sozialgesetzbuch (SGB) V bundeseinheitlich = 56.250 € (2019 = 54.450 €) im Jahr und
  • allgemeine Jahresarbeitsentgeltgrenze nach § 6 Abs. 6 SGB V bundeseinheitlich = 62.550 € (2019 = 60.750 €) im Jahr.
Wenn ein Arbeitnehmer mehr verdient, unterliegt er nicht mehr der gesetzlichen Krankenversicherungspflicht.
Auf das voraussichtliche Jahresarbeitsentgelt werden alle beitragspflichtigen Bezüge angerechnet, die mit hinreichender Sicherheit zu erwarten sind, z. B. auch Weihnachtsgeld und zusätzliches Urlaubsgeld entsprechend der Urlaubsvergütung in der Bauwirtschaft. Die Berechnung ist bei Beginn einer Beschäftigung und jeweils erneut zum 1. Januar eines jeden Jahres vorzunehmen.
Zur gesetzlichen Krankenversicherung beträgt der allgemeine Beitragssatz weiterhin 14,6 %, zu tragen paritätisch je zur Hälfte = 7,30 % vom Bauunternehmen als Arbeitgeber sowie vom Arbeitnehmer. Zusätzlich kann die jeweilige Krankenkasse noch einen einkommensabhängigen Zusatzbeitrag verlangen, der ebenfalls seit 2019 wieder paritätisch, d. h. je zur Hälfte vom Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu finanzieren ist. Der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz (als Richtgröße) in der gesetzlichen Krankenversicherung steigt im Jahr 2020 auf 1,1 %. Der monatliche Höchstzuschuss des Arbeitgebers zur privaten Krankenversicherung beträgt im Jahr 2020 mit Anspruch auf Krankengeld 367,97 € und ohne Anspruch auf Krankengeld 353,91 €.
Die Einkommensgrenze, ab der die vollen Sozialversicherungsbeiträge bei geringfügiger Beschäftigung zu zahlen sind, ist seit 1. Juli 2019 von 850 € auf 1.300 € als obere Grenze des "Übergangsbereichs" anstelle der Gleitzone gestiegen. Erst zur oberen Grenze des Übergangsbereichs gleichen sich die Beiträge dem allgemeinen Beitragssatz nach dem Gleitzonenfaktor von 0,7547 im Jahr 2020 (Vorjahr 0,7566) an. Daraus ableitend zahlen die betreffenden Beschäftigten geringere Sozialversicherungsbeiträge und haben auch keine Nachteile bei den Rentenbezügen.
Selbstständige stehen nicht in der Sozialversicherungspflicht, sie können sich aber bei bestimmten Voraussetzungen versichern. Die Regelbemessungsgrenze zur freiwilligen Versicherung in der Krankenversicherung beträgt für hauptberuflich Selbstständige ebenfalls bundeseinheitlich 4.687,50 € im Monat. Für Selbstständige und Freiberufler beträgt die Mindesteinkommensgrenze 1.061,67 € im Monat.
Der Mindestbeitrag, den Kleinselbstständige zur Krankenversicherung zu entrichten haben, wurde ab 2019 halbiert. Der Beitrag leitet sich aus der Halbierung der Mindestbeitragsbemessungsgrundlage ab.
Auch Kleinselbstständige profitieren seit 2019 von dieser Regelung. Bei Einnahmen oberhalb der Mindestbemessungsgrenze werden jedoch weiterhin die tatsächlichen Einnahmen zur Berechnung der Beiträge herangezogen.
Die Feststellung, welche Sozialversicherungsbeiträge für einen bestimmten Arbeitnehmer abzuführen sind, erfolgt über die sogenannten Beitragsgruppen. Bereits bei Beginn einer versicherungspflichtigen Tätigkeit muss der Arbeitnehmer einer Beitragsgruppe zugeordnet werden, da diese auf der Anmeldung für die Krankenkasse anzugeben ist (z. B. normal oder mit einem höheren oder verminderten Beitrag kranken- und rentenversichert). Die Abführung der Sozialversicherungsbeiträge durch den Arbeitgeber wird durch ein einfaches Verfahren geregelt. Für Beträge, deren tatsächlicher Wert für den laufenden Monat noch nicht bekannt ist, kann der Betrag in Höhe des Vormonats gezahlt werden und aufwendige Schätzungen können entfallen. Auftretende Abweichungen gegenüber der tatsächlichen Beitragsschuld müssen in der Entgeltabrechnung des Folgemonats rechnerisch noch abgezogen oder addiert, d. h. ausgeglichen werden.
Die Beiträge zur Sozialversicherung zählen zu den gesetzliche Sozialkosten. Sie sind folglich auch Bestandteil der Lohnzusatzkosten bzw. speziell der lohngebundenen Kosten der gewerblichen Arbeitnehmer im Bauunternehmen sowie der Gehaltszusatzkosten der Angestellten und Poliere. In der Baukalkulation erfolgt die Berücksichtigung in den Baupreisen über den Kalkulationslohn.
Unternehmer des Baugewerbes haften nach dem Sozialgesetzbuch (§ 28e, Abs. 3a SGB IV und § 150, Abs. 3 SGB VII) auch für den Gesamtsozialversicherungs- und den Unfallversicherungsbeitrag ihrer mit Bauleistungen beauftragten Nachunternehmer (NU), und zwar wie ein selbstschuldnerischer Bürge. Die Haftung setzt einen Beitragsanspruch der Einzugsstelle gegen den Nachunternehmer voraus, wobei es nur um Beiträge für Arbeitsleistungen im Rahmen des Bauauftrages geht. Die Haftung für den Gesamtsozialversicherungsbeitrag greift erst ab einem Gesamtwert aller Bauleistungen für ein Bauwerk von 275.000 €). Verwiesen sei hierzu auf Ausführungen unter Hauptunternehmerhaftung.
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